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Ein Tag mit ALPINA am Bilster Berg

Text
Horst von Saurma

Fotos
Pierre-Etienne Ferraro

Andreas Bovensiepen, Firmenchef, Rennfahrer, Wein-
Connaisseur, weiß, was es braucht, Kunden zu begeistern. Ein Tag mit ALPINA am Bilster Berg.

Von dieser Sorte Mensch gibt es nicht viele in der Branche – wenn es überhaupt einen Zweiten gibt. Entweder machen sie das eine, oder das andere: einkaufen oder verkaufen. Produzieren oder konsumieren. Rennautos einsetzen oder Rennen fahren. Organisieren oder zelebrieren. Fliegen oder Motorrad fahren. Gewinnen oder verlieren. Aber dieser Typ, er heißt Andreas Bovensiepen, macht einfach alles: Er schmiedet Allianzen. Vertreibt Autos. Ist bei der Entwicklung neuer Fahrzeugtypen dabei. Schließt Verträge. Fährt Tests. Organisiert, motiviert und delegiert. Er besitzt eine MV Agusta F4 1000 R. Fliegt eine ­Columbia 350. Ist Instruktor bei Fahrertrainings. War aktiv in der Tourenwagen-WM und in der DTM (1987). Siegte beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring (1998). Gewann als Teamchef mit einem BMW ALPINA B6 die ADAC GT Masters (2011). Kauft und verkauft exklusive Weine. Und verliert ab und zu auch mal die Nerven. Aber vielbeschäftigte, glücklich verheiratete Väter von zwei kleinen Kindern dürfen das. Jetzt steht der 55-jährige Chef von ALPINA mit dem Funkgerät in der einen und mit der Teilnehmerliste in der anderen Hand im Fahrerlager und weist drei Dutzend in unterschiedliche Gruppen eingeteilte Autos ein.

»Bei ALPINA geht seit der Gründung bis heute um Perfektion und Genuss.«

Einfach ist das aufgrund der durchweg ähnlichen Fahrzeugmodelle nicht. Angesichts der unverkennbaren Farbpalette – es dominieren die Marken-typischen Lackierungen in Grün und Blau, vereinzelt sind aber auch Silber und Weiß dabei – ist kein ­kriminalistisches Gespür erforderlich, um schon mit einem Blick aus der Ferne zu erkennen, dass es sich hier um eine exklusive Versammlung edler Pretiosen aus dem Allgäu handelt.

Anlass des Treffens: der »ALPINA Drive Day«. Der zweite seiner Art nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr. Zeit und Ort der Veranstaltung: Ende Juni auf der nahe des Kurbads Bad Driburg, also im Herzen der ostwestfälischen Provinz, gelegenen Berg-und-Tal-Strecke namens Bilster Berg. Ein perfekter Wellness-Kurs.

Der Gastgeber: die ALPINA Burkard Bovensiepen GmbH + Co. KG. Sie ist in Buchloe beheimatet und seit Jahrzehnten erste Adresse für die Herstellung exklusiver BMW-Automobile.

Die breite Palette der Teilnehmerfahrzeuge reicht an diesem Frühsommertag vom ALPINA B10 Biturbo aus dem Jahr 1989 über aktuelle B3-, B5-, B6- und B7-Modelle bis hin zu dem vor fünf Jahren in limitierter Stückzahl aufgelegten ­­B3 GT3, der als sportlicher Überflieger mit Rundstrecken-­affinem Leistungsgewicht und grün-silber-blauer Kriegsbemalung etwas schrill aus der ALPINA-Produktrange herausragt.

»Unsere Philosophie bei ALPINA ist es ja üblicherweise nicht, die Autos so spitz auf Rennstreckentauglichkeit hin zu trimmen«, erklärt Bovensiepen. Schließlich würden die Produkte aus Buchloe zuvorderst auf öffentlichen Straßen bewegt und müssten von daher andere Kriterien erfüllen.

Sein Vater Burkard ist ein ausgewiesener Spritspar-Fan und legt großen Wert auf hohes Drehmoment und auf gute Fahrbarkeit. »Aus genau diesem Grund waren die von ihm ­gebauten Rennwagen so erfolgreich.«

ALPINA war übrigens drei Mal Tourenwagen-Europameister – 1970, 1973 und 1977 – und schaffte drei Mal den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Unvergessen der Sieg von Niki Lauda 1973 im berühmten 
Jägermeister-CSL.

»Ja, wir haben als Kinder immer mitgefiebert.«

Als einer, der auf dem ALPINA-Betriebsgelände aufgewachsen ist, mit Rennfahrer-Helden wie Niki Lauda im Fahrerlager zusammensaß und dem so der Renn-Bazillus quasi intravenös verabreicht worden ist, blieb dem ältesten Sohn des Hauses gar nichts anderes übrig, als sich den Grenzbereichen in den verschiedensten Ausprägungen und Formen zu widmen.

So jucke es ihn ab und zu noch immer mächtig in den Fingern, die Kompetenz der Marke auch in Bezug auf extreme Querbeschleunigungen – ergo Motorsport – beweisen zu können. Der Motorsport sei eine perfekte Schule, speziell für die, die hinter der Boxenmauer stünden.

Breites technisches Wissen, analytisches Denken, ein Gespür für Taktik, gutes Zeitmanagement, Teamfähigkeit und nicht zuletzt große Stress-Resistenz seien, so der diplomierte Betriebswirt mit intensivem Technik-Bezug, im Rennsport unerlässlich. Wer die harte Rennsport-Schule, so wie einige der mittlerweile 240 ALPINA-Mitarbeiter, durchlaufen habe, der sei auch an der Front des Tagesgeschäfts unschlagbar und durch nichts mehr zu erschüttern.

Der Rennsport als Lehrstück – diese Herangehensweise hat der Gründer des Unternehmens, Burkard Bovensiepen (80), von Anfang an zum Prinzip gemacht. Nach dem ersten technischen Paukenschlag im Gründungsjahr 1965, dem Umbau von einem Einfach-Vergaser auf eine Weber-Doppelvergaseranlage beim 1500er BMW, folgten Dutzende genialer Einfälle sowohl auf dem Motoren- als auch auf dem Fahrwerkssektor. Die typische, filigrane Vielspeichenfelge von ALPINA – wer kennt sie nicht?

»Mit den Münchnern (er meint die BMW AG) verbindet uns von Beginn an weit mehr als nur eine Partnerschaft.« 
Es sei eine extrem fruchtbare, auf hohen gegenseitigen Respekt basierende und nicht zu erschütternde Allianz.

Mit »uns« meint er auch seinen Bruder Florian, der als Geschäftsführer unter anderem den Einkauf verantwortet, und Vater Burkard, der aus dem Hintergrund die Geschicke der Firma ALPINA nicht nur konstruktiv-kritisch begleitet, sondern sie am Ende auch noch immer maßgeblich mitbestimmt. Was mit Burkards Vergaser-Umbau 1965 begann, führt heute jährlich zu rund 1.700 gebauten BMW-ALPINA-Autos.

In seiner Eigenschaft als Instruktor springt »AB«, wie Andreas analog des väterlichen Kürzels »BB« genannt wird, in eine bis dato noch als Geheimnis gehütete Fünfer-Limousine. Den Trainings-Teilnehmern wird die dumpf tönende Power-Limousine später als der neue BMW ALPINA B5 Bi-Turbo vorgestellt. Dieses jüngste Werk des nach wie vor familiengeführten Unternehmens ist nicht weniger als 608 PS stark, mit einem Dreh­moment von 800 Newtonmetern gesegnet, beschleunigt in ­
3,5 Sekunden auf Tempo 100 und rennt 330 km/h. Der mit dem B7 stärkste je gebaute Straßen-ALPINA ist erstmals mit Allradantrieb am Start.

Bisher wurde bei ALPINA der klassische Hinterradantrieb als die fahrdynamisch effektivste Variante präferiert. Seine Fahrwerksspezialisten um Andreas Wöllmer, der auch als Instruktor tätig ist, hätten aber, so Bovensiepen augenzwinkernd, die bei Allradlern früher bauartbedingte Neigung zum Untersteuern elegant weggezaubert. Tatsächlich zeigt der Achtzylinder-Biturbo, den es nur bei ALPINA auch in der Touring-Karosse gibt, ein sehr neutrales, am Limit dezent zum Übersteuern neigendes Fahrverhalten.

Bei den fünf Verfolgern, die sich gehorsam an die von ­Bovensiepen vorgeschriebene Ideallinie halten, handelt es sich – wie in den anderen Gruppen auch – ausnahmslos um Menschen, die sich der Marke mit den früher charakteristischen, im asiatischen Raum noch immer als kultig angesehenen Zierstreifen traditionell stark verbunden fühlen. Kunden, die ihren dritten oder vierten ALPINA besitzen, sind in dieser Riege keine Seltenheit.

Andreas Schneider aus Köln, der die 4,2 Kilometer lange, mit neun Rechts- und zehn Linkskurven sowie Steigungen und Gefälle von bis zu 26 Prozent gespickte Strecke mit seinem Sohn Leonhard aus B4-Cabrio-Perspektive kennenlernt, ist mit Grenzbereich-Erforschungen, so wie sie hier am Bilster Berg praktiziert werden, bisher wenig vertraut – wie die meisten der Teilnehmer.

»Ich hätte im Leben nicht geglaubt, einen so anspruchsvollen Kurs wie diesen so zügig und sicher unter die Räder nehmen zu können.« Sohn Leonhard, kurz vor der Führerscheinprüfung, grinst: »Mir war das von vornherein klar. Mit einem BMW ALPINA geht das eben.«

Von Veranstalterseite hört sich das so an: »Bei allem Fahrkomfort und hoher Alltagstauglichkeit unserer Fahrzeuge wollen wir mit diesem von Profis geführten Training zeigen, wie hoch die Sicherheitsreserven unserer Autos sind und wie viel Spaß es macht, ihre fahrdynamischen Möglichkeiten ­gefahrlos auszureizen.« Wie das geht, nämlich mit der eigenen, sprichwörtlichen Freude am Fahren auch andere anzustecken und süchtig zu machen, zeigt ALPINA-Chef Andreas Bovensiepen nicht nur durch sein beherztes Vorausfahren, bei dem die exakte Verfolgung der Ideallinie stets als oberste Maxime herausgegeben wird. »Exaktes Fahren ist sicherer auf der Rennstrecke und im Alltag.«

Es ist auch seine großzügige Einladung zur Mitfahrt in einem BMW ALPINA M3, Gruppe A, jenem Auto, mit dem er 1987 selbst die DTM sowie Läufe zur Tourenwagen-WM ­bestritt und das der Szenerie am idyllisch gelegenen Bilster Berg einen wunderbaren, nach Rennöl duftenden Anstrich gibt.

Gegen das typische kehlige Brüllen des 315 PS starken, mit offenen Ansaugtrichtern und ebensolchem Auspuff antretenden Vierzylinders mutet die auf der Strecke zum freien 
Fahren versammelte neue ALPINA-Garde fast so an wie eine stille Formation futuristischer Design-Ikonen.

Glücklich lächelnd steigt Andreas Bovensiepen aus seinem Renner und resümiert zufrieden: »Gestern Abend konnten unsere Kunden unsere exzellenten Weine genießen. Hier geht es ausnahmsweise nicht um Schnelligkeit – man muss den großen Weinen Zeit geben, zu reifen. Und heute konnten unsere Kunden ihre Fahrzeuge im Grenzbereich erfahren und genießen. Bei ALPINA geht seit der Gründung bis heute um Perfektion und Genuss.«

»Bei allem Fahrkomfort und hoher Alltagstauglichkeit unserer Fahrzeuge wollen wir mit diesem von Profis geführten Training zeigen, wie hoch die Sicherheitsreserven unserer Autos sind und wie viel Spaß es macht, ihre fahrdynamischen Möglichkeiten ­gefahrlos auszureizen.«

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