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Maximal MINI E: Ein Gespräch mit Christopher Weil

Text
Philipp Wente

Fotos
Günter Schmied

Knapp zehn Jahre nach Vorstellung des MINI E treffen wir Christopher Weil, Head of Exterior Design bei MINI. In einem streng 
bewachten Foto­studio in Greater Munich stehen wir vor dem 
MINI ELECTRIC CONCEPT und fragen uns, wohin der Weg von MINI führt. Und das fragen wir dann natürlich auch Christopher Weil.

Herr Weil, die Automobilindustrie befindet sich in einem radikalen Umbruch. Erzwingen neue Technologien andere Designs? Ist elektrisch zwingend eklektisch?
Nein, das ist grundfalsch. Nur weil etwas elektrisch angetrieben wird, muss es ja nicht intellektuell und abgehoben werden. Das MINI ELECTRIC CONCEPT zum Beispiel steht für Fahrfreude pur. Im Kern geht es uns bei diesem Entwurf darum, Lebensfreude zu vermitteln und die Idee MINI in die Zukunft zu entwickeln.

Was am MINI ELECTRIC CONCEPT ist noch urig?
Bei jeder Neuinterpretation des MINI versuchen wir die prägenden Elemente des Ur-Mini zu bewahren. Eines davon ist, ganz klar, das abgesetzte Dach. Wir nennen es Kontrastdach. Daneben die ikonischen Rundscheinwerfer in Kombination mit dem hexagonalen Grill. Grundsätzlich legen wir unter anderem immer ein besonderes Augenmerk auf die Flächensprache. Der Ur-Mini hat ­volle Flächen, die sehr clean sind. Die also ohne viele Sicken und Kanten auskommen. Diese besondere Formensprache versuchen wir, beizubehalten und behutsam weiterzuentwickeln.

Empfinden Sie es als Belastung, an einer Designikone, bei der vieles vorgegeben scheint, zu arbeiten?
Nein. Die Vorgaben geben in gewisser Weise ja auch Halt. Heute gibt es nur noch wenige Automobil-Ikonen, und MINI ist eine davon. Diese weiterzuentwickeln, dabei auch zu bewahren, ist sicher keine einfache Aufgabe. Ich empfinde sie aber als tolle Herausforderung.

»So pur wie möglich zu werden, darum geht es.«

Was ist maximal MINI?
Ein MINI muss möglichst kompakt sein. Und Agilität ausstrahlen über die reine Form. Mir ist es wichtig, ihn so zu gestalten, dass das Design genau das verspricht, wofür das Fahrzeug steht: diese besondere, kompakte Sportlichkeit. Maximal MINI ist aber natürlich auch der Anspruch, dass ­j­e-der, vom Kind bis zum Senioren, einen MINI sofort als solchen identifiziert.

Das hört sich alles recht rational an. Präferieren Sie Ordnung oder eher das Chaos?
Ordnung. Ich denke, dass MINI vor allem über die ­Reduktion lebt. Als Designer sind wir immer wieder versucht, »wilde Formen« zu entwerfen, verrückte Linien aufs Papier zu bringen. Natürlich ist es sehr, sehr leicht, ein Fahrzeug über ausbordende Linien zu beschreiben. Diese dann zu reduzieren, wieder zum Kern zu kommen, dazu braucht es schon ein bisschen Disziplin.

Kill your darlings?
Ja, auf jeden Fall. So pur wie möglich zu werden, darum geht es.

Radius oder rechter Winkel?
Beim MINI eher der Radius. Neben der Reduktion geht es beim MINI um Weichheit und Sinnlichkeit. Und sinnliche Flächen entstehen eher nicht über den rechten Winkel. Beim MINI hilft der Radius, die muskulöse, wohldefinierte Sportlichkeit zu gestalten. Diese Art von Sportlichkeit, ohne dabei wie ein Bodybuilder rüberzukommen, ist wie gesagt Kern der Marke.

Egon Eiermann oder Ray und Charles Eames?
Da bin ich eher bei den Eames. Ray und Charles Eames haben neben der Reduktion eine ganz besondere Sinnlichkeit in ihren Möbeln, die bis heute Gültigkeit hat. Man merkt dem Design an, dass sie sich profunde Gedanken gemacht haben. Egon Eiermanns Entwürfe sind eher klar und geometrisch, während Charles und Ray Eames die Geometrie mit weichen Flächen verbinden. Mich fasziniert die stringente Handschrift über die große Bandbreite ihres Schaffens.

Dieter Rams oder Verner Panton?
Eher Dieter Rams, ein Schöpfer von absoluten Klassikern, die bis heute inspirieren. Und in ihrer Geradlinigkeit eine zeitlose Ausstrahlung haben. Sein für Vitsœ gestaltetes Regalsystem, das kürzlich wieder neu aufgelegt wurde, ist einfach sensationell. Ich habe es mir für zuhause gekauft. Und es ist bei gutem Design eben nicht so, dass man sich das hinstellt und dann sagt: »Na ja, cool.« Ich bin täglich, wirklich jeden Tag aufs Neue begeistert davon.

»Ein MINI muss kompakt sein. Und Agilität ausstrahlen über die reine Form.«

Was sind Ihre Vorbilder, außer Eames und Rams?
Alle Designer, die sich wirklich mit dem Produkt auseinandergesetzt, sich daran gerieben haben. Und so etwas ­geschaffen haben, was zeitlose Gültigkeit besitzt.

Mit gutem Design kann man also Freude generieren. Was ist der Antrieb für Ihr Tun?
Mein Ziel ist, etwas Neues zu schaffen, etwas, das so vorher nicht da war. Bis heute bin ich fasziniert von dieser tiefen Auseinandersetzung mit einem Produkt. Die Ansprüche des Kunden zusammen mit den eigenen zu verbinden, bis hin zu der Emotion, die während dieses Gestaltungsprozesses in das ­Produkt fließt.

Gibt es einen Klimax im Prozess des Schaffens?
Der schönste Moment ist eigentlich, wenn man das erste Mal sieht, wie die Kreation funktioniert. Wenn man sieht, dass die Idee Fleisch geworden ist, sich manifestiert hat. Das ist magisch.

Diese Magie ist zu spüren bei dieser ersten Begegnung mit dem MINI ELECTRIC CONCEPT. Wie nah ist dieses Konzept der 2019 in den Markt kommenden Serie?
Es ist natürlich keine Eins-zu-eins-Umsetzung. Beim MINI ELECTRIC CONCEPT haben wir die Möglichkeiten genutzt, die relevanten Themen zu überhöhen. Wir wollen damit zeigen, wie die elektrische Zukunft für die Marke MINI aussehen kann.

Und die sehen Sie gelb?
Wir haben uns für Gelb als markierende Farbe für Elektro-
Mobilität bei MINI entschieden. Gelb ist sehr lebensbejahend, strahlt Freude aus, symbolisiert zudem Wärme. Wir wollten beim MINI ELECTRIC CONCEPT präziser werden und auch etwas technischer, das kann schnell unterkühlt wirken. Das Gelb, Symbol für die Sonne als Energiequelle unseres Lebens, bildet dazu den Kontrapunkt. Stellen Sie sich einen Sommerabend vor: Die Sonne wirft ein ganz besonderes, ein warmes Licht auf die Welt. Diesen intensiven, emotionalen Moment haben wir versucht, mit dem MINI ELECTRIC CONCEPT einzufangen.

»Neben der Reduktion geht es beim MINI um Weichheit und Sinnlichkeit.«

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