A Bigger Splash

David Hockney malte ihn, Regisseure wie François Ozon widmeten ihm ganze Filme – und auch viele Motive von Fotograf Tony Kelly entstanden am Swimming Pool. Aber nicht nur in der Popkultur ist der künstliche Ort der Ablühlung gefragt - auch an Tagen wie heute. Eine kleine Fallbetrachtung.
Text Wiebke Brauer
Bild Tony Kelly

Oft haftet ihm etwas leicht Verruchtes an. Mit seinem kristallklaren Wasser und der gleißenden Oberfläche, seiner Künstlichkeit und der leichten Dekadenz, die sich mit dem Geruch von Sonnencreme auf warmer Haut vermengt: der Swimming Pool, ein Ort des zelebrierten Auftritts, an dem nur das Äußere zählt – und das Sinnliche.

In »La Piscine« von 1969 umrunden Romy Schneider und Jane Birkin den Pool, und dass Alain Delon darin seinen Rivalen ertränkt, gerät fast zur Nebensache. Tod und Verderben spielen am Pool zwar immer wieder eine Rolle – immerhin schwimmen leblose Körper mit dem Gesicht nach unten sehr schön darin –, aber mehrheitlich steht die Versuchung im Vordergrund: So räkelt sich in François Ozons »Swimming Pool« von 2003 Ludivine Sagnier so gemächlich am Beckenrand, dass ein Pool nie verführerischer aussah.

Vor allem aber ist es die Langsamkeit, die den Pool ausmacht, das Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein – oder zumindest der Eindruck, dass sich die Uhrzeiger wie in Sirup bewegen.

Besser als von Sofia Coppola in dem Film »Somewhere« wurde diese Trägheit nie eingefangen: In einer quälend langen Sequenz treibt Stephen Dorff in der Rolle des gelangweilten Hollywood-Stars Johnny Marco auf dem Pool des legendären Hotel Chateau Marmont in L.A. Auf der leicht ermatteten Luftmatratze, über Minuten, bis er aus dem Bild verschwindet.

Wobei es natürlich unfair wäre, an dieser Stelle Dustin Hoffman in »Die Reifeprüfung« unerwähnt zu lassen. Benjamin Braddock, der mit einer Bierdose in der Hand auf dem Wasser und durch sein Leben dümpelt – oder im Neopren-Anzug, den er von seinen Eltern geschenkt bekam, auf den Boden des Pools sinkt, bis die Stimmen der Geburtstagsgäste verstummen. Stichwort Festivität: Natürlich wird pausenlos am Beckenrand gefeiert – legendäre Poolpartys mit blauem Chlorwasser und roten Erbeer-Daiquiris, grandios überzeichnet wie in »The Great Gatsby« oder trostlos wie in »Rushmore« mit dem Midlife-Crisis-geplagten Bill Murray.

In jedem Fall aber steht das Exponierte im Vordergrund, weil der Pool kein wogender Ozean ist, vor dessen Kulisse jeder Mensch zum Nebendarsteller degradiert wird – und kein privater Raum wie die Badewanne, in der man allein das Vergessen sucht. Sicherlich ist die Darstellung der eigenen Person auch deswegen essenziell, weil das Weglassen von Textilien kein Kann ist, sondern ein Muss – und der Bikini in all seinen Aus- und Einsparungen am Frauenkörper gefeiert wird. Sonne und Schatten ziehen abwechselnd über den nackten Leib, Wassertropfen glitzern darauf und verdunsten in der Hitze.

Im Pool regiert das süße Nichtstun. Wobei: So ganz richtig ist das nicht. Neben der Hauptbeschäftigung des sich abwechselnden Abkühlens und Erhitzens betrachtet man sich und die anderen, am und im Wasser. Jens Jessen schrieb passenderweise dazu über Freibäder in der »Zeit«: »Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass der Voyeurismus ausschließlich ungesunden Begierden diene. Tatsächlich erschöpft die Betrachtung von Körpern, vor allem ihrer anregenden Absonderlichkeiten, nur die Fantasie.« Und genau in diesem Punkt unterscheidet sich das Freibad vom Swimming Pool: In der öffentlichen Badeanstalt findet sich das selige Nichts in der Überfülle – im Pool aber in der Verheißung.


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