Alles in Ordnung: der Designer Otl Aicher

Die Olympischen Spiele in München 1972 und deren ganzheitlicher Ansatz in Sachen Design gelten bis heute als Otl Aichers Meisterwerk schlechthin – aber der gebürtig Ulmer war viel mehr – und vor allem von Moral und Ordnung geleitet. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.
Text Marko Knab
Bild Werek / Imago

Gute Menschen? Brauchen gute Kommunikation. So könnte man Otl Aichers Gestaltungsansatz zusammenfassen. Denn in den Augen des deutschen Designers muss visuelle Kommunikation nicht nur verständlich sein – sondern auch moralische Verantwortung übernehmen. So wie bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Für deren Außenwahrnehmung ist Aicher zuständig. Geprägt vom Zweiten Weltkrieg und dem NS-Regime schafft es der Ulmer, der jungen Bundesrepublik eine neues Gesicht zu geben: mit Regenbogen und Dachshund Waldi, aber ohne Machtfarben wie Schwarz und Rot. Zumindest sieht er diese Farben ausgesprochen kritisch – und lässt sie bei der Gestaltung komplett aus. Stattdessen bevorzugt er lebhafte und kräftige Töne, kombiniert mit klaren Linien und vielschichtigen Texturen.

Gute Menschen? Brauchen gute Kommunikation. So könnte man Otl Aichers Gestaltungsansatz zusammenfassen.

Die Gesamtmarke, die so entsteht? Gilt bis heute als eine der besten, die nicht nur im Umfeld des Sports entwickelt wurde. Auch dank der durchaus deutschen Präzision und der Ordnung, die Aicher liebt. Stets darauf bedacht, die Dinge genau zu verstehen, verfolgt er auch bei seiner Arbeit den Anspruch der Ganzheitlichkeit. Von der freundlichen Farbabstimmung über die Gestaltung der Polizei-Uniformen bis zum Design der Getränkedosen. Dabei ensteht auch sein vielleicht größtes Werk, das heute für sie selbst steht: die Piktogramme für die olympischen Sportarten. Selbsterklärend, universell verständlich, die Form aufs Minimum reduziert, trotzdem mit maximaler Aussagekraft. Bis heute finden sie Verwendung. Sie werden zwar immer wieder variiert und neu interpretiert, ihr Kern aber bleibt die Genialität Aichers. Ähnlich zeitlos ist auch die von ihm gestaltete »Rotis«-Schrift, die der Küchenhersteller Bulthaup bis heute noch nutzt. Genau dieses Vermächtnis macht Aicher zu einem Vorreiter des Corporate Design. Und zum deutschen Vater der visuellen Kommunikation.






Neben dem Designer Otl Aicher gibt es auch den Privatmann: Mit Inge, der Schwester der Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl verheiratet, lebt er auch im privaten nach klaren Strukturen – wie Erzählungen über klar gestaffelte Tagespläne belegen. Inspiration wiederum? Findet Aicher seinerzeit in der Natur – und in den Widersprüchen, die ihn ausmachen. Einer davon: die Spannung zwischen seiner konsumkritischen und ökologischen Haltung und seiner großen Leidenschaft fürs Motorradfahren.





Seine Heimatstadt Ulm ehrt den Designer aktuell mit einer Werkschau von 100 Plakaten, die er gestaltete. Ab November steht sein politisches Wirken im Fokus. Von morgen an, dem 14. Mai, sind auf der Webseite otlaicher.de noch zahlreiche weitere Informationen, Texte und Bilder verfügbar.


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