Audrey Hepburn und das kleine Schwarze

Zum 93. Geburtstag von Audrey Hepburn blicken wir kurz auf ihre wohl größte Rolle in »Frühstück bei Tiffanys« zurück – aber vor allem ihr Outfit. Gemeint ist damit natürlich das »kleine Schwarze«, das dank des Films eine echte Renaissance erlebte. Die Geschichte eines Kleids, das zum eigenständigen Begriff wurde.
Text Marko Knab
Bild Moviestills DB

Einen ansprechenden und eleganten Auftritt kann man auf verschiedene Arten hinlegen. Erste Voraussetzung: Frau muss glücklich sein. Sagte zumindest Audrey Hepburn. »Ich glaube, dass glückliche Mädchen die schönsten Mädchen sind.« Und einem glücklichen Mädchen steht das »kleine Schwarze« dann quasi sowieso. Als quirlige Holly Golightly in dem Hollywood-Klassiker »Frühstück bei Tiffany« verleiht Hepburn 1961 dem bis dahin eher verkannten Kleidungsstück neues Leben, das bis heute anhält. Wie genau? Müde und im Schlafanzug steigt die Stilikone aus dem Bett, streift sich das von Hubert de Givenchy maßgeschneiderte Kleid ohne Ärmel über, kombiniert es mit Perlenschmuck und krönt das Outfit mit einem ausladenden Hut. Zelebriert wird so in gut acht Minuten nicht nur eine berühmte Szene der Kinogeschichte – sondern auch ein ikonischer Look.

Aus dem Trauerkleid und einem verruchten Stück Stoff wird nach zwei Weltkriegen auf diese Weise ein gefragtes Kleidungsstück, das vielfältig und lässig elegant kombiniert werden kann. »Wie sehe ich aus?«, fragt Hepburn alias Holly. War wohl eher eine rhetorische Frage. Denn nicht nur Hollys Freund im Film, Paul, ist mehr als überzeugt von dem Outfit. Auch die Frauen der 1960er-Jahre zeigen sich begeistert – egal welcher Herkunft oder gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

»Wie sehe ich aus?«, fragt Hepburn alias Holly. War wohl eher eine rhetorische Frage.

Bleibt nur die Frage, wer das Kleid mit dem ausgesprochen bekannten Eigennamen entworfen hat. Sicher, Hubert de Givenchy schneiderte die Maßanfertigung für Audrey Hepburn und damit das wohl prototypische »kleine Schwarze« – doch existierte es bereits zuvor. Zum Beispiel als Schnitt der französischen Modeschöpferin Coco Chanel, die es schon in den 1920er- und 1930er-Jahren selbst trug und durchaus gut verkaufte. Kombiniert wurde das damals noch mit langen Ärmeln versehene Kleid mit? Natürlich Perlenschmuck, der bis heute eine der beliebtesten Kombinationen mit dem »kleinen Schwarzen« darstellt.

Auch andere Arrangements sind inzwischen en vogue: rebellische Auftritte mit Stiefeln und Lederjacke, zurückhaltendes Casual oder eben auch die pure Eleganz. Dementsprechend viele Varianten, Spielarten und Längen der Ikone gibt es inzwischen auch zu kaufen. Allen gemein ist jedoch: Das »kleine Schwarze« ist inzwischen ein absolutes Essential – und alles andere als der Inbegriff des Verruchten. Audrey Hepburn sei Dank.


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