Autos, Freiheit und die Fotografie: Federico Vecchio im Interview

Vor kurzem ist Fotograf Federico Vecchio zum ersten Mal einen Porsche auf der Rennstrecke gefahren. Auch bei seiner Arbeit gibt der 26-jährige Italiener Vollgas – und zeigt uns nicht nur seine schönsten Aufnahmen, sondern verrät uns im Interview auch, was gute Planung ausmacht und was das Mindset mit seinem Erfolg zu tun hat.
Text Marko Knab
Bild Federico Vecchio

Perfektes Grading, ein cleaner Look und ganz viel Feingefühl für die Umgebung eines Autos – das sehen wir, wenn wir ihre Bilder anschauen, Herr Vecchio. Aber wie würde der Fotograf seinen Stil selbst beschreiben?
Vielen lieben Dank! Ich glaube, mein Stil lässt sich schlecht in einem einzigen Wort zusammenfassen. Man könnte ihn aber so beschreiben: Ich tendiere gerne dazu, mit Bildelementen mein Motiv einzurahmen – und damit einen Kontext zu entwerfen. Ich liebe es auch, mit Reflektionen, Texturen und ausgefallenen Farbkombinationen zu spielen. Und ja, ich sitze immer viel zu lange an den Farbmischern von meinen Bildern! (lacht) Insgesamt versuche ich, eine eher warme Stimmung zu entwickeln, aber es kommt natürlich immer auf das Shooting an. Die Fotografie ist eben das Werkzeug, mit dem ich meine Sicht der Dinge teilen kann – das liebe ich!

Was ist Ihnen beim Fotografieren besonders wichtig?
Aus meiner Sicht kann eine beeindruckende Shooting-Location ein eher durchschnittliches Motiv aufwiegen – anders herum ist das viel schwieriger. Für mich ist deshalb das Location-Scouting besonders wichtig. Und wenn man kommerzielle Aufträge möchte, dann ist die Kommunikation mit dem Kunden der Schlüssel zum Erfolg, neben sorgfältiger Planung natürlich. Am Ende des Tages gibt es nämlich nichts Schlimmeres als einen unzufriedenen Kunden. Um genau das zu vermeiden, kümmert man sich eben darum!

»Meinen Stil könnte man so beschreiben: Ich tendiere gerne dazu, mit Bildelementen mein Motiv einzurahmen – und damit einen Kontext zu entwerfen.«

Federico Vecchio

Was sagen uns eigentlich die Bilder über den Menschen hinter der Kamera, diesen Federico Vecchio?
Dass ich eine sehr aufgeschlossene Person bin, gerne neue Menschen kennenlerne und neue Erfahrungen schätze. Es ist nicht ungewöhnlich für mich, dass ich für ein Projekt sehr kurzfristig in ein Flugzeug steige, aber das gehört eben zu meinem Job. Genau wie das Reisen, aber das mache ich auch in der Freizeit. Ich finde es einfach toll, andere Kulturen kennenzulernen und andere Orte zu besuchen! Außerdem bin ich ziemlich fokussiert auf meine Ziele und versuche mich jeden Tag zu verbessern. Jeden Tag bieten sich schließlich neue Abenteuer und Chancen. Oder wie es auf Englisch heißt: Never settle! Ich bin einfach dankbar, dass meine Leidenschaft auch gleichzeitig mein Job ist.

Was ist noch ziemlich typisch für Sie?
Ich versuche so viel wie möglich draußen zu sein, natürlich mit meiner Freundin Giorgia und ihrem Hund! Tatsächlich ist es als Selbstständiger gar nicht so einfach, eine gute Work-Life-Balance zu finden, aber ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.

»Ich tendiere gerne dazu, mit Bildelementen mein Motiv einzurahmen – und damit einen Kontext zu entwerfen. Ich liebe es auch, mit Reflektionen, Texturen und ausgefallenen Farbkombinationen zu spielen.«

Federico Vecchio

Eine Produktion, die Sie nie vergessen werden? Und warum?
Ich bekam die Chance, mitten in der Toskana eine Social-Media-Kampagne für einen Autohersteller zu shooten. Das Team dafür habe ich selbst ausgewählt – das war echt der Gamechanger! Wir hatten einen Riesenspaß trotz schwieriger Bedingungen. Mit guter Planung und einer echten Teamleistung konnten wir perfekt zusammenarbeiten!

Wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Und was war das?
Vor kurzem durfte ich einen Porsche auf der Rennstrecke fahren – und zwar Vollgas. Das war ein Riesenspaß und ein großer Traum, der da in Erfüllung ging!

Feinste Boxermusik also! Aber wenn ihr Leben ein echtes Lied wäre, wie würde der Titel lauten?
Ich höre gerne viele verschiedene Lieder, deshalb ist es ziemlich schwer, da auf ein einziges zu kommen. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann muss das »The Sun« von Parov Stelar sein. Egal, was ich höre, ich lande immer wieder bei diesem Song!


Was wiederum darf niemand von Ihnen wissen?
Das bleibt ein Geheimnis! (lacht)

Was sollte jeder einmal in seinem Leben gemacht haben?
Man sollte von Zeit zu Zeit – oder eben mindestens einmal – innehalten und sich vor Augen führen, wie viel man in seinem Leben erreicht hat. Wir konzentrieren uns oft so sehr auf unsere Fehler, dass wir vergessen, unsere Erfolge zu feiern. Und dann sehen wir sie als selbstverständlich an.

Welches Ereignis in Ihrem Leben hat Sie am meisten geprägt?
Ich erinnere mich noch ganz genau: Als Kind habe ich mit meinem Vater die Formel 1 in Monza gesehen. Und ja, ich war dieses typische italienische Kind. Mit der Ferrari-Mütze und der Ferrari-Flagge. Vor allem war es genau dieses Wochenende, das meine ganz große Liebe zu Autos geweckt hat.

»Man sollte von Zeit zu Zeit – oder eben mindestens einmal – innehalten und sich vor Augen führen, wie viel man in seinem Leben erreicht hat.«

Federico Vecchio

Was treibt Sie an? Beruflich, aber auch sonst im Leben?
Beruflich der Wunsch, mich als Künstler so gut wie möglich weiterzuentwickeln. Und natürlich auch die persönliche Erfüllung, die ich durch meinen Job finde. Ich will einfach jeden Tag mein Bestes gegeben haben! Und ganz persönlich ist es die Freiheit, denn ich schätze sie mehr als alles andere. Frei arbeiten zu können und mir so auch Zeit für meine Familie zu nehmen, schätze ich sehr. Das kann kein Geld der Welt aufwiegen. Genauso wie die gemeinsame Zeit mit meiner Freundin!

Eine letzte Frage noch: Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Ein sehr guter Freund von mir war schon immer vom »Law of Attraction« überzeugt, also dass man das anzieht, was man ausstrahlt. Inzwischen glaube ich auch daran! Geht man nämlich positiv an die Dinge heran und steckt Energie in sie, dann klappt alles einfach besser. Egal, was man tut! Ich glaube fest daran – auch wenn es keine klassische und wissenschaftliche Erklärung dafür gibt. Für mich hat es in jedem Fall den Unterschied gemacht!


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