Beni Bischof: So ein Punkt kann ja alles sein

Der Schweizer Künstler Beni Bischof zeichnet und malt, arbeitet mit Hochglanzfotos – und mit Humor. Wir sprachen mit ihm über Zufälle, blöde Ideen und Kreativität.
Text Michael Köckritz
Bild Beni Bischof

Herr Bischof, ist Ihr Werdegang Zufall oder Absicht?
Ich würde mich als Künstler und Autodidakt bezeichnen. Ursprünglich habe ich Grafiker gelernt, ich wollte aber schon immer frei und selbständig arbeiten, also keinen Chef haben. Gezeichnet und gebastelt habe ich immer, Ideen hatte ich auch immer, war also irgendwie kein Zufall. Auf der anderen Seite gab es bis heute viele kleine Zufälle.

Paul Klee erkennt in einer Linie nur einen Punkt, der spazieren geht, Sie identifizieren einen Punkt frisch als eine Spaghetti von unten. Wie kommt man auf so einen Einfall?
Ich beobachte meine Umgebung genau, hinterfrage sie oft auch visuell und spiele vor allem dann damit. So auch mit einem Punkt, der am Anfang einer Zeichnung steht. Ein Punkt kann ja alles sein, auch das größte Hochhaus ist von weit weg nur ein Punkt. Das fasziniert mich. Der Kontrast – und die Möglichkeit, diese Idee so einfach zu transportieren, zum Beispiel auf ein A4-Blatt.

Wer ist Beni Bischof und was treibt ihn an?
Ich bin ständig auf der Suche und warte auf einen einmaligen Einfall. Ich muss immer wieder ins Atelier, um das beste Gemälde meines Lebens zu malen. Jeden Tag könnte es so weit sein. Das ist mit einem Surfer vergleichbar, der auf der Suche nach seiner besten Welle ist. Das Gefühl, ein gutes Werk geschaffen zu haben, ist einmalig und macht sehr wahrscheinlich süchtig.

Künstler und Lebenskünstler. Was fällt Ihnen dazu ein?
Das sind unterhaltende Klischees, aber irgendwo auch mit einem wahren Kern. Oft sind oder müssen Künstler Überlebenskünstler werden, die Folge davon ist dann, dass sie Lebenskünstler werden.

Wie definieren Sie den Begriff Kreativität?
Als individuellen Ausdruck eines Menschen. Kreativität ist eine Kombination aus physischer und geistiger Aktivität, mit der man einer Idee folgt beziehungsweise sie umsetzt. Ob geschrieben, mit der Hand oder mit dem Hammer gehauen.

Wie kommen Sie überhaupt auf Ihre Ideen? Stehen Sie morgens auf, trinken eine Tasse Kaffee, und danach stehen dann eben mindestens zwei bis drei Einfälle auf dem Programm für den Tag?
Alle Ideen kommen ohne Ankündigung. Oft durch einen Impuls von außen oder durch Lust, etwas Neues zu machen. Jeder Tag ist ein Mix daraus, bestimmte Sachen fertig zu machen – und neuen, die dazukommen, Ideen, die mir während der Arbeit kommen. Viele Arbeiten entstehen im Affekt, je nachdem, wozu ich Lust habe, mal ist es Malen, mal Zeichnen. Oft werden bestehende Serien weitergetrieben, die dann zu neuen Arbeiten und Serien führen. Zeichnen tue ich fast immer. Und in meinem Studio herrscht Chaos, da liegt immer etwas herum, an dem ich weitermachen kann oder das mich auf eine neue Idee bringt.

Wenn man Ihr Werk betrachtet, müssen Sie gefühlt rund um die Uhr arbeiten. Ist das so? Sind Ihre Antennen als Künstler immer ausgefahren?
Ja, die sind immer ausgefahren. Manchmal ist der Empfang langsamer, manchmal schneller, mal bin ich zu Hause am Frühstücken oder im Zug. Ich bin ein Morgenmensch, dann habe ich mehr Ideen, weil mein Gehirn noch frisch ist. Viele Einfälle verschwinden dann auch wieder von selbst, einige bleiben über längere Zeit in meinem Kopf, oder ich mache mir Notizen.

»Ich bin ständig auf der Suche und warte auf einen einmaligen Einfall. Ich muss immer wieder ins Atelier, um das beste Gemälde meines Lebens zu malen. Jeden Tag könnte es so weit sein. Das ist mit einem Surfer vergleichbar, der auf der Suche nach seiner besten Welle ist.«

Beni Bischof

Kann man lernen, die Dinge anders und die Magie in ihnen zu sehen? Kann man das fördern?
Das fängt automatisch an, die Lust an Poesie – oder sich ungehemmt auszudrücken, Meinung politisch visuell auszudrücken. Humor und Absurditäten sind bei mir ein großes Thema, und sich dem Mainstream entgegenzusetzen. Eine eigene Meinung entwickeln. Wird man sich dessen bewusst, kann man das vielleicht trainieren. Wie einen Muskel im Gehirn. Man wechselt die Ansichtsweisen, macht einfach mal das Gegenteil oder hinterfragt alles, sei es ein Punkt, ein Quadrat oder eine Linie. Es ist auch eine Lust, die dazu führt, das immer wieder und wieder machen zu wollen.

Gibt es spontane Momente?
Ja. Manchmal führen die zu etwas, manchmal nicht. Spontanität und Arbeiten im Affekt, das sind bei mir große Themen, die mich durch alle Medien begleitet haben, sei es die Skulptur, die Malerei oder die Zeichnung. Ich mache nie Skizzen für etwas, sondern fange immer gleich an und probiere aus.

Was inspiriert und was turnt richtig ab?
(…)

→ Das gesamte Interview mit Beni Bischof lesen Sie in rampstyle #27 »By the Way«.


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