Bentley Bacalar: the resting tiger

Eine konventionelle Waschanlage stand nie zur Debatte. Viel zu exklusiv ist der auf zwölf Stück limitierte Bentley Bacalar. Für das ramp CarWash mit Chefdesigner Stefan Sielaff kam somit ausschließlich die feine Handwäsche zum Einsatz.
Text Matthias Mederer
Bild Matthias Mederer & Maximilián Balázs · ramp.pictures

Ein gutes Stück nördlich von London. Ein Industriegebiet. Kulinarisches Highlight ist ein Steakhouse, das tatsächlich sehr empfehlenswert ist. Hoteltechnisch sieht es schon weniger gut aus. Aber wir sind auch nicht hier, um Urlaub zu machen. Stattdessen wartet genau hier in einer schmucklosen Halle das Exklusivste, was es aus dem Hause Bentley in Zusammenarbeit mit Veredler Mulliner aktuell gibt: der Bentley Bacalar. Ein auf zwölf Einzelstücke limitierter Zweisitzer, Verkaufspreis: rund 1,5 Millionen Pfund.

Stefan Sielaff, Head of Design Bentley, wirkt gelassen, trotz, oder gerade wegen des exklusiven Autos. Die Aufregung drum herum ist schon etwas größer. Ob das Auto denn überhaupt nass werden darf – schließlich ist Wasser bei einem CarWash kein ganz unwesentlicher Bestandteil? Sielaff zuckt mit den Schultern. »Ich wüsste nicht, warum nicht.« Man muss dazu wissen, der gelb-leuchtende Bacalar ist keines der zwölf Kundenfahrzeuge, sondern eine Art Anschauungsobjekt. »Nichtsdestotrotz voll fahrfertig, also kein sogenanntes Rolling-Chassis, sondern tatsächlich mit all der Technik des Bacalar ausgestattet«, erklärt ein Bentley-Mann. Heißt: Auch der gewaltige W12-Motor mit 659 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment ist an Bord. Starten dürfen wir ihn aber nicht.

Test 2

Und dann legen wir einfach los; haben schließlich auch nicht all zu viel Zeit. Sicherheitshalber gibt uns ein Bentley Mitarbeiter eine Sprühdose und ein Tuch aus der Hauseigenen Karosserie-Abteilung, nicht dass man uns nicht trauen würde. Aber sicher sei sicher, sagt man uns.

Stefan Sielaff beginnt auch gar nicht zögerlich. Der gebürtige Münchner sprüht beherzt mal ein paar ordentliche Salven auf den glänzenden Lack. »Huch, das war vielleicht ein bisschen viel.« Rasch wischt er mit dem Tuch nach, erklärt dabei sogleich designspezifische Merkmale des Bacalar, der sich grob an der Studie EXP 100 GT orientiert. »Jeder Bentley hat typische Proportionen. Intern sprechen wir von einem ‚resting tiger’«, sagt Sielaff.

»Jeder Bentley hat typische Proportionen. Intern sprechen wir von einem ‚resting tiger’«

Die Idee hinter diesem Fahrzeug: die Kunden sollen in Zukunft die Möglichkeit haben, ihr Fahrzeug gemeinsam mit einem kleinen Team aus Designern zu gestalten. Das gilt umso mehr für den Innenraum. Hier setzt Bentley auf Nachhaltigkeit. Material wie 5.000 Jahre altes Holz umgefallener Bäume, das aus Seen oder Flüssen gesammelt wird. »Die Hauptargumente für den Kauf eines Bentley sind einmal die Marke selbst – und dann kommt schon die Emotionalität des Designs,« sagt Sielaff.

Nach 20 Minuten sind wir fertig. Stefan Sielaff ist zufrieden. »Komplett sauber. Aber das war er ja schon davor.« Dann lacht er und geht über zum nächsten Interview.

Die ganze Geschichte gibt es in der aktuellen ramp #49 – Higgledy Piggledy zu lesen.

Matthias Mederer · ramp.pictures

Über den Chefdesigner

STEFAN SIELAFF zählt zu den einflussreichsten Autodesignern der Branche. Unter seiner Ägide entstanden neben vielen anderen Modellen der Audi A1, der Audi A7 und Bentleys Luxus-SUV Bentayga. Seine Karriere begann der heute 58-Jährige 1984 bei Audi als Volontär. Nach einem Studium am renommierten Londoner Royal College of Arts arbeitete er bei Volkswagen und Audi, wo er ab 1997 das Audi Design leitete. Vor fünf Jahren übernahm der geborene Münchner die Leitung von Bentley Design.


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