Charaktersache: Porsche-Designer Grant Larson über »Sally Special«

2022 hat Porsche mit »Sally Special« einen Elfer mit ganz speziellem Charakter produziert – inspiriert vom blauen 996, der einst in Disneys Animationsfilm »Cars« eine tragende Rolle spielte. Rückblickend ein Jahreshighlight für viele Fans, aber auch für Grant Larson, Leiter Sonderprojekte Style Porsche – wie er uns im Interview verrät.
Text Marko Knab
Bild Porsche

2006, Radiator Springs: Ein gewisser Lightning McQueen trifft auf einen blauen Porsche. Einen Porsche? Eine »Sie« namens »Sally Carrera«, um genauer zu sein. Das ist inzwischen mehr als 16 Jahre her. Vergangenes Jahr wiederum schaffte es der Geist der Fahrzeug-Kunstfigur auf die Straße – als einzigartiges Werksunikat Nach der Versteigerung für einen wohltätigen Zweck sieht man den etwas anderen Elfer zwar immer wieder auf Car Shows – wir warfen mit Grant Larson, Leiter Sonderprojekte Style Porsche, noch einmal einen ganz genauen Blick auf das Unikat. Dabei verriet er uns dann nicht nur seine drei persönlichen Highlights am Fahrzeug, sondern auch, welche ganz neue Erfahrung ihm »Sally Special« bescherte.

Mister Larson, vor uns steht »Sally Special«: ein fahrbares Einzelstück auf Basis des aktuellen Porsche 911, inspiriert von Disneys Animationsfilm »Cars« und der Figur der Sally Carrera. Hergestellt wurde es unter ihrer Aufsicht. Wie kam es zum einzigartigen Fahrzeug?
Die Idee kam tatsächlich von Jade Logan bei Porsche Cars North America. In Amerika hat die Figur der »Sally Carrera« einfach einen noch höheren Stellenwert und eine größere Sichtbarkeit als in Europa – auch wegen Disney und Pixar. Schnell wurde dann klar, dass das auch ein Wohltätigkeits-Thema werden sollte, um mit dem Erlös zwei wohltätige Zwecke zu unterstützen. Und dann war da natürlich noch das 20-jährige Jubiläum des »Spenderfahrzeugs« für die Filmfigur Sally, dem Porsche 996. Das passte einfach!

Sie haben es gerade selbst angesprochen: Die Filmfigur war ein Elfer der Baureihe 996, das Einzelstück baut auf einem 992 auf. War das kein Problem?
Überhaupt nicht. Klar liegen da einige Generationen dazwischen und jede Generation hat sich auch weiterentwickelt. Der 997, der 991 und der 992 sind von der Formsprache anders, aber immer noch typisch Porsche und typisch 911. Alle Elfer-Generationen sind als solche erkennbar – und Sally damit auch als Sally. Der 996 der zweiten Generation war mit seiner sinnlichen und kurvigen Form natürlich perfekt für den Filmcharakter.

Drei Design-Details, auf die sie bei »Sally Special« besonders stolz sind?
Für mich ist das Interieur ganz besonders interessant: Die »echte« Sally hat natürlich keines. Deshalb mussten wir hier ganz von vorne anfangen und eines entwickeln, das zum Charakter der Figur passt. Und es ist der Hammer, zumindest aus meiner Sicht! (lacht) Sehr individuell, aber elegant mit Schwarz, Weiß und blauen Akzenten.

Mein zweites Highlight sind die Felgen im Geiste des 996 – auch, weil es in unserer Industrie heutzutage absolut unüblich und fast unmöglich ist, solche Einzelstücke herzustellen. Wir begannen im November, hatten die ersten Räder im April – und vergangenen August wurde das Fahrzeug versteigert. In nicht einmal einem Jahr haben wir also ein komplett neues Felgenrad entwickelt.

Und dann ist da noch die hellblaue Lackierung mit Perleffekt: Sie ist das individuelle Aushängeschild des Fahrzeugs. Unsere Pixar-Kollegen meinten immer: Ihr müsst diese Farbe unbedingt perfekt treffen! Es war alles sehr zeitintensiv – und das in einem sehr kurzen Zeitraum!

Was war für sie sonst noch ganz besonders an diesem Projekt?
Das war gefühlt kein Fahrzeug, kein »Es« oder »Das«. Vielmehr haben wir es hier mit einer »Sie« zu tun. Das war das erste Mal für mich, dass ich in einem Projekt eine Persönlichkeit mitentwickelt habe. Es war explizit unsere Aufgabe, den Charakter des Fahrzeugs zu interpretieren. Sehr ungewohnt und auch ein bisschen seltsam, aber schön! Deshalb sehe ich in diesem Fahrzeug hier einen Menschen, besser gesagt eine Frau. Das macht es einfach extra spannend!

»Das war das erste Mal für mich, dass ich in einem Projekt eine Persönlichkeit mitentwickelt habe. Es war explizit unsere Aufgabe, den Charakter des Fahrzeugs zu interpretieren. Sehr ungewohnt und auch ein bisschen seltsam, aber schön!«

Grant Larson

Gleichen sich eigentlich die Arbeitsabläufe bei einem Autohersteller und in einem Animationsstudio?
Absolut. Wir haben den Tag vor der Präsentation komplett zusammen verbracht – und festgestellt: Die Entstehung eines Films und eines Autos verlaufen sehr, sehr ähnlich. Vor allem natürlich wegen der Menschen, die daran arbeiten. Sie ticken ähnlich und haben diese kreative Seite. Man fängt sofort an, dieselbe Sprache zu sprechen. Die Entstehung des Autos lief von daher auch absolut reibungslos! Aber ja, die Kollegen von Disney und Pixar hatten auch immer wieder neue Ideen für die Auktion – im Film kannst du ja ganz bis zum Schluss etwas ändern! (lacht)


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