Ciao Campogalliano: Das zweite Ende von »La Fabbrica Blu«

Der Komplex, einst Heimat des italienischen Bugatti-Intermezzo, wird von einem Investor bald zum Museum mit angeschlossenem Werkstattkomplex umgebaut. Was im Umkehrschluss das Ende eines verlassenen, einzigartigen Automobil-Denkmals bedeutet. Erinnerungen an einen besonderen Besuch in Campogalliano. Mit Achim Anscheidt und dem Centodieci.
Text Matthias Mederer & Marko Knab
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

Bugatti Centodieci. Ein Bugatti mit einem italienischen Namen? Eine Hommage, klar. An den legendären EB110. An Ettore Bugatti höchstselbst. Es ist 2019 und wir befinden uns in Campogalliano, der verlassenen »La Fabbrica Blu«, mitten im italienischen Motor Valley. Zusammen mit Achim Anscheidt, Head of Design bei Bugatti, gehen wir durch die Hallen. Die heiligen Hallen, die der abgeblätterte Schriftzug auf der blauen, namensgebenden Fassade ziert. Wir passieren vergilbte Prospekte und Laufzettel an der Wand und einige Eimer, die Wasser auffangen. Rund wie der weitläufige und helle Raum, in dem sie stehen. Die Sprache kommt auf Centodieci. Der gilt offiziell zwar als Hommage an den legendären EB110, darf aber durchaus – tiefenpsychologisch – als Vergangenheitsbewältigung betrachtet werden.

»Mir liegt dieses Thema Italien, La Fabbrica Blu und natürlich der EB110 schon sehr lange am Herzen«, sagt Achim Anscheidt. Und stellt heraus, dass der Centodieci ein klar Design-getriebenes Projekt war und ist. »Bugatti ist französisch«, versucht er es diplomatisch und setzt hinzu: »Aber es ist immer auch etwas Italien in Bugatti – Ettore Bugatti war gebürtiger Italiener.« Und »La Fabbrica Blu«, die blaue Fabrik, wurde Anfang der 1990er-Jahre für die Produktion des EB110 in das italienische Örtchen Campogalliano gesetzt. Es beginnt alles 1989: damals wird das leblose Unternehmen von Romano Artioli als Bugatti Automobili S.p.A. neu gegründet und im Einzugsbereich von Ferrari und Lamborghini angesiedelt. Nein, nicht im französischen Molsheim, wo Ettore Bugatti seine Firma verwurzelt hatte. Das Ziel: der fortschrittlichste Supersportwagen seiner Zeit, pünktlich zum 110. Geburtstag von Ettore Bugatti im Jahr 1991.

Der Coup gelingt und der EB110 rollt auf die Straßen der Welt. Und ein gewisser Marcelo Gandini wechselt zu Bugatti, zuvor bei Lamborghini für den legendären Miura und den Countach verantwortlich. Auch die Fahrleistungen stimmen. Einzig: Ein Happy End gibt es nicht. 1995 meldet man Insolvenz an. Seitdem steht La Fabbrica Blu leer. Und die Zeit still. Computer und Telefone, beinahe dreißig Jahre alt, zeugen von diesem Kapitel. Was dann passiert? VW übernimmt. Und gibt Vollgas. Mit dem Veyron, später mit dem Chiron und dem Centiodieci. Das italienische Kapitel der legendären Marke wiederum? Endet in seiner bsiherigen Form hier und jetzt, zumindest in Campogalliano. Ettore Bugattis italienische Wurzeln dagegen bleiben – wie auch der Centodieci.


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