Clint Eastwood, die Handvoll Dollar und der Ferrari 275 GTB

Zugegeben: Einen Ferrari 275 GTB bekam man nie nur »Für eine Handvoll Dollar«. Auch Schauspieler Clint Eastwood nicht. Doch ohne das damalige Top-Modell aus Maranello wäre dieser »Spaghetti-Western« wohl nicht entstanden. Ein Rückblick anlässlich des »National Spaghetti Day« in den USA.
Text Marko Knab
Bild ramp

Joe, Manco oder gleich Blondie: Als »Mann ohne Namen« in Sergio Leones »Dollar-Trilogie« bekommt Clint Eastwood Anfang der 1960er Jahre viele verschiedene Spitznamen auf der Leinwand verpasst. Und dann ist da auch noch dieser besondere italienische Sportwagen, den der Schauspieler diesen legendären »Italo-Western« – gerne auch »Spaghetti-Western« genannt – verdankt. Die Rede ist von einem Ferrari 275 GTB. Wie Eastwood zum zwischenzeitlichen Top-Modell aus Maranello kommt? In den Verhandlungen zum abschließenden Film der Trilogie, »Zwei glorreiche Halunken«, gibt sich Eastwood angeblich besonders hartnäckig: Erst eine Viertelmillion Dollar plus Sportwagen und Anteile an den Einnahmen überzeugen ihn.

Credit: United Artists / MovieStillsDB

»Wenn ich sensibler wäre, dann würden mir jetzt die Tränen der Rührung in die Augen treten«

Clint Eastwood als »Joe«

Zumindest erzählt man es sich so – andere sehen in dem eleganten GT dagegen ein Geschenk des italienischen Produzenten Dino De Laurentis für Eastwoods Performance in »Hexen von heute«. Wie auch immer die italo-amerikanische Liaison zustande kommt – Eastwood kann sich darüber freuen. Er tut das offensichtlich auch mehr als zehn Jahre, denn 1966 gilt der silbergraue 275 GTB als ausgesprochen modernes Fahrzeug: Da ist der feine 3,3-Liter-V12 mit 60° Bankwinkel, der nicht nur 280 PS leistet – sondern auch einen Klang bietet, der so markant ist wie Eastwoods Revolver. Ach ja, hier setzte Maranello auf einen bekannten V12, nicht ohne ihn aber aufzubohren.

Der feine 3,3-Liter-V12 mit 60° Bankwinkel leistet nicht nur 280 PS – sondern bietet auch einen Klang, so markant ist wie Eastwoods Revolver.

Gänzlich neu sind beim 275GTB dagegen auch die Einzelradaufhängungen an der Hinterachse, die ein noch besseres Fahrgefühl als bei Vorgängermodellen bieten. Auch das Getriebe ist erstmals direkt am Differential verblockt, rundherum setzt Ferrari auf Scheibenbremsen. Und dann ist da natürlich noch das Äußere: Als klassischer GT-Entwurf aus dem Hause Pininfarina kombiniert er eine lange Motorhaube mit einem fließenden und eng geschnittenen Dach mit einem knackigen Heck inklusive Abrisskante. Auch Elemente des Lusso und des ikonischen 250 GTO finden sich wieder – so wie die abgeänderten Entlüftungen hinter den Vorderrädern, aber auch den verkleideten Scheinwerfern.

Was dann mit dem GTB von Eastwood passiert, ist wiederum typisch für echte Westernhelden: die Spur des GTB verliert sich ein wenig und er legt sich ein anderes Erscheinungsbild zu. Von Eastwood zwischenzeitlich dunkelgrün lackiert, wechselt er irgendwann auch den Besitzer – und ist auch heute noch ein gern gesehener Gast auf so manchem Concours. 2004 taucht das Fahrzeug bei einer Bonhams-Auktion auf, wo er für eine halbe Million Schweizer Franken den Besitzer wechselt. Aus heutiger Sicht sind das umgerechnet gerade mal eine Handvoll Dollar. Denn inzwischen werden solche Fahrzeuge auch ohne Celebrity-Faktor im siebenstelligen Bereich gehandelt. Oder um es anders zu sagen: »Für ein paar Dollar mehr« könnte Clint seinen ehemaligen GTB sicher nach Hause holen.


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