Clint Eastwood: »Ich muss meine Visage nicht mehr ständig auf der Leinwand sehen.«

Actionheld. Politiker. Regie-Legende. Komponist. Clint Eastwood ist der Mann, der immer weitermacht. Zu seinem Geburtstag sprechen wir mit dem 91-jährigen Star über die Lust an der Arbeit und die Last des Alterns.
Text Peter Panther
Bild Presse

Mister Eastwood, es kursiert das Gerücht, Sie hätten gesagt, Sie müssten sterben, wenn Sie sich nicht ständig neu erfinden dürften. Stimmt das?
Wir müssen alle irgendwann einmal ins Gras beißen, es führt ja kein Weg dran vorbei – und es stimmt schon, dass ich keine Lust habe, Stillstand zu spüren oder gar den Rückwärtsgang einzulegen. Ich mag es, wenn ich Neues dazulernen kann.

Und deswegen drehen Sie immer weiter?
Naja, es ist eigentlich relativ einfach. Niemand hat mir bislang gesagt, dass ich aufhören soll. Dabei ist es wahrlich nicht leicht, Filme zu machen. Trotzdem macht es mir noch immer Spaß, neue Projekte anzugehen.

Ist das einfacher, wenn man Clint Eastwood heißt?
Nein, leider nicht. Wenn dein jeweils letzter Film kein finanzieller Erfolg war, dann kriegst du ganz schnell Probleme in diesem Geschäft. Aber mir ist das egal. Soll mich doch irgend so ein junger Besserwisser aus seinem Büro werfen (lacht).

Gibt es in Hollywood so etwas wie Respekt für die ältere Generation?
Eine gute Frage. Ich glaube, dass besonders in einer Gesellschaft, die von der Sucht nach Jugend angetrieben wird, das Alter nicht so viel zählt. Und besonders in Hollywood spielt Lebenserfahrung keine große Rolle. Die Filmindustrie sucht immer nach der nächsten neuen großen Sache. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Und man kann gewiss vieles über mich sagen, aber ich bin mit Sicherheit nicht die nächste neue große Sache (lacht).

Was ist das für ein Gefühl, wenn man weiß, dass man nicht mehr für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss?
Wer sagt denn, dass ich nicht mehr arbeiten muss? Okay, war ein Scherz. Das Leben hat es mit mir gut gemeint und ich will und darf mich nicht beschweren. Es fühlt sich gut an, sehr gut sogar. Dafür hast du andere Probleme, wenn du älter wirst. Dein Körper will nicht mehr so, wie du willst. Aber da musst du durch, du hast keine Wahl.

»Das Älterwerden kann sogar ein bisschen Spaß machen, wenn man es richtig angeht.«

Clint Eastwood

Sie sehen immer noch sehr fit aus. Was machen Sie dafür?
Ich versuche, kubanische Zigarren zu meiden und marschiere über den Golfkurs, statt ihn mit einem Wagen abzufahren. Ich bin gern in der Natur, und ich gönne mir jeden Tag ein kleines Nickerchen. Schlaf ist das Beste, was ich jemals entdeckt habe.

Viele Fans sagen, Ihre Filme würden immer besser. Gehen Sie heute anders an die Arbeit heran als vor 10 oder 20 Jahren?
Ich glaube, dass ich heute ein noch besseres Auge für Nuancen entwickelt habe. Das ist wichtig beim Drehen. Du musst die Kleinigkeiten entdecken, die den Unterschied in einer emotionalen Situation ausmachen können. Das kann ein Blick sein, ein kurzes Einatmen, ein Zögern. Geduld ist ein Faktor, der von vielen Filmemachern unterschätzt wird.

Denken Sie jemals daran, nicht mehr zu arbeiten?
Jeden Tag (lacht). Aber warum sollte ich? Ich lasse mich nicht mehr für Projekte einspannen, die nur noch an meine Person als Schauspieler gebunden sind. Ich muss meine Visage nicht mehr ständig auf der Leinwand sehen. Ich mache nur noch das, was mir wirklich Spaß macht. Welcher 91-Jährige kann das schon von sich und seinem Leben behaupten?

Ihr Sohn Scott arbeitet erfolgreich als Schauspieler. Macht Sie das stolz?
Selbstverständlich bin ich sehr stolz auf ihn. Ich bin stolz auf all meine Kinder. Welcher Vater ist das nicht? Scott wird seinen Weg gehen. Davon bin ich überzeugt. Ich wollte immer, dass all meine Kinder ihren eigenen Weg finden, und es ist ihnen gelungen. Das macht mich sehr froh.

Darf man sich Clint Eastwood als zufriedenen Menschen vorstellen?
Unbedingt! Ich habe die Reise immer genossen. Und ich will auch den Rest genießen. Ich bin ein echter Glückspilz.

Clinton Eastwood Jr. wurde am 31. Mai 1930 in San Francisco, Kalifornien geboren. Die Liste seiner Filme, die er als Schauspieler und Regisseur drehte, würde hier schon eine Seite füllen, begnügen wir uns damit, dass seine Filme »Erbarmungslos« und »Million Dollar Baby« Oscars in den Kategorien »Bester Film« und »Beste Regie« gewannen.


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