Color your life

Sean Wotherspoon ist das, was man einen Senkrechtstarter nennt. Der 32-Jährige eröffnete vor knapp zehn Jahren einen VintageStore in seiner Heimatstadt Richmond, Virginia, gewann 2017 einen Sneaker- Design-Wettbewerb von Nike – und gestaltet heute für globale Marken Produkte, die vor allem durch ihre auffällige Farbgebung bestechen – wie den Taycan 4 Cross Turismo. Da haben wir doch gleich mal nachgefragt.
Text Helmut Werb
Bild Porsche / Dominik Hildebrandt

Mister Wotherspoon, wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Ich bin Designer, arbeite mit Farben, mag Sneakers, Autos – und ich liebe Musik.

Was würden Sie sagen: Für wen entwerfen Sie?
Würde ich für die ganze Welt entwerfen, würde mein Design konfus. Daher designe ich für mich. Dinge, die mir Freude bereiten – und dieses Glück teile ich mit anderen Menschen.

Sie haben einmal gesagt, dass die Natur Ihre Abkürzung ist. Was meinen Sie damit?
Das bedeutet, dass die Natur uns alles schon vorgemacht hat. Ein Beispiel: Die meisten Blätter sind wasserabweisend, trotzdem erfindet der Mensch immer neue wasserabweisende Materialien und Chemikalien. Wenn wir also diese Prozesse einfach umdrehen, ist das der kürzere Weg.

»Farben sind mein Fokus. Ich suche laufend nach Inspirationen, und ich kann sie überall entdecken.«

Sean Wotherspoon

Wie kam das Projekt mit Porsche zustande?
Ich war auf einem Porsche Event in Los Angeles, wir kamen ins Gespräch, und daraus wurde eine Zusammenarbeit. Über die Zeit öffnete Porsche immer mehr Türen für mich, es kamen immer mehr Menschen mit an Bord, und auch das Design-Studio von Porsche. Das Team hob dann meine Ideen mit einer enormen Hingabe auf das nächste Level.

Porsche ist ein Sportwagenhersteller mit einer langen Geschichte, wie geht man damit um?
Das ist das größte Geschenk überhaupt. Mich fasziniert, dass das erste Modell von Porsche elektrisch angetrieben wurde. Das ist mehr als hundert Jahre her! Und heute, im Jahr 2022, arbeite ich an einem Elektrofahrzeug – und das ist schon etwas sehr Besonderes. Außerdem hatte ich bei der Arbeit am Taycan alle Freiheiten. Das sagt viel über Porsche aus.

Sean Wotherspoon x Porsche Taycan 4 Cross Turismo // Für die Kooperation wurden zunächst die Farbvarianten mit Virtual-Reality-Technik an einem Fahrzeugmodell durchgespielt. Die gewünschten Farben schickte Wotherspoon als entsprechende Pantone- Codes zu Porsche, wo die Töne nuanciert und nachgebildet wurden. Während der Entstehung reiste der Influencer mehrmals in das Design-Studio von Porsche in Weissach. Nicht nur das für Wotherspoon typische farbenfrohe Colorblocking findet sich im beim Interieur des Art Cars, sondern auch seine Vorliebe für ungewöhnliche Materialien, die er auch für seine Streetwear verwendet: So bilden Kork an Schalttafel, Lenkrad und Mittelkonsole einen optischen Kontrast zu den Farben. Ebenfalls prägnant ist der Kordsamt in Atacamabeige, mit dem Dachhimmel, Mittelbahnen der Sitze und Sonnenblenden bezogen sind.

Wie haben Sie die Historie ins Design einfließen lassen?
Die Kreise an den Wagenseiten, die an runde Startnummernhalter erinnern, sind meine Hommage an Porsches lange und bedeutende Renn-Geschichte. Unser Team arbeitete Tag und Nacht daran, und die Arbeit an einem so außergewöhnlichen Projekt war extrem inspirierend. Es war ein großartiger Moment, als das Auto schließlich fertig vor mir stand.

»Früher bastelten alle meine Freunde an alten Autos, aber keiner hatte das Geld für einen Porsche, das war für mich immer etwas Unerreichbares. Wir sagten damals immer: ›Mann, eines Tages…‹ Und heute? Ist mein Traum wahr geworden.«

Sean Wotherspoon

Sie sind für Ihren Color-Blocking-Stil bekannt, wie wichtig sind Farben in Sean Wotherspoons Wertesystem?
Farben sind mein Fokus. Ich suche laufend nach Inspirationen, und ich kann sie überall entdecken, sei es bei einem Vintage-Kleidungsstück oder bei einem Baum, dessen Grün im Sonnenlicht leuchtet und dadurch etwas ganz Besonderes wird. Ich kann dann dieses Grün mit einem Foto festhalten, mit bekannten Nuancen abgleichen und ein Grün entdecken, das so noch nicht existierte. Als wir mit dem Color-Blocking am Porsche begannen, hätten wir Schachbrettmuster und Vierecke verwenden können. Wir entschieden uns dann aber, mit ganzen Karosserie-Teilen zu arbeiten.

Sie haben die Farben am Taycan nach Ihrer Familie benannt: Nash Blue, Loretta Purple, Ashley Green und Sean Peach. Wie kam es dazu?
Porsche kam zu mir und bat mich, die Farben zu benennen, da eindeutige Bezeichnungen wichtig seien. Also taufte ich sie auf meinen Vornamen, und auf die meiner Kinder und meiner Verlobten. Nun kann mein Sohn, wenn er mal älter ist, auf das Auto zeigen und sagen: Ah, das bin ich, Nash Blue.


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