Text: Tom M. Muir
Bild: Matthias Mederer
3 min

Concours d'Elegance: Abwarten und Ferrari fahren

Der Markt für klassische Automobile kühlt ab. Die Experten raten zum Warten. Das geht sehr gut in einem offenen Ferrari 488 Spider und an der kalifornischen Küste während der Monterey Car Week.

Die Surfer können das: warten. Sie sitzen einfach nur da auf ihren Brettern im Wasser vor der Küste Kaliforniens und schauen auf das Meer hinaus. Manchmal eine gefühlte Ewigkeit. Fast wirken sie wie meditierende Statuen. Doch sie beobachten. Sehr präzise. Und vom einen Moment auf den Nächsten sind sie voll da. Sie liegen plötzlich flach auf dem Brett, paddeln energisch los, ein Sprung – und die Welle gehört ihnen.

Fast zynisch der Gedanke, dass das Warten auf die perfekte Welle in der heutigen Zeit als Metapher für die rastlose Unruhe des Menschen, der nie zufrieden ist, missgedeutet werden kann. Hang loose als Beachboy-Version des ewigen Fortschrittsgedanke mit Salzwassergeschmack und sonnengebräuntem Teint. »Immer weiter«, formulierte es der Philosoph Oliver Kahn ein Mal, der nebenbei noch ein ganz passabler Fußballtorwart war.

Der Concour’s d’Elegance in Pebble Beach, Kalifornien, ist neben seinem Pendant am Comer See in Italien die wohl teuerste Alteisenveranstaltung der Welt. Hier werden Jahr für Jahr Rekordsummen für Autoklassiker erzielt.Dieses Jahr stand ganz im Zeichen von Ferrari. Genau 70 Jahre ist es her, dass ein Automobil mit dem springenden Pferd im Emblem sein Zwölfzylindergebrüll auf die Straßen Norditaliens los ließ. Seitdem surft Ferrari von Erfolgswelle zu Erfolgswelle, wenn man so will. Aus einem leidenschaftlichen Rennsportteam wurde ein Hersteller exklusiver Straßensportwagen und immer mehr auch eine Merchandising-Fabrik, die ihre Fans auf der ganzen Welt treu hinter sich weiß – und gut daran verdient.Das Cavallino Rampante, das springende Pferd im Wappen ist ein globales Markenzeichen wie der Coca Cola Schriftzug oder der Swoosh von Nike. Mancher betet es gar an wie andernorts das Kreuz Jesu. Der Übergang vom Fan zum Gläubigen ist fließend: bei jedem Grand Prix Sieg von Ferrari in der Formel 1 läuten in Maranello die Kirchturmglocken. Kein Wunder, dass im Jahr 2014 ausgerechnet ein Ferrari den Rekord für das teuerste Auto der Welt aufstellte: 38 Millionen US-Dollar erzielte ein 250 GTO Berlinetta, Baujahr 1962. Und das hier in Pebble Beach. Dass es sich bei dem Modell um einen einstigen Totalschaden handelte, sei nur am Rand erwähnt. Dieses Jahr sollte der Rekord geknackt werden, natürlich wieder von einem GTO. 52 Millionen Dollar erhoffte sich der Besitzer, doch daraus wurde nichts. Überhaupt spürt die Oldtimerszene eine deutliche Beruhigung des Marktes. Schon 2016 wurden in Pebble Beach mit nur 57 Prozent der angebotenen Autos so wenige wie seit 13 Jahren nicht mehr versteigert. Und 2017 folgt diesem Trend konsequent. Der Grund ist einfach: die Goldgräberstimmung ist abgekühlt, viele Angebote erreichen den verlangten Mindestpreis nicht.Was also tun? Warten? Das zumindest raten die Experten. Denn die nächste Preiswelle kommt bestimmt. Und sowieso sind wir der Meinung, dass man den 70ten Geburtstag nicht unbedingt fachsimpelnd über alte Autos auf einem Golfplatz verbringen muss, wenn sich nur ein paar Meter weiter der Highway 1 die Küste entlang räkelt und ein Ferrari 488 Spider wartet. In Avorio, einer cremefarbenen Außenlackierung, die Ferrari im Konfigurator unter den Historical-Farben führt. Der Bezug zur Vergangenheit ist also geleistet. Der V8-Turbomotor mit 670 PS und 760 Newtonmetern Drehmoment liefert dann den Transfer in die Jetztzeit und gleichzeitig eine etwas verborgene, dafür bei 8.000 Umdrehungen umso dramatischer in Erscheinung tretende Reminiszenz an Firmengründer Enzo Ferrari. Denn der letzte Ferrari, den der Firmengründer noch selbst in Auftrag gab, war der legendäre F40 und dessen Antrieb war ebenfalls ein V8-Turbomotor. Unsere Empfehlung also: bei einem F40 warten, bei einem 488 Spider in Avorio: jetzt kaufen, Dach auf und ab auf den Highway. Denn so schließt sich dann der Kreis von Kurve zu Kurve auf dieser scheinbar endlosen Küstenstraße.

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