Daddy? Cool! Ideale Anregungen für ein Vatertags-Abenteuer

Vieles lernen Jungs durch eine Fähigkeit, in der sie wahre Meister sind: durch das Beobachten. Es entgeht ihnen kein Detail – und sie ziehen ihre Schlüsse daraus. So will es also gut überlegt sein, auf welche Menschen, Tiere und Phänomene wir die Aufmerksamkeit unserer kleinen Beobachtungs-Spezialisten lenken. Tipps für einen Vatertags-Ausflug in Welten, in denen es krabbelt, summt, aber auch donnert und quietscht.
Text Christian Ankowitsch
Bild Barry Feinstein

Jungs lernen auf verschiedene Arten – unter anderem durch ihre meisterhafte Beobachtungsgabe. Sie sehen sich ihre nächste Umgebung genau an, verfolgen die Bewegungen, die Mimik und die Handlungen der Menschen, um sie anschließend zu imitieren. Nicht immer zur Freude der Beobachteten, denn die Jungs machen keinen Unterschied zwischen hilfreichen und weniger hilfreichen Vorbildern. Wie groß unsere Fähigkeit zur Beobachtung ist und welche mächtigen Auswirkungen sie auf uns hat, das zeigt eine Entdeckung der Hirnforscher: Vor rund fünfzehn Jahren fanden sie im Gehirn von Affen und anschließend in jenem von Menschen eigene Zellen, die dann tätig werden, wenn die Betreffenden selber etwas tun  – oder wenn sie andere dabei beobachten, wie diese etwas tun.

Grimassen schneiden beispielsweise, Handlungen ausführen oder Gefühle zeigen. Und was noch toller ist: Diese »Spiegelneuronen« genannten Zellen sind sogar damit zufrieden, wenn jemand eine Sache nur andeutet – das reicht ihnen vollkommen; sie können die fehlenden Bewegungen einfach vervollständigen. Besonders gut sind die Neuronen dabei, menschliche Handlungen zu verarbeiten und zu verstehen. Daraus haben die Hirnforscher den Schluss gezogen, dass uns die Spiegelneuronen ganz wesentlich dabei helfen, feine Anzeichen von Emotionen richtig zu verstehen, uns also in andere einzufühlen. Und eine noch wichtigere Rolle spielen sie dabei, wenn wir neue körperliche Fähigkeiten erlernen wollen; so können Sportler nur durch das Studium von Bewegungsabläufen zum Beispiel ihre Sprungtechnik verbessern  – ohne sie tatsächlich geübt zu haben.

Mit einem Wort: Die Spiegelneuronen sind die Antwort auf die Frage, warum wir solche tollen Beobachter sind und unsere Jungs auf diese Weise vieles lernen.

Vieles lernen Jungs durch eine Fähigkeit, in der sie wahre Meister sind: durch das Beobachten. Es entgeht ihnen kein Detail – und sie ziehen ihre Schlüsse daraus. So will es also gut überlegt sein, auf welche Menschen, Tiere und Phänomene wir die Aufmerksamkeit unserer kleinen Beobachtungs-Spezialisten lenken.

Wer sich noch alles beobachten lässt

Die Beobachtungslust der Jungs beschränkt sich natürlich nicht auf Menschen, sondern erstreckt sich im Grunde auf die ganze Welt. Von besonderem Interesse sind logischerweise unbekannte, überraschende, spannende und außergewöhnliche Dinge und Phänomene. Um die Jungs zu animieren, Neues zu lernen, ihren Forscherdrang zu befriedigen, Geduld zu üben, Respekt vor anderen und der Natur zu lernen, die Schönheit der Welt zu erkennen, auf andere Gedanken zu kommen, genau zu sein und ihre Sinne zu schärfen, empfiehlt es sich, sie in die freie Natur zu schicken. Dort können sie ihren Blick schweifen lassen und zum Beispiel Tiere beobachten.

Operation Blumenwiese
In eine sommerliche Blumenwiese hocken, still sein und ein wenig warten. Binnen kürzester Zeit taucht der erste Grashüpfer, die erste Ameise und der erste rätselhafte Käfer auf. Zusehen. Einen Finger ausstrecken und warten, bis ein Marienkäfer draufgekrabbelt ist. Den Finger senkrecht nach oben halten; der Marienkäfer wird daran hochklettern, auf der Fingerkuppe kurz innehalten und dann wegfliegen.

Steine umdrehen
Einen großen Stein suchen oder ein Stück Holz, die beide offensichtlich schon lange an der entsprechenden Stelle lagen, sie umdrehen – und das Gewusel der Tierchen beobachten, das darunter herrscht. Die Regenwürmer ansehen, die Asseln, die Tausendfüßler und die unbekannten Tierchen. Im mitgebrachten Bestimmungsbuch nachsehen, das entsprechende Insekt finden und anschließend stolz verkünden: »Ich habe eben einen Balkenschröter gesehen!«

»A father may only be a dad for a little while, but he is a son’s hero forever.«

Hier als Anregung für eigene Beobachtungsprojekte noch ein paar Stichwörter. Die Jungs könnten:

• Naturphänomene beobachten (zum Beispiel welche Aggregatzustände Wasser haben kann)

• nach Tierchen in einem Tümpel fahnden (mit Becherlupe und Netz)

• physikalische Phänomene beobachten (zu Hause, indem sie diverse Versuche anstellen)

• Baustellen besuchen (was vor allem für sehr kleine Jungs spannend ist)

• ein Aquarium besorgen und den Fischen zusehen

• Wale beobachten (beispielsweise an der Südküste von Australien)

• Wetter beobachten (das ist eine wichtige Aufgabe, die vor allem Jungs in den USA, Kanada, Australien, aber auch in Europa wahrnehmen; sie beobachten die Entwicklung von Unwettern und melden sie an die lokalen Behörden: www.skywarn.de, www.skywarn.at, www.skywarn.ch).







Dieser Buchauszug stammt aus »Wir Jungs – ein Handbuch für Väter, Söhne und andere Abenteurer« von Christian Ankowitsch. Erstmals erschienen in der rampstyle #18.


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