Text: Horst von Saurma
Bild: Michael Haegele
2 min

Dank an den neuen Über-Elfer: Es lebe die Fahraufgabe

Mag ja sein, dass die totale Digitalisierung unserer Autos ansteht. Mag sein, dass es uns zum Vorteil gereicht, die sogenannte Fahraufgabe teilweise abzutreten. Aber dann ist da dieser lustvoll extrem geschärfte Porsche 911 GT2 RS: ursprünglich, kompromisslos pur, gewaltig …

Eine stilvollere Umgebung und eine dem Thema gegenüber affinere Gesellschaft hätte Porsche für die Vorstellung des neuen Topmodells der Elfer-Baureihe nicht finden können: das Goodwood Festival of Speed, an diesem ersten Juli-Wochenende 2017 im südenglischen Sussex nicht nur vielbeachteter Schauplatz lang gehegter (Automobil)-Träume und grandioser (Renn)-Inszenierungen. Die Präsentation ebenso seltener wie sündhaft teurer Pretiosen ist gleichwohl vielbeachteter Programmpunkt des traditionsreichen Festivals, das – wie der Name schon sagt – in seltener Eintracht dem Speed gewidmet ist. Ein vorzüglicher Rahmen also für den neuen 911 GT2 RS, der sich nach erster Inaugenscheinnahme anschickt, die Elfer-Historie um einen weiteren Höhepunkt zu bereichern. Und nebenbei wird dem Sechszylinder-Boxer ein Denkmal gesetzt – soviel steht jetzt schon fest.Sieben Jahre ist es her, dass der letzte Supersportler auf 911 Turbo-Basis die Sportwagen-Welt in Entzücken versetzte. Seine Meriten: bis heute legendär. Die Fahrleistungen: an der Grenze zur Übermotorisierung. Die Preisentwicklung: so exorbitant, dass sich heute kaum jemand mehr traut, mit dem teuren Stück auf Strecke zu gehen.Insofern kommt der Neue gerade recht. Und der kann – natürlich - alles noch viel besser: 700 PS stark und nach kurzem Anlauf bis zu 340 km/h schnell, soll er längs- und querdynamisch alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Woran sich diese Ankündigung festmachen lässt? Nun, die 2,8 Sekunden, die der aus Gewichtsgründen nur mit Hinterradantrieb, dafür aber mit zusätzlicher Hinterradlenkung antretende Leichtgewichts-Boxer mit Schwergewichts-Punch für den Standard-Sprint veranschlagt, sind nur ein erster, kleiner Hinweis auf das, was uns im neuen 911 GT2 RS zukünftig erwartet – großes Kino nämlich. Tempo 200 sollen schon nach 8,3 Sekunden auf der Uhr stehen.Die unter Volllast in den Auspuffendrohren glühenden Kats und der tief grollende, von vermeintlich bösartigen Kräften zeugende Biturbo-Sound sind die passende Inszenierung einer wilden Leistungsshow, die in einer sprachlos machenden Ankündigungen seiner Väter gipfelt: Von unter sieben Minuten ist die Rede, womit – klarer Fall - die Rundenzeit auf der berühmt-berüchtigten, 20,6 Kilometer langen Nordschleife gemeint ist.Den an der Hinterachse mitlenkenden Rädern wird übrigens ein großer Anteil an den versprochenen, als höchst verträglich beschriebenen Verhaltensweisen im Grenzbereich zugeschrieben. Als beruhigender Gegenpol zu den im Heck aufbereiteten und von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kanalisierten Kraftausbrüchen wirkt auch das Umfeld, das bei allem professionell-sportlichem Sujet von unerwartet komfortablem Ambiente, inklusive Klima- und Soundanlage, geprägt ist. Man kommt in Porsches neuem, in der Basisversion rund 285 000 Euro teuren Spitzensportler also nicht wegen hoher Innenraum-Temperaturen ins Schwitzen. Dafür sorgt allein das dramatische Naturell des Motors und – sollte das Budget etwas knapp bemessen sein – vielleicht auch der Preis. Mit „Weissach-Paket“, das Dach, Front- und Motorhaube aus Kohlefaser, 21 Zoll-Magnesiumräder, Titan-Überrollbügel und Stabis aus CFK umfasst, kommen schließlich rund 315 000 Euro zusammen – der exklusiv GT2 RS-Kunden vorbehaltene, mechanische Titan-Chronograph fürs Handgelenk noch nicht mitgerechnet.

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