Das Prinzip Lamborghini: Mitja Borkert im Gespräch mit Michael Köckritz

Extreme Wirkung, wissen, was man tut, und eine hohes Tempo auf dem Weg in die Zukunft. Das sind Themen, über die ramp Chefredakteur und Herausgeber Michael Köckritz mit Lamborghini-Chefdesigner Mitja Borkert sprach. Und dann geht es natürlich auch um das Aussehen der Boliden aus Sant'Agata Bolognese. Fünf Fragen.
Text Michael Köckritz
Bild Lamborghini für ramp

Wir sehen einen Lamborghini. Welche Botschaft erkennen wir auf Anhieb?
Mitja Borkert: Das Design von Lamborghini ist das Resultat von fast sechzig Jahren Design-Geschichte – und noch immer innovativ und vorwärtsgerichtet. Daran arbeiten wir hart. Ein neuer Lamborghini lässt niemanden kalt, und ich möchte, dass sich die Betrachter die Zeit nehmen und das Design wie ein fantastisches, kulinarisches Gericht entdecken, weil wir Designer Künstler und Köche in einem sind und den Anspruch auf bestmögliche Performance haben.

Die Neuauflage des legendären Countach gibt sich im Vergleich zum Rest des Portfolios deutlich zurückhaltender. Wie kam das?
Ich wollte schon seit meinem Start bei Lamborghini diese Designsprache umsetzen, aber die Zeit war noch nicht gekommen, und ich gehe immer sehr respektvoll mit den Formen einer Marke um. Wir haben erst einmal die Eckpfeiler unserer Formenvielfalt gesetzt, und für mich muss der Rhythmus passen. Der Countach LPI 800-4 nimmt die Essenz des Originals auf und übersetzt wunderbar die Form der 1970er mit den technischen Herausforderungen von heute – und wir wollten kein Retrodesign, sondern eine moderne Interpretation.

»Ich möchte, dass sich die Betrachter die Zeit nehmen und das Design wie ein fantastisches kulinarisches Gericht entdecken, weil wir Designer Künstler und Köche in einem sind.«

Mitja Borkert

Was verrät uns so ein Lamborghini über die Marke? Was sind hier die aktuell prägenden Elemente?
Wichtigstes Statement unserer Formensprache ist die Silhouette. Jeder wird schon einmal einen Lamborghini aus der Ferne gesehen haben, man sieht sofort, um welches Fahrzeug es sich handelt. Es ist die typische Architektur, die hexagonale Form der Kabine mit den eingezogenen Fensterflächen und dem fast horizontalen Dach. Das sticht deutlich aus allen anderen Supersportwagen heraus.

Wie modisch darf oder muss sich ein Lamborghini hier geben?
Wir sind niemals modisch. Ein wichtiges Thema ist zum Beispiel, dem Trend der Leuchtenbänder nicht zu folgen, stattdessen konzentrieren wir uns auf ikonische Licht-Signaturen wie das Y oder das Hexagon.

Sie sind der Chefdesigner der Marke. Wie weit prägen Sie die Marke Lamborghini und wo sind die Grenzen?
Ich bin mit meinem Einfluss auf die Marke sehr zufrieden. Design ist der wichtigste Kaufgrund. CEO Stephan Winkelmann kitzelt aus mir das Maximum heraus, was sehr erfüllend ist. Erfrischend ist oft auch die Arbeit mit anderen Partnern, aus der dann Yachten, Motorräder oder Leuchten entstehen. Das Design von Lamborghini ist extrem universal.

→ Das komplette Exklusiv-Interview von Michael Köckritz mit Mitja Borkert lesen Sie in der kommenden ramp #57 »Geht’s noch?«. Dabei geht es neben Design-Grundsätzen auch um peinliche Losfahrmomente, Designer-Klischees, von denen man sich verabschieden kann – aber auch um das Luxus-Verständnis von Lamborghini und nachhaltige Aspekte mit Blick auf die Zukunft.


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