»Der reichste Mann in Irland ist der mit dem besten Humor«

Wer Humor hat, muss auch immer spontan sein. Stimmt? Nicht unbedingt. Den Gegenbeweis liefert hier Fotograf Tony Kelly. Mit seinen Bildern, aber auch im Interview. Und wo wir gerade bei Belegen sind: Warum es inzwischen schon ganze 10 Jahre Zusammenarbeit zwischen Ramp und dem gebürtgen Iren sind, zeigen wir natürlich gerne. Und auch das Cover der englischen Ausgabe, das ein echter Tony Kelly ist. Ganz spontan.
Text Michael Köckritz
Bild Tony Kelly

Die Zutaten, auf die Fine-Art-Fotograf Tony Kelly in seinen Aufnahmen setzt? Unter anderem Humor aber auch eine strikte Choreographie. Und harte Arbeit. Im Interview verrät er außerdem, was ein perfektes Foto für ihn sonst noch ausmacht - und was ihm Luxus bedeutet.

Mister Kelly, wie haben Sie die letzte Zeit verbracht?
Ich war die letzten acht Wochen damit beschäftigt, mein neues Buch »Nowhere« zu produzieren. Es ist auf 750 Exemplare limitiert und die Fotos zeigen die leeren Straßen Hollywoods – nur meine Freundin ist darauf zu sehen. Es war eine einzigartige Gelegenheit, so etwas gibt es nicht noch einmal im Leben.

Was ist das Geheimnis eines perfekten Fotos?
Das Geheimnis ist – dass es keins gibt. Dahinter steckt einfach harte Arbeit, und der Prozess ist durchaus mit dem des Kochens oder Backens vergleichbar, mit vielen Zutaten, die man auf unterschiedliche Art zusammenfügen kann. Und man muss offenen Auges durch die Welt gehen.

Ihre Bilder wirken immer bis ins kleinste Detail durchchoreografiert. Wie spontan sind Sie?
Spontanität ist ein Luxus, den ich mir nur erlauben kann, wenn die Umstände stimmen, ich die richtige Location und das richtige Model habe. Dann kommt es zu dem magischen Moment, den man vielleicht mit einer Lieblingsszene in einem Film vergleichen kann – so sind meine Fotos. Wie zum Beispiel die Szene in »Goodfellas«, als der Typ den Tisch durch das Restaurant trägt. Filme selbst inspirieren mich nicht, vielleicht ein bestimmter Winkel darin, aber ansonsten kreiere ich meine eigenen Sequenzen. Neulich war ich in Beverly Hills und beobachtete zwei Mädchen, die an einer Ampel standen. Die eine lehnte sich an die andere an, hob ein Bein und versuchte, den Knopf an der Ampel mit dem Fuß zu drücken, damit es Grün wird und damit sie den Knopf nicht mit den Fingern berühren muss – und ich dachte sofort: Das muss ich sofort nachstellen. Meine Freundin zog dann ihre High Heels von Christian Louboutin an und stellte die Szene nach.

»Der ultimative Luxus besteht nicht aus materiellen Gütern. Das ist auch der Grund, weswegen ich in meinen Bildern Luxus mit einem ironischen Augenzwinkern inszeniere. Weil ich den Abstand dazu habe. Und genau diese Distanz ist zum Beispiel der Grund, warum ich den Mercedes im Pool fotografiert habe – er sieht darin einfach besser aus.«

Stichwort Christian Louboutin – wie definieren Sie Luxus?
Ganz klar und ohne Frage: innere Ruhe. Natürlich könnte ich auch meinen Mercedes 560SL als Luxus bezeichnen, den ich wirklich liebe. Oder Kaschmir. Oder eine Rolex. Aber der ultimative Luxus besteht nicht aus materiellen Gütern. Das ist auch der Grund, weswegen ich in meinen Bildern Luxus mit einem ironischen Augenzwinkern inszeniere. Weil ich den Abstand dazu habe. Und genau diese Distanz ist zum Beispiel der Grund, warum ich den Mercedes im Pool fotografiert habe – er sieht darin einfach besser aus. Würde jemand daran hängen – er hätte ihn nie im Pool versenkt.

Allerdings benötigt man dazu auch eine große Portion Humor.
Das wiederum hat etwas damit zu tun, dass ich in Irland aufgewachsen bin. Da geht es nicht darum, wie wohlhabend jemand ist, sondern wie lustig er ist. Der reichste Mann in Irland ist der mit dem besten Humor.


Weitere Highlights aus 10 Jahren Zusammenarbeit mit Tony Kelly, kreativ gekreuzt mit praktsichen Tipps vom Werbe-Guru Paul Arden, der zum erfolgreichen Agieren ermuntern will, finden sich in der aktuellen rampstyle #20. Und die trägt auf einer der Covervarianten passenderweise auch ein Motiv von Tony Kelly.


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