Der talentierte Mr.Law

Jude Law ist in den Schlagzeilen - denn er gehört jetzt zu den Sternenkriegern. Besser gesagt: Er hat seit Neuestem eine Rolle in der bald erscheinenden Star-Wars-Serie »Skeleton Crew«. Der 49-Jährige war aber auch schon vor der Bekanntgabe ein ausgesprochen guter Gesprächspartner. Überzeugen Sie sich gerne selbst.
Text Rüdiger Sturm
Bild Simon Emmett / Trunk Archive

Um ehrlich zu sein: Manchmal hat man ja ein Interview mit jemandem, der nicht so ganz bei der Sache zu sein scheint. Was wir aber versichern können: Das war bei Jude Law nicht der Fall. Der 49-Jährige fixierte sein Gegenüber während des Gesprächs nämlich durchdringend. Und redete dabei ganz offen über sein persönliches Glück, die massiven Selbstzweifel, die ihn früher plagten, und sein Ziel, weiterhin das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen. Jude Law hat übrigens sehr grüne Augen.

Mister Law, fangen wir mal ganz groß an: Was waren die Momente, in denen Sie das größte Glück verspürten?
Die Erfahrungen, in denen ich das Gefühl hatte, dass ein Wunder geschieht, waren die Geburten meiner Kinder. Emotional ist das absolut überwältigend, dazu kommt das Glück, wenn dein Baby auch gesund ist. Und gleichzeitig ist eine Geburt etwas ganz Normales, was sich tagtäglich seit Tausenden von Jahren ereignet. Auf jeden Fall würde ich mir wünschen, dass ich noch andere solcher Wunder erlebt hätte.

Für viele ist ja das größte Glück die Liebe. Haben Sie als ein Mann, der, wenn wir das mal so antippen dürfen, viele Beziehungen geführt hat, eine Definition dafür?
Ach, du meine Güte. Was ist Liebe? Ich glaube, es ist eine Frage des Mitgefühls, man muss dem anderen Menschen gegenüber großzügig sein und ihn unterstützen. Ganz wichtig ist auch Authentizität. Richte dich immer nach der Wahrheit.

Und das gelingt Ihnen?
In der Regel schon. Es kann manchmal schwierig sein, das durchzuhalten, aber wenn du diesen Entschluss gefasst hast, dann bleibe dabei. Ich habe mich auch vor einigen Jahren entschlossen, alle möglichen Auseinandersetzungen zu vermeiden. Die kosten sehr viel Kraft. Das Leben ist so viel leichter, wenn man sich nicht streitet.

Sie haben vor ein paar Jahren wieder geheiratet, obwohl ja eine Ehe auch Konflikte mit sich bringen kann.
Wir haben uns das aber auch sorgfältig überlegt und ein paar Jahre gewartet, bevor wir diesen Schritt wagten.

Ihre Heirat war auf jeden Fall eine glückliche Erfahrung?
Absolut. Und sie war es auch deshalb, weil wir unsere beiden Familien mit einbanden. Das sollte nicht einfach die Verbindung zweier Individuen sein, es sollten eben zwei Familien zusammenkommen.

Was ist grundsätzlich aus Ihrer Sicht für unser Glücksempfinden wichtig?
Letztlich kommt es darauf an, dass man innerlich und äußerlich etwas Gutes für sich tut. Und für das Innenleben kann es sehr hilfreich sein, wenn man sein Leben reduziert. Etwa indem man sich von der Medienwelt abkoppelt und sein Handy beiseite legt. Nur so können wir uns mit uns selbst beschäftigen und die Reise in unsere Seele antreten, um die es letztlich im Leben geht. Leider werden wir eben mit vielen unnützen Informationen vollgemüllt. Längst wissen wir, dass es nicht gesund ist, wenn wir jeden Tag Burger essen und Coke trinken. Auf andere Weise schädlich ist es, wenn wir uns ständig mit der Frage beschäftigen, was irgend ein Reality Star zum Frühstück isst. So etwas verursacht Gehirnkrebs, und eigentlich ist der viel schlimmer, als wenn wir körperlich verfetten.

»Für das Innenleben kann es sehr hilfreich sein, wenn man sein Leben reduziert. Etwa indem man sich von der Medienwelt abkoppelt und sein Handy beiseite legt. Nur so können wir uns mit uns selbst beschäftigen.«

Jude Law

Und was tun Sie Gutes für Ihre Seele?
Ich umgebe mich mit Menschen, die ich liebe. Ich lese ein gutes Buch. Ich beschäftige mich viel mit Kunst. Deshalb hänge ich mir auch gerne Bilder an die Wand, die mich inspirieren. Das tat ich schon, als meine Kinder noch klein waren, denn sie sollten inmitten von schönen Dingen aufwachsen. Am liebsten hätte ich etwas von Gerhard Richter gehabt, aber das konnte ich mir nicht leisten.

Hatten Sie nicht genügend lukrative Angebote aus Hollywood?
Ich wollte nie einen großen Film machen, nur damit ich viel Geld verdiene. Deshalb achtete ich auch darauf, dass ich keinen zu extravaganten Lebensstil führe. Ich mag die Freiheit, das tun zu können, was mich interessiert. Lieber steckte ich viel Zeit in Projekte, die ich von Anfang an mitentwickeln konnte. Wenn du nicht darauf angewiesen bist, sofort einen großen Scheck einzustreichen, ist das unglaublich befriedigend.

Wie gehen Sie damit um, wenn Ihr positives Gefühl mal eingetrübt ist?
Ich brauchte zum Glück nie professionelle Hilfe. Wenn ich mich mal mental schlecht fühlte, habe ich das nie verdrängt. Als Künstler kann man das kreativ nutzen. Und davon abgesehen bin ich mit der Einstellung erzogen worden, dass die Tiefen genauso wichtig sind wie die Höhen. Ich erinnere mich an einen Rat meines Vaters: »Wenn Du geradewegs von A nach B reist, wird es schnell uninteressant. Viel spannender ist es, wenn Du Dich von oben nach unten und von unten nach oben bewegst.« Das ist auch eine gute Analogie für das Leben.

Ich erinnere mich an einen Rat meines Vaters: »Wenn Du geradewegs von A nach B reist, wird es schnell uninteressant. Viel spannender ist es, wenn Du Dich von oben nach unten und von unten nach oben bewegst.« Das ist auch eine gute Analogie für das Leben.

Was sind denn die Tiefpunkte in Ihrem beruflichen Leben?
Ich spreche nicht so gerne über die schlimmen Seiten, weil es so viele gute Aspekte gibt. Ich führe ein schönes Leben und ich habe das Glück, dass ich einen Job machen kann, den ich liebe. Ich verbringe meine Zeit mit wunderbaren Leuten und kann bei Filmen mitwirken, die die Sprache des Kinos bereichern. Und gleichzeitig ermöglicht mir das, ein komfortables Dasein zu führen, in dem ich gesunde Kinder großziehen konnte und kann. Natürlich gibt es auch Nachteile.

Das betrifft insbesondere den Verlust von Privatsphäre, was für jeden unangenehm ist. Es gab ja eine Phase, da stand ich vier Jahre lang unter Beobachtung und wurde regelrecht paranoid. Meine Telefonleitung war angezapft, mein Auto wurde überwacht und man hat mich regelrecht verfolgt. Textnachrichten, die ich geschrieben hatte, wurden in der Zeitung »News of the World« veröffentlicht, bis das alles aufflog und das Blatt eingestellt wurde. Das war eine verrückte Zeit, aber zum Glück haben sich die Dinge seither gebessert.

Haben Sie ein Problem damit, dass Sie als Star angebetet werden oder ist das eher unangenehm?
Ich liebe den Dialog mit den Fans. Ich bin ja selbst ein großer Filmfan. Allerdings finde ich es nicht so toll, (…)

Lesen Sie das gesamte Interview mit Jude Law in der rampstyle #26.

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