Text: Bernd Haase
Bild: Bernd Haase
6 min

Die einmaligen Lederwelten des Serge Amoruso

Serge Amoruso verarbeitet Leder. Das machen viele. Aber niemand so, wie Serge. Der stellt nämlich Einzelstücke her. Nicht irgendwelche. Denn er verarbeitet durchaus mal ein Mammut. Oder einen Meteoriten.

Serge Amoruso ist reich. Reich an Gefühl. An Geschmack. An Präzision. An Kreativität. Sicherlich, auch Hunger leiden muss er nicht. Auch wenn seine Kunden ganz normale Leute sind, wie er sagt. Sie tragen Jeans. Pulli. Sind noch nicht einmal besonders groß. Und fahren einen Rolls-Royce. Nur. Aber so sind sie halt, die Kunden von Serge.Es sind Menschen, die vermutlich nicht darüber nachdenken, ob ein Koffer vom Preis einer Nacht in der Präsidentensuite des Royal Monceau, einem Steinwurf entfernt vom Arc de Triomphe entfernt, jetzt nun teuer ist. Oder ob die Rate für die 220 Quadratmeter Wohlfühlraum gestaltet von Stardesigner Philippe Starck nun günstig, wenn diese gerade einmal so viel kostet wie ein Koffer. 22.000 Euro.Es ist ja auch müßig über solche Fragen nachzudenken, wenn die Antwort so klar auf der Hand liegt wie in diesem Fall: die Suite ist viel zu teuer im Vergleich mit dem Koffer. Denn diese können Jean und Paul und Brigitte und Catherine jederzeit mieten, sofern sie über das nötige Kleingeld verfügen. Den Koffer aber, den kann nur einer besitzen.Serge stellt nämlich nur Einzelstücke her. Weil er nämlich einmalige Dinge darin verarbeitet wie den Knochen eines Mammuts oder einen Meteoriten. Das kombiniert er mit feinstem Leder, persönlich ausgesucht – wenn möglich bereits am lebenden Tier. Von den besten Gerbern und Färbern verarbeitet. Um schließlich vom Meister und seinen Mitarbeiternn einer neuen Bestimmung zugeführt zu werden.Bei dem Koffer geht das wie folgt: Man lasse sich eine Schale aus Spezialcarbon in der Größe eines gängigen Handgepäckstücks anfertigen, vernähe (!) daran hochwertigstes Kalbsleder, das inwendig mit akzentuiertem rotgefärbten Ziegenleder vernäht ist. Daran werden Rollen montiert, die von einem Skateboard stammen und ein Teleskop-Griff, den Serge mit einem geschliffenen Mammutknochen beschlägt.Serge arbeitet in enger Abstimmung mit seinen Kunden. Er öffnet deren Wünschen sein Ohr. Aber er verschließt es auch, wenn die Wünsche der Kunden seinem Anspruch an Qualität und Ästhetik diametral entgegenstehen. Womit wir wieder beim Reichtum wären. Reichtum ist, »nein« sagen zu können, auch wenn immense Summen locken. Reichtum ist, das machen zu können, wofür die Seele brennt. Reichtum ist, jeden Moment mit Hingabe zu leben. Serge Amoruso ist reich.

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