Die Ig-Nobelpreise 2022: Schwanzlose Skorpione & Synchronschwimmer

Wie sie auf ihre Forschungsthemen kamen? Das wissen die Träger der Anti-Nobelpreise wahrscheinlich nur selbst. Dass sie ihr Wissen aber mit uns teilen, ist gut. Und unterhaltsam. Denn wer würde sich sonst wissenschaftliche Gedanken über den effektivsten Weg machen, eine Tür zu öffnen … ?
Text Alfred Rzyski
Bild NASA

Nein, hier geht es trotz dem Kürzel »Ig« nicht um Instagram-Nobelpreise – sondern um Forschung, die erst zum Lachen bringen und dann zum Nachdenken anregen soll. Das ist nämlich die zentrale Bedingung beim Ignoble Nobel Prize, auch als Anti-Nobelpreis bekannt. Nun wurden die Sieger für 2022 prämiert. Für Forschungen zum Speiseeiseinsatz in der Krebstherapie und synchronschwimmenden Entenküken. Wir stellen vier der diesjährigen Preisträger und ihre Forschungen vor.

1. Schwanzlose Skorpione und ihre Probleme

Wir würden uns ja grundsätzlich von Skorpionen fernhalten. Solimary García-Hernández und Glauco Machado nicht. Sie forschen lieber an Exemplaren aus der Klasse der Spinnentiere zum Thema: »Kurz- und langfristige Auswirkungen eines extremen Falles von Autotomie: Verringert der Verlust des Schwanzes und die anschließende Verstopfung die motorische Leistung von männlichen und weiblichen Skorpionen?« Gut, jeder hat seine Interessen. Was die Ergebnisse der Studie angeht, ist das eher eine schlechte Nachricht für die Männchen: Sie werden langsamer, brauchen dadurch länger, um potenzielle Partnerinnen zu finden – und ohnehin verkürzt sich ihre Lebenszeit. Manchmal ist es einfach gut, Mensch zu sein …

Credit: unsplash.com
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2. Jeder Topf findet seinen Deckel … oder Inhalt

Wer hätte gedacht, dass schon die Maya Performance-Kunst schufen. Wie wir das meinen? Dass Bilder von ihren rituellen Einläufen auf Tontöpfen abgebildet wurden, lässt sich aus unserer Sicht nicht sehr viel anders deuten. Denn das eine führt fast zwangsläufig zum anderen. Peter de Smet und Nicholas Hellmuth bieten mit "Ein multidisziplinärer Analyseversuch zu rituellen Einlaufszenen auf antiker Maya-Keramik" aber noch einen anderen Erklärungsversuch für eines der nicht so großen Rätsel der Menschheit. Und der lautet: Konsum von Rauschmitteln.

Nein, hier geht es trotz dem Kürzel »Ig« nicht um Instagram-Nobelpreise – sondern um Forschung, die erst zum Lachen bringen und dann zum Nachdenken anregen soll.

3. Schließt sich eine Tür … öffnet sich ein Tor

So oder so ähnlich müssen Gen Matsuzaki, Kazuo Ohuchi, Masaru Uehara, Yoshiyuki Ueno, and Goro Imura gedacht haben. Und haben mit ihrem Forschungspapier das Tor zur Frage aufgestoßen, wie man eine geschlossene Tür am besten wieder öffnet. Logischerweise nahmen sie die Sache dabei in die eigene Hand und verfassten zwei Studien, darunter auch das Werk: »Experimentelle Studien über die Drehsteuerung von Säulenknöpfen – Die Anzahl der zum Zeitpunkt des Beginns der Drehsteuerung verwendeten Finger.«

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4. Gefiedertes Synchronschwimmen

Enten sind einfach faszinierende Tiere: Sie können fliegen, laufen und schwimmen. Dabei beherrschen sie alle drei Fortbewegungsarten sogar ziemlich gut. Und das Schwimmen dann sogar sehr energieeffizient, fanden Zhi-Ming Yuan, Minglu Chen, Laibing Jia, Chunyan Ji, und Atilla Incecik heraus. Gleichermaßen mit dem Nobelpreis bedacht wurde auch ein gewisser Frank E. Fish für sein Werk »Energieerhaltung durch Formationsschwimmen: Metabolische Beweise von Entenküken«. Vergeben Sie uns bitte, aber: Herr Fish muss sich bei dem Thema sicher sehr wohl gefühlt haben. Wie ein Fisch im Wasser eben.

Die weiteren Preisträger finden Sie unter:

improbable.com


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