Text: Michael Köckritz
Bild: David Breun
6 min

Die Leichtigkeit des Unterwegsseins

Den Sinn des Lebens zu finden, das ist sicher eine ziemlich wichtige Angelegenheit. Weshalb man die Beantwortung dieser Riesenfrage dann nur unter idealen Bedingungen und entsprechend entspannt angehen sollte. Also besuchen wir einen Freund und schrauben mit ihm ein wenig. Oder machen einfach mal unter Freunden mit Freude sonst etwas. Na ja, und mit etwas Glück bringen wir dann ein paar gute Bilder mit, die wunderbar für sich wirken. Alles ohne viele Worte. Wie unter Männern eben.

Damien ist ein guter Freund, der seine Autos und Motorräder liebt. Vor allem, wenn er an ihnen arbeiten kann. In der hauseigenen Werkstatt, die ursprünglich gar keine Werkstatt war, sondern eine Textilfabrik und davor ein Waschsalon – und davor? Weiß der Geier, was.

Aber wer will das schon wissen.

Damien ist in Kapstadt groß geworden, er modelte bereits für Labels wie Hugo Boss, wohnte zwölf Jahre in New York, ging in Paris ein und aus, war viel unterwegs, immer. Jetzt ist er angekommen. »Zuhause«, wie er es nennt. In Salt River, einem Vorort Kapstadts.

Dort hat er sich in diese abgehalfterte, stark in die Jahre gekommene Fabrik verguckt. Und sie gekauft. Damien liebt es, Dinge wieder instand zu setzen, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen. Also gestaltete er alles so, dass es schließlich seiner Vorstellung von einem Lebensmittelpunkt entsprach und seiner Familie, also seiner Frau Claire und den zwei Kindern, jetzt eine ebenso hübsche wie zweckmäßige Unterkunft bietet. Alles ist großzügig geschnitten, bietet genug Platz, um dort Arbeit und Familienleben locker unter einen Hut zu bringen.Und dabei passt noch ein halber Zoo rein. Aber das ist Claires Sache. Sie liebt Tiere, besitzt zwei Pitbulls, vier Vögel, sieben Fische, einen Hasen. Damien hat auch eine Leidenschaft: Autos. Am liebsten sind ihm muskelbepackte Amischlitten. Ford Fairmont, Ford Fairlane, Fette Pick-ups. Und für zwischendurch auch mal ein Bike. Gerne an der Grenze der Fahrtauglichkeit, weil ausgebootet. Am besten alt, restaurierungs-, besser: liebesbedürftig. Dann kann Damien wieder ran, sie pflegen, instand setzen. Aus seiner Werkstatt ist mittlerweile ein ordentliches Unternehmen geworden: Salt River Customz.Und wir sind dort eingetaucht. Für ein paar Tage. Ohne große Absicht, einfach nur mal so. Und weil David nun mal ein Fotograf ist, der den Blick für den Augenblick lebt, hat er die Momente immer wieder eingefangen. Erst später, beim Sichten der Bilder, sind wir dann etwas ins Nachdenken gekommen. Über Männerfreundschaften, über den spielerischen, unaufgeregten Umgang mit den Dingen als Grundhaltung und natürlich über philosophische Fragen, die sich während des alltäglichen Tuns dann fast von alleine beantworten. Klar, dass wir uns auch sofort spontan an Matthew B. Crawfords erfrischendes Buch-Plädoyer »Ich schraube, also bin ich« erinnert fühlten. Den promovierten Philosophen und ausgebildeten Mechaniker führte eine Sinnkrise vor ein paar Jahren geradewegs in die eigene Motorradwerkstatt. Er tauschte den Anzug gegen den Blaumann, kündigte seinen Job bei einem Think Tank und fand endlich die Erfüllung, die ihm in Jahren der Schreibtisch-Arbeit gefehlt hat. Das resultierende Buch wiederum fand seine Erfüllung in den entsprechenden Bestseller-Listen. Jetzt hören wir aber auch schon auf, Leichtigkeit in Worte fassen zu wollen. Stattdessen zeigen wir einfach Bilder, die für sich selbst sprechen.

Diese Bildstrecke stammt aus der ramp#31

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