Die Mutter aller Schultern

Der neue Porsche Turbo in der Garage der ramp Redaktion. Dazu kommen spontan Michael Mauer, Head of Design Porsche, diverse Rock-Gitarristen und Darth Vader.
Text Matthias Mederer
Bild Matthias Mederer & Maximilián Balázs · ramp.pictures

Es gibt Menschen, denen jeder auf die Finger schaut: Gitarristen einer Rockband, zum Beispiel. Das, was ein guter Gitarrist mit dem richtigen Anspielen seiner sechs Saiten schafft, fährt einem direkt hinein ins Mark. Ganze Hymnen bauen auf, auf einer simplen Abfolge von wenigen Akkorden. Epochen definieren sich über epische Musikstücke. Vergreift sich ein guter Gitarrist mal im Ton, betrinkt er sich und zertrümmert anschließend vielleicht noch ein Hotelzimmer. Business as usual.

Beim Chefdesigner des Porsche 911 liegen die Dinge ähnlich – und doch ganz anders. Auch ihm schauen alle auf die Finger, auch er schafft es – besser: muss es schaffen – mit dem Design des 911 eine Epoche zu definieren. Nur verspielen sollte er sich dabei nicht. Denn dann hilft auch kein Whiskey mehr. Naja, und was das andere betrifft … Lassen wir das.

Traditionell bildet der Porsche Turbo S den Über-Über-Superelfer einer Baureihe. Drüber geht nix. Die GT-Fahrzeuge sind außen vor, die spielen sowieso ihr eigenes Konzert. Ähnliche Instrumente, ganz andere Musik: mehr so Death Metall statt Rock’n’Roll!

Zufälligerweise schaut dann Michael Mauer auch just an einem jener Tage in der ramp-Garage vorbei, an dem der neue Turbo S zu einigen Probefahrten da ist. Gemeinsam stehen wir dann also erst mal da und schauen. Das Grandiose am Porsche Turbo ist ja, dass man, wenn man so davor steht, zunächst mal denkt: »Sehr gut. Der Turbo! Noch dazu der S. Im Grunde aber ein 911. Und seit dem 991.2 hat der ja immer einen Turbomotor. Und Dampf in allen Gassen hat so ein normaler Elfer dann ja auch. Wozu also die ganze Aufregung?«

Michael Mauer brauchen wir diese Frage nicht ernsthaft zu stellen. Da ein überhebliches Grinsen nicht seiner höflichen Art entspricht, würde er wohl mit einem geheimnisvoll gemurmelten: »Kasseler Berge …« antworten. Den weniger Eingeweihten sei geraten sich auf google maps mal die Autobahn 7 in Deutschland, von Süden kommend Richtung Kassel, anzuschauen. Dass dort über weite Strecken kein Tempolimit gilt, erwähnen wir mal mit dem Anspruch journalistischer Objektivität und der Vollständigkeit halber.

Noch, und das ist beim neuen Turbo wahrscheinlich die schwierigste Disziplin, fahren wir das Auto also nicht. Dazu später und an anderer Stelle mehr. Denn zunächst mal gilt es weiter zu schauen. Michael Mauer erklärt spontan die Turbo-Insignien: die eigens entwickelte Frontschürze, natürlich der Flügel am Heck, die markanten Lufteinlässe an den breiten Seitenschwellern, die zurück gehen auf den legendären 959. Und die breitere Karosserieform. Schon immer eines der markantesten Turbo-Merkmale. Sie definiert dann auch über den Hinterrädern das, was Designer eine breite Schulter nennen.

Michael Mauer erklärt spontan die Turbo-Insignien: die eigens entwickelte Frontschürze, natürlich der Flügel am Heck, die markanten Lufteinlässe an den breiten Seitenschwellern, die zurück gehen auf den legendären 959.

Dadurch erinnert ein 911 von hinten betrachtet viele Menschen an eine Raubkatze in Lauerstellung, immer bereit zum Sprung. Und der Turbo umso mehr. »Wenn man so will, ist das die Mutter aller Schultern«, sagt Mauer und lacht. »Und du bist dann ihr Vater?«, werfen wir etwas vorlaut in den Raum. Mauer schmunzelt kurz. Dann imitiert er mit überraschend perfekter Stimme Darth Vader aus Star Wars: »Ich bin dein Vater.«

Kurze Stille.

Ein vorbei laufendes Ehepaar bleibt vor Schreck stehen und irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltalls zieht jemand ein Lichtschwert. Vermutlich.

Das ganze Interview mit Michael Mauer lesen Sie in der kommenden Ausgabe der ramp


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