Ease & Boost

BMW und die Freude am Fahren – zwei Dinge, die seit jeher zusammengehören. Aber wie wird diese Begeisterung in Zukunft aussehen? Das erklärten uns der Leiter BMW Design Domagoj Dukec und der Motivationsforscher Prof. Dr. Hugo Kehr im Interview.
Text Natalie Diedrichs
Bild WE! shoot it, Enes Kucevic

Idealerweise können wir uns künftig aussuchen, ob wir unser Auto selbst fahren oder ob wir uns fahren lassen. BMW hat beide Szenarien für sich interpretiert und daraus die Begriffe »Ease« und »Boost« entwickelt: Im »Ease«-Modus fährt das Lenkrad zurück, wir überlassen dem Auto die Steuerung und können uns entspannt zurücklehnen. Wählt man dagegen den »Boost«-Modus, sind Lenkrad und Anzeigen klar auf den Fahrer ausgerichtet, sodass dieser konzentriert fahren kann. Um die beiden Begriffe »Ease« und »Boost« zu veranschaulichen, entwickelte das Designteam die beiden Visionsfahrzeuge Vision iNEXT und Vision M NEXT. Sie zeigen, wie unterschiedlich sich Künstliche Intelligenz im Hinblick auf die Mobilität der Zukunft einsetzen lässt. Genaueres erfuhren wir vom Leiter BMW Design Domagoj Dukec.

Herr Dukec, eine Frage vorab: Müssen künftige BMW Kunden entscheiden, ob sie »Ease« oder »Boost« in ihrem Auto wollen?
Nein, wir werden »Ease« und »Boost« nicht in jedem Fahrzeug anbieten – der iNEXT und der M NEXT dienen nur dazu, die Philosophie dieser beiden Begriffe bildhaft darzustellen. Es geht darum, zwei strategische Themen plakativ zu illustrieren, die später in einem Auto vereint werden sollen.

Können Sie den Unterschied zwischen »Ease« und »Boost« erklären?
Es geht um die Frage, wie man als Mensch mit der Maschine interagiert. Wie sieht diese Verbindung konkret aus? Und wie bezieht sich das auf das Fahrverhalten? Im »Ease«-Modus oder in der Vision iNEXT ist es eher eine längere Reise und kein direkter Weg. Man wird gefahren und kann abschalten. Da kommt es nicht auf die Minute an – während es beim Vision M NEXT und im »Boost«-Modus vor allem darum geht, wie ich selbst am effizientesten von A nach B fahre.

Wie bringen Sie das optisch zum Ausdruck?
Das beginnt beim Exterieur des iNEXT schon mit dem Color Fade: Wir haben hier einen Farbverlauf von einem Silber- in einen Bronzeton. Das ist ein ganz, ganz weicher farblicher Übergang. Allein das vermittelt bereits, dass es um eine sehr angenehme Fortbewegung geht, bei der es nichts gibt, was einen stört. Es ist wie Floaten. Als würde man einfach nur im Wasser schweben. Das Gefühl von absoluter Ruhe, damit man nach der Fahrt mit frischer Energie und Glücksgefühlen wieder aussteigt.

Und worum geht es beim Thema »Boost«?
Ums Selbstfahren. Optisch drückt sich das »Boost« durch klarere Linien und eine grafischere Darstellung aus. Zum Beispiel der harte Kontrast zwischen Silber und dem ikonischen Thrilling Orange. Im Interieur geht es darum, eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen, indem man gewisse Faktoren ausblendet. Diesmal aber nicht, um zu entspannen, sondern um den Fokus einzig und allein aufs Fahren zu legen. Es gibt nichts, das ablenkt. Der Fahrer setzt sich rein und lässt die Hände am Lenkrad.

Wie interagieren Fahrer und Auto?
Bei den Visionsfahrzeugen iNEXT und M NEXT unterscheiden wir zwischen unimodaler und multimodaler Eingabe. Multimodal heißt, je nach Sprach- oder Gestensteuerung einzugeben oder die klassische Bedienung per Touchpad. Ich muss mich nie verrenken, ganz egal, wie und wo ich mich gerade im Auto aufhalte, weil es immer mehrere Möglichkeiten gibt, mit dem Auto zu interagieren. Beim M NEXT gibt es dagegen bewusst nur eine Art von Interaktion. Um das Auto zu starten, muss ich beispielsweise einen Knopf drücken. Dieser liest gleichzeitig meinen Fingerabdruck und stellt Lenkrad und Sitz automatisch ideal für mich ein, damit ich sportlich fahren kann.

Das Auto gibt mir also vor, wie ich sitzen soll?
Es ist die perfekte Ergänzung, um seine eigenen Fähigkeiten zu optimieren. Wenn man einen BMW kauft, wird man zu einem Ultimate Driver. Das heißt, wir nutzen Künstliche Intelligenz so, dass man ein sportliches Auto fast so gut fahren kann wie ein Rennfahrer. Selbst wenn einem ein gewisses Talent und Erfahrung fehlen – das Auto hilft dabei.

Wie genau muss man sich das vorstellen?
Nehmen wir beispielsweise das kontaktanaloge Head-up-Display. Es zeigt mir auf der Frontscheibe alles an, was ich wissen muss: Kurven, Geschwindigkeiten, sogar Ideallinien. In diesem Modus ist das Display im Lenkrad ausgeschaltet und lässt sich nicht mehr bedienen. Ich kann das Auto aber mit meiner Stimme bedienen, so als ob ich mit einer Boxen-Crew reden würde.

Sie haben vorhin gesagt, dass der M NEXT die effizienteste Verbindung zwischen Mensch und Maschine sein soll. Ist sie auch die emotionalste?
Ich würde sagen, dass beide Modelle für extreme Emotionalität stehen. Emotionen können ja in jede Richtung geweckt werden, egal ob ich sanfte Melodien oder schnelle Beats höre. Wir versuchen mit Design immer Emotionen zu wecken, weil sie der Kaufgrund Nummer eins sind. Denn wenn ich mich dazu entscheide, ein Produkt aus dem Premium- oder Luxussegment zu kaufen, kann die Entscheidung nicht rein rational sein.

»Ease your life, boost your moment.«

Was meinen Sie persönlich – wie viel »Ease« und wie viel »Boost« sind notwendig, um ein gutes Leben zu haben?
Ich denke, das hängt alles mit einer gewissen Balance zusammen. Es ist wie Ying und Yang. Wenn das Verhältnis 50:50 ist, wird man höchstwahrscheinlich am leistungsfähigsten sein. Und wir sagen ja so schön: Ease your life, boost your moment. Aber da fragen Sie am besten noch mal einen Motivationsforscher.

Machen wir gleich – aber zuvor noch eine letzte Frage: Was ist die größte Herausforderung beim Design von Innovationen?
Das ist die Umsetzbarkeit. Unserer Kreativität in der Ideenfindung sind keine Grenzen gesetzt, allerdings bringt es auch nichts, wenn wir etwas zeigen, das so niemals realisierbar ist. Das heißt, wir können zwar etwas Bestimmtes überhöht darstellen, um ein Thema für alle klar erkenntlich zu machen, aber es geht immer darum, was technisch möglich ist und wie man das gut verpackt. Das ist die Hauptaufgabe von Design.

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