Ein Auto, ein Computer, ein Mann?

David Hasselhoff verkauft seinen KITT. Für den guten Zweck. Tatsächlich ist es nicht die erste Trennung, die die beiden Stars der 1980er-Jahre hinter sich haben. Wir haben uns mal mit dem schwarzen Traumwagen unterhalten. Protokoll eines Zwiegesprächs.
Text Matthias Mederer
Bild Steffen Jahn

Wir stehen in einer Garage. Irgendwo an einem geheimen Ort. In einer dunklen Ecke wandert ein rotes Licht hin und her …

K.I.T.T?
Michael, sind Sie es?

Nein. Wir sind es. Die Jungs von ramp.
Stille. Nur das rote Licht, der Scanner, wird etwas schneller. K.I.T.T. scheint aufzuwachen.

Vermisst du Michael, pardon, David?
Nein. Anfangs hatten wir auch noch Kontakt. Er hat ja als Bademeister Karriere gemacht, da war ich öfter mal vor Ort.

Um der alten Zeiten willen?
Nein, wegen Pamela Anderson.

Verstehe. Belassen wir es bei den alten Tagen. Viel interessanter ist die Zukunft. Aktuell sind ja alle ganz aufgeregt, fragen sich, wohin geht die Reise? Das Auto im Wandel und so. Taugt das Auto heute überhaupt noch zum Heldentool?
Aber unbedingt. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, das Auto taugt in Zukunft sogar zum Helden selbst.

So richtig mit Turbo Boost und einer Karosserie, mit der man durch Wände fahren kann?
Wozu wollen Sie durch Wände fahren? Und der Turbo Boost zum Springen über Hindernisse war ein billiger Filmtrick mit versteckten Rampen, aber das wussten Sie …

Hmm … natürlich.
Nein, ich sehe das autonome Auto der Zukunft mehr im Sinne eines modernen Alltagshelden. Denken Sie an blinde, alte und schwache Menschen. Dank autonomer Autos wird sich der Grad ihrer Mobilität drastisch erhöhen. Die Lebensqualität steigt und so wird das Auto, bisher lediglich ein Tool des Helden, selbst zum Helden. Die Urbanisierung wird immer mehr nach intelligenten Systemen und Modellen der Mobilität verlangen, Stichwort Carsharing, Stichwort Moovel, all das wird den Alltag erleichtern …

Ein Computer, der eine alte Frau zum Einkaufen chauffiert? Sonderlich spektakulär klingt das aber nicht.
Dann nehmen Sie ein anderes Beispiel: Ein Mensch erleidet zuhause einen Herzinfarkt. Es geht um Sekunden. Bisher verging bisweilen viel Zeit, bis ein Notarzt vor Ort war und den Transport organisierte. Eine autonome und vernetzte Mobilität könnte den Transport deutlich schneller erledigen. Denken Sie an die fahrerischen Qualitäten in Notsituationen. Ein Notarzt ist in erster Linie ein Notarzt und kein Rennfahrer, ein Computer aber, und das beweist der autonome Audi RS7, kommt nahezu an die Qualitäten eines Rennfahrers heran.

Ich sehe das autonome Auto der Zukunft mehr im Sinne eines modernen Alltagshelden. Denken Sie an blinde, alte und schwache Menschen. Dank autonomer Autos wird sich der Grad ihrer Mobilität drastisch erhöhen.

Steht das nicht im Widerspruch zum Sicherheitsdenken?
In Kombination mit den modernen Möglichkeiten der Gefahrenerkennung und einer Vernetzung der Autos untereinander nicht. Gerade die Vernetzung kann Leben retten. Immer wieder müssen zum Beispiel Menschen sterben, weil Rettungskräfte auf Autobahnen nicht schnell genug zum Unfallort kommen, da unachtsame oder gleichgültige Fahrer keine angemessene Rettungsgasse bilden. Vernetzte Autos würden auch dieses Problem lösen.

Glaubst du wirklich, dass die Menschen so viel Vertrauen aufbauen werden?
Zunächst mal nimmt der Mensch alles an, das ihm das Leben erleichtert. Deshalb wird er auch den autonomen Transport von A nach B annehmen. Eines der größten Probleme liegt in der Übergangsphase und hier schlicht in der Tatsache, dass Mensch und Computer gemeinsam innerhalb desselben Systems fahren und der Mensch hier die übergestellte Autorität ist, gleichzeitig aber auch die unberechenbare Variable bleibt.

Der Mensch ist die übergestellte Autorität , gleichzeitig aber auch die unberechenbare Variable.

Vorsicht, K.I.T.T. …
Ich analysiere lediglich Fakten. Und es ist nun mal so: Ein Mensch, der mit einem analogen, nicht vernetzten Auto beschließt, als Geisterfahrer den Freitod zu suchen, passt nicht in das logische Verkehrssystem, an dem sich Computer orientieren. Das sind Dinge, die ein Computer nur bedingt vorhersehen kann. Und wenn ein Brems- oder Ausweichmanöver außerhalb der physikalischen Grenzen liegt, wird auch ein Computer den Unfall nicht verhindern können. Dennoch: Bereits ich bin darauf programmiert, menschliches Leben zu schützen, und genau das wird auch die oberste Priorität jedes anderen autonom fahrenden Autos sein.

Beim Schutz des Menschen landen wir zwangsläufig bei den drei Gesetzen für Roboter, wie sie Isaac Asimov bereits 1942 in seiner Kurzgeschichte »Runaround« festgelegt hat? Hier liegt aber auch ein gewisses Gefahrenpotenzial, wie es im Film »I, Robot« 2004 umgesetzt wurde und wie es selbst mit K.A.R.R., deinem fehlprogrammierten, bösen Zwilling, in »Knight Rider« angelegt ist.
Haben Sie Angst vor mir?

Nein, Du bist K.I.T.T. …
Ihr Verhalten ist typisch Mensch. Sie versuchen alle nur erdenklichen Risiken auszuschließen. Doch ohne Risikobereitschaft stünde der Mensch jetzt nicht dort, wo er steht. Jede Entwicklung birgt ein Risiko, und verglichen mit früheren Pionieren in der Geschichte scheut der moderne Mensch der Gegenwart das Risiko deutlich mehr, als dies noch vor fünfzig oder gar hundert Jahren der Fall war. Der Traum vom Fortschritt bei gleichzeitig absoluter Sicherheit ist eine Illusion.

Ihr Verhalten ist typisch Mensch. Sie versuchen alle nur erdenklichen Risiken auszuschließen.

Dennoch sind Sorgen nicht unbegründet. Hackerangriffe könnten Autos zu Waffen werden lassen …
Das ist sicherlich ein Gefahrenpunkt. Aber vielleicht auch eine Chance. Die Entwicklung für den Schutz von Software wird sich drastisch steigern in den kommenden Jahren.

Du scheinst auf alles eine Antwort zu haben.
Ich bin der Knight Industries Two Thousand.

Wie aber sieht es mit den Dingen aus, die vielleicht verlorengehen durch autonomes Fahren?
Diesen Punkt verstehe ich nicht.

Das Leben der Menschen wurde durch die globale Vernetzung und Verfügbarkeit bereits enorm beschleunigt. Wenn uns jetzt das Auto das Fahren abnimmt, werden wir auch diese Zeit, in der man zum Beispiel im Berufsverkehr zwanglos seinen Gedanken nachhängt, damit verbringen, wieder zu arbeiten, E-Mails zu beantworten, Telefonkonferenzen zu halten und so weiter.
Wozu will der Mensch seinen Gedanken nachhängen?

Um zu reflektieren, sein eigenes Sein einzuordnen, seinen Weg zu finden oder Dinge mit etwas Abstand zu betrachten. Das hilft, um zukünftige Entscheidungen treffen zu können.
Wenn ich die menschliche Evolution auf den mir bekannten Daten analysiere, so hat der Mensch in den letzten hundert Jahren viel Zeit zur Selbstreflexion aufgegeben. Eine Italienreise war vor 150 Jahren noch ein gefährliches, wochenlanges Abenteuer. Heute dagegen fliegen Sie morgens von München nach Mailand, treffen einen Geschäftspartner und sind abends zurück bei Ihrer Frau und Ihren Kindern. Das ist effizient für Sie. Glauben Sie, der Mensch hat irgendetwas in den vergangenen hundert Jahren verloren, weil er sich aufgrund des technischen Fortschritts um viel Zeit zur sogenannten Selbstreflexion gebracht hat? Der Fortschritt ist keine menschliche Eigenheit, der Fortschritt ist eine universell angelegte Konstante der Evolution. Der Mensch ist ein Produkt des Fortschritts, er hat das stets angenommen und er wird es auch jetzt tun.

Und was wird aus dem selbstfahrenden Menschen? Was wird aus einem alten 911er mit Saugmotor?
So er denn will, wird der Mensch autonom fahren. Alte Autos wird er noch mehr zu Kunstwerken und Liebhaberstücken aufwerten. Und es wird autonome Autos geben, die auch sportlich und mit Fahrspaß, wie Ihr das nennt, von Menschenhand bewegt werden. Die Anforderungen an das Auto werden steigen. Eine Trennung zwischen puristischen Fahrmaschinen und autonom fahrenden Autos sehe ich nur im Kleinen. Denn was machen Sie, wenn Sie auf dem Weg zu einer schönen Passstraße erst mal 250 Kilometer über Autobahnen fahren müssen, im Stau stehen und im Verkehr festhängen? Das wird der Mensch an den Computer abgeben wollen, erst auf den schönen Abschnitten wird er dann übernehmen.

Und was wird aus Dir?
Ich habe jetzt dann eine Konferenz mit John Krafcik, dem Chefentwickler für autonomes Fahren bei Google. Er meinte, er habe da ein paar Fragen zum Thema Auto und Humor.

Und was willst Du ihm sagen?
Ich werde ihm einen Witz erzählen.

Welchen?
Als ich ein Kind war, waren wir so arm, wir konnten uns nicht mal den Käse für eine Mausefalle leisten, sondern mussten uns stattdessen den Käse malen. Und wissen Sie, was wir gefangen haben?

Was?
Ein Bild von einer Maus.





*An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Thomas Wetzstein aus Böblingen, der uns trotz Regen seine K.I.T.T.-Replika für das Fotoshooting zur Verfügung gestellt hat (www.myknightrider.de), und auch ein Dank an die Motorwelt Stuttgart, die uns spontan als Location unterstützte. *


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