Extreme wie? Extreme E!

Natürlich kann man sich immer nur im Kreis bewegen. Oder in die Zukunft denken und wie die Offroad-Rennserie Extreme E einen radikal anderen Ansatz wählen. Wir haben uns mit dem offiziellen Zeitnehmer Zenith vor Ort selbst davon überzeugt – und sind nach dem Rennen auf Sardinien elektrisiert.
Text Jana Doe & Alfred Rzyski
Bild Marko Knab · ramp.pictures

»Eine neue Art des Denkens ist unerlässlich, wenn die Menschheit überleben und sich auf ein höheres Niveau bewegen will.« Der Satz von Albert Einstein stammt aus dem Jahr 1946. Selten erschien er dringlicher als in heutigen Zeiten . Und vermutlich deswegen wird man besonders hellhörig, wenn tatsächlich einmal etwas Neues geschieht und Natur und Technik ineinandergreifen. So wie bei der Extreme E. Inzwischen ist sie in der zweiten Saison angekommen, die Wasserstoff-Schwesterserie Extreme H steht auch bald in den Startlöchern. Die drei Grundgedanken, die Seriengründer Alejandro Agag und Gil de Ferran formuliert haben, sind aber immer noch dieselben: Elektrifizierung, Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung. Und sie werden von den beiden Gründern und ihren Serienpartnern Zenith Watches, Niobium und Continental immer weiter vorangetrieben.

Was die Elektrifizierung angeht, heißt das SUV »Odyssey 21«. Die ersten beiden Saisons der Extreme E werden noch mit diesem Einheitsauto gefahren, später sind auch Eigenentwicklungen möglich. »Odyssey 21« verfügt über einen batterieelektrischen Antrieb mit 550 PS, verbunden mit einem Drehmoment von 920 Newtonmetern beschleunigt das SUV in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Klingt neben gewöhnlichen Straßensportwagen nicht besonders, hat aber beim Zuschauen vor Ort – und auf losem Untergrund – das Zeug dazu, die eigene Wahrnehmung von »schnell« zu verschieben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h, dazu kann das Auto Steigungen von bis zu 130 Prozent erklimmen. Federweg? Mehr als genug. Technisch dürfen die Teams nichts an »Odyssey 21« ändern, nur Design und Karosserie sind individualisierbar. Wovon ABT CUPRA XE und Hummer EV Chip Ganassi Racing schon Gebrauch gemacht haben.

Um auch insgesamt klimaneutral zu sein, wird für die Reise zu den fünf Rennen mit der St. Helena ein Schiff als Transportmittel für die Rennautos und als Fahrerlager genutzt. Das ehemalige britische Postschiff wurde für den Einsatz aufwendig modernisiert, der Motor komplett überholt, um die Emissionen zu senken. Außerdem ist ein Team von vier Wissenschaftlern mit beratender Funktion mit an Bord, um an allen Rennorten mit lokalen Umweltinitiativen einen Beitrag zur Wiederherstellung beschädigter Ökosysteme zu leisten. Das zentrale Thema dabei in Sardinien: CO2-Bindung durch das Pflanzen von Seegras-Plantagen unter Wasser – und die Folgen der Waldbrände, die diesen und vergangenen Sommer wüteten. Wir lernen direkt in der Lagune und tauchen zwischen den Seegräsern entlang – ehe es an die Strecke geht.

Hier warten zehn »Odyssey 21« und 20 hochkarätige Pilotinnen und Piloten. Gleichberechtigt und gleichmäßig auf alle Teams verteilt. Um nur einige zu nennen: Für ABT CUPRA XE startet die Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt zusammen mit Nasser Al-Attiyah, ebenfalls eine Offroad-Legende. Für X44 ist der neunfache Rallye-Weltmeister Sebastien Loeb am Steuer, das er sich mit Cristina Gutierrez teilt - den Wagen von Rosberg X Racing wiederum pilotiert Mikaela Åhlin-Kottulinsky zusammen mit Johan Kristoffersson. Enduro-Weltmeisterin Laia Sanz teilt sich derweil das Cockpit mit Rallye-Legende Carlos Sainz, dem Vater des Ferrari-Formel-1-Piloten Carlos Sainz Junior. Und auch die Teamchefs sind teils von der Formel 1 geprägt: mit JBXE, Rosberg X Racing und X44 finden sich gleich drei Rennteams unter der Führung ehemaliger Rundstrecken-Weltmeister. Namentlich Jenson Button, Nico Rosberg und Lewis Hamilton.

Die Rennen selbst sind kurz – aber aufregend. Wie von einem gespannten Bogen schießen die Boliden los und über den ehemaligen Truppenübungsplatz hier im Süden der Insel. Schnell, sehr schnell ist noch eine Staubwolke zu sehen. Die Kämpfe sind hart und am Rennwochenende gibt es deshalb nicht ohne Grund zwei Überschläge. Nicht aber im Finale, wo auch die deutsch-spanische Truppe von ABT CUPRA XE um den Sieg kämpft. Tür an Tür kämpft die Mannschaft mit Rosberg X Racing, am Ende wird es der zweite Platz. Zumindest solange, bis die Rennkommissare einen Regelverstoß beim Fahrerwechsel auf Jutta Kleinschmidt ahnden. Die Folge: Disqualifikation.

Und dennoch: CUPRA hat eine absolute Pionierrolle bei dem neuen Rennformat eingenommen und ist der einzige europäische Automobilhersteller, der in die Rennserie eingestiegen ist. Wobei das vielleicht nicht ganz sauber formuliert ist. Es ist der vorerst einzige. Aber einer muss ja immer der Erste sein. Nächstes Mal dann auch auf der Strecke.


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