Freunde, Fahrer, Formel-1-Legenden: Niki Lauda & James Hunt

Formel-1-Fahrer können keine Freunde sein, heißt es. Den Gegenbeweis am Tag der Freundschaft treten zwei Weltmeister und Legenden des Sports an: James Hunt und Niki Lauda. Beinharte Rivalen auf der Strecke, schätzten sich die beiden Ikonen abseits der Piste umso mehr. Zeitgenosse Herbert Völker erinnert sich.
Text Herbert Völker
Bild Milan Schijatschky

Wie fanden Lauda und Hunt zueinander?

»Wie uns die Geschichte gezeigt hat, waren James Hunt und der um zwei Jahre jüngere Niki Lauda füreinander zum großen Showdown von 1976 bestimmt (nicht zufällig hat sich Hollywood des Stoffes angenommen und die Rechte gekauft. Der Titel des Films: »Rush«).

»Beide, Hunt und Lauda, kamen aus gutem Haus, waren ungeeignet für jede Art von anständigem Beruf und sahen in der Rennerei den einzigen Lebenszweck. Sie trafen 1970 in der Formel 3 aufeinander, damals eine extrem kompetitive Art von Überlebenstest. Lauda hatte in London eine Wohnung gemietet (von Max Mosley übrigens), Hunt verschleppte ihn ins angesagte Pub in der Kings Road und es hieß wohl ›Pit Stop‹.«

Credit: Rainer W. Schlegelmilch

»Er war er, zu hundert Prozent. Da war nichts Unechtes, nichts Aufgesetztes, jede Großtat und jeder Blödsinn seines Lebens war original Hunt. Er war so authentisch, wie ein Mensch nur sein kann.«

Niki Lauda über James Hunt

Was folgte?

»Dort tranken alle ihr Bier, ›die so deppert waren wie wir‹ (Lauda) und berühmte Rennfahrer werden wollten. Als Gegenleistung, auf österreichischem Boden, löste Lauda den Engländer einmal bei der Polizei aus. Hunt hatte auf seiner Europa-Tingeltour einen roten Ford Transit als Wohn- und Schlafraum für sich und seinen Mechaniker, hinten den Anhänger mit dem Formel 3.«

»Der Van stand im Fahrerlager, das irgendwann in der Nacht versperrt wurde. Hunt hatte leichte Verspätung und musste das Tor aufbrechen, um in seine Koje zu kommen. ›Lasst’s eam doch in Ruah, er is a englischer Rennfahrer‹, so erklärte Lauda am nächsten Tag den Sachverhalt. Man war damals noch recht aufgeschlossen bei der Exekutive.«

»Für mich war James die charismatischste Persönlichkeit, die je in der Formel 1 war.«

Niki Lauda über James Hunt

Und wie lief das ganze beim legendären Saison-Finale 1976 in Japan?

»Die Saison 1976 war praktisch für den Titelverteidiger Lauda entschieden, als es zum Unfall auf dem Nürburgring kam, toller Stoff für den Hollywood-Film. Lauda meinte zuvor zur Besetzung seiner Rolle: ›Die müssen bloß einen Schauspieler finden, der ungefähr 27 ist, mit zwei Ohren in den Film hineingeht und ohne Ohren herauskommt.‹ Es wurde übrigens Daniel Brühl, der für seine Verkörperung dieser Legende grenzenloses Lob einfuhr.«

»Damals war das mit dem Ohr natürlich nicht ganz so lustig, Lauda kam zwar zurück ins Leben, konnte seinen Riesenvorsprung aber nicht mehr ernsthaft verteidigen. Im letzten Rennen, bei strömenden Regen in Fuji, gab er auf. Hunt wurde Weltmeister mit einem Punkt Vorsprung.«

Das kommentierte Lauda viele Jahre später so: »Wenn ich es schon nicht selber sein konnte, so war mir Hunt als Weltmeister am weitaus sympathischsten.«


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