Eine ganz harte Nummer: Ferdi testet den Volvo C40

Er ist unbestechlich (solange keine Schokolade im Spiel ist), gnadenlos ehrlich und schnell gelangweilt. Zusammengefasst dürfte das einen Vierjährigen zum härtesten Autotester aller Zeiten machen. Und genau deswegen haben wir ihn zum gestrigen Internationalen Weltkindertag auf den vollelektrischen Volvo C40 losgelassen.
Text Patricia Jell
Bild Christian Bittmann

408 PS, 660 Nm maximales Drehmoment, zwei E-Motoren, 78 kWh Hochvoltbatterie, bis zu 420 Kilometer Reichweite, in 4,7 Sekunden auf 100 km/h – das Datenblatt des Volvo C40 Recharge Pure Electric, des ersten Volvos, der ausschließlich mit Elektroantrieb zu haben ist, kann sich sehen lassen. Ferdi ist das allerdings egal. Er steckt gerade im sogenannten »Frunk«, dem Stauraum unter der Motorhaube des vollelektrischen Crossover-SUVs, der Platz für einunddreißig Liter bietet. Oder eben für einen zwanzig Kilo schweren Vierjährigen. Plus Stoffelch.
Deckel zu.

Volvo hat zur Vorstellung des C40 nach Gent geladen, wo der neue Elektro-SUV produziert wird, gekommen ist die internationale Motorfachpresse – und Ferdi, direkt vom Kindergarten. Sein Auftrag: testen, was das Zeug hält und worauf er Lust hat. Auf der ersten Fahretappe von Brüssel bis in die belgische Universitätsstadt liegt sein Fokus dabei klar auf dem Infotainmentsystem. Im C40 basiert es auf Android, Dienste wie Google Maps oder Google Assistant sind damit bereits ab Werk an Bord integriert, die Bedienung soll entsprechend intuitiv und auch via Sprachsteuerung funktionieren, aktiviert wird es einfach per »Hey, Google!«. »Dieser Google ist gut«, sagt Ferdi. Der findet nämlich Feuerwehrmann Sam und Paw Patrol in Sekunden und gehorcht auch sonst aufs Wort.

»Dieser Google ist gut«, sagt Ferdi. Der findet nämlich Feuerwehrmann Sam und Paw Patrol in Sekunden und gehorcht auch sonst aufs Wort.

Jetzt in Gent ist das ganze Auto dran. Deckel auf und raus aus dem Frunk, »meiner neuen Höhle«, was ungefähr eine Eins mit Sternchen bedeutet, weil Höhlen gerade und überhaupt das Beste sind. Rein in die nächste Höhle, die hinten. Hier passen dann ein paar mehr Stoffelche rein – oder gleich das neue blaue Fahrrad, bemerkt Ferdi, und recht hat er. Das Ladevolumen im Kofferraum beträgt 413 Liter; idealerweise lässt er sich dank Sensoren ohne Berührung öffnen, gut also, wenn Mama oder wer auch immer das Fahrrad schleppen darf und Rad und Co. im Kofferraum verstauen muss. Alles andere, was zählt, findet im Innenraum Platz. Allein die extragroßen Fächer in den Türen sind eigentlich genau richtig, um gleich die ganze Paw Patrol darin zu verstauen. Außerdem eignet sich der Innenraum ganz prima, um darin herumzuhüpfen, sprich: Platz ist genug, und die Sitze schauen aus, als ob sie es abkönnten.

Was Ferdi aktuell noch nicht besonders interessiert, aber sicher bald: Das Interieur im Testwagen ist komplett lederfrei, stattdessen sind Materialien mit hohem Recyclinganteil im Einsatz, was sich nicht nur gut anfühlt, sondern richtig gut aussieht. »Wir wollten das Außen ins Auto bringen«, erklärt Rekha Meena, Senior Design Manager Colour and Material bei Volvo. Und so finden sich im Interieur des schnittigen SUVs immer wieder Verbeugungen vor Schwedens Natur, etwa die hinterleuchtete Dekoreinlage »Topography« entlang der Instrumententafel und in den vorderen Türverkleidungen, deren dreidimensionale Struktur von topografischen Karten des schwedischen Nationalparks Abisko inspiriert ist. Nur logisch also, dass auch auf nachhaltige Materialien Wert gelegt wird.

Die »Topography«-Dekore bestehen teilweise aus recyceltem Kunststoff, die Teppiche werden zu hundert Prozent aus recycelten PET-Plastik-
flaschen hergestellt: Pro Fahrzeug werden 71 gebrauchte Ein-Liter-Flaschen wiederverwertet. Die Fahrt­richtung ist klar: Schon 2025 soll die Hälfte des gesamten Fahrzeugabsatzes von Volvo auf reine Elektrofahrzeuge entfallen, den Rest stellen Hybride. Ab 2030 will der schwedische Automobilhersteller dann nur noch reine Elektroautos bauen und verkaufen.

Man darf sich also gut fühlen, wenn man das 11-kW-Bordladegerät des C40 zückt – laut Volvo ist das schnelle Laden zu Hause und unterwegs damit kinderleicht. Ferdi findet: stimmt, einstecken ist sogar noch leichter als sein Feuerwehrmann-Sam-Puzzle. »Das kannst Du auch, Mama!« Danke. Mama könnte dann auch gleich noch erklären, dass sich der Ladestand damit an Gleichstrom-Schnellladestationen in dreiunddreißig Minuten von zehn auf achtzig Prozent auffüllen lässt, und sie könnte noch ergänzen, dass das intelligente Temperaturmanagement für die Batterie mit separaten Kühlkreisläufen laut Volvo für eine Verkürzung der Ladedauer und ein optimales Ausschöpfen der verfügbaren Reichweite sorgt. Außerdem ist eine Wärmepumpe an Bord, deren Einsatz sich ebenfalls positiv auf die Reichweite auswirkt. Aber Mama will ja nicht angeben.

Laut Volvo ist das schnelle Laden zu Hause und unterwegs kinderleicht. »Das kannst Du auch, Mama!« Danke.

Ferdi schon. Er würde dann jetzt auch selber wieder nach Brüssel zurückfahren, sagt er, weil er ja richtig testen muss und das ja nicht so schwierig sein kann. Und tatsächlich ist der C40 angenehm zugänglich und dank Ein-Pedal-Fahren selbst im Stop-and-Go komfortabel zu fahren und, typisch Volvo, mit ausgeklügelten Sicherheitssystemen ausgestattet. Zudem lässt sich per Care Key eine individuelle Höchstgeschwindigkeit festlegen, wenn das Fahrzeug dann doch mal an Fahranfänger verliehen werden soll. Das kommt noch schnell genug, die nächsten vierzehn Jahre lautet die Antwort noch: nein. Ferdi schmollt, aber nur kurz, weil dieser Google nachher auf der Rückfahrt bestimmt wieder coole Hörbücher kennt und weil man so gut durch das Panoramadach den Himmel anschauen kann und weil durch den Ski-Sack nicht nur der Ski, sondern auch ein halber Ferdi passt. Womit das Testergebnis dann final feststeht: Höhle vorne, Höhle hinten, zickt nicht beim Rumspringen herum, das Logo und auch sonst alles sieht echt lässig aus, dazu dieser Google mit den Hörbüchern – Daumen hoch. Und zwar gleich zwei.







Volvo C40 Recharge Pure Electric
Motor zwei E-Motoren
Batteriekapazität 78 kWh
Leistung 408PS (300 kW)
Drehmoment 330 Nm & 330 Nm
0–100 km/h ca. 4,7 s
Vmax 180 km/h
Leergewicht 2.202 kg


ramp shop


Letzte Beiträge

Corvette Stingray: Abhängigkeitserklärung

Die große Freiheit? Genießt man nicht in vollen Zügen. Sondern im amerikanischen Sportwagentraum schlechthin: der Corvette Stingray. Ein hochfrequenter Roadtrip zum Unabhängigkeitstag. Einfach nur... perfekt!

Asket: Mode radikal neu gedacht

Eigentlich träumten August Bard Bringéus und Jakob Dworsky nur von dem perfekten weißen T-Shirt. Dann gründeten die beiden Schweden, die sich an der Stockholm School of Economics kennenlernten, das Fashionlabel Asket und begannen, das Thema Mode radikal neu zu denken.

Internationaler Matsch-Tag: ein Carwash mit dem Jeep Wrangler und Daniele Calonaci

Eine Vorwarnung am internationalen Matsch-Tag: Es wird schmutzig. Sehr schmutzig. Und Daniele Calonaci von Jeep zeigt, was es bedeutet, wenn ein Designer den ramp Carwash wörtlich nimmt.

Lamborghini Huracán STO: Konstruktiver Dialog

Was Sie hier lesen, könnte Sie verstört zurücklassen. Es könnte sein, dass Ihr Weltbild ins Wanken gerät und Sie sich professionelle Hilfe suchen müssen. Ihre Entscheidung.