Ana de Armas: »Ich hielt Daniel Craig für etwas verklemmt«

Wenn Ana de Armas erzählt, dass sie noch immer sehr gerne barfuß läuft, und scharfe Steine sie bestimmt nicht davon abhalten, ihr Ziel zu erreichen, ist das ein präzises Bild für ihren Ehrgeiz. Man könnte meinen, dass die gebürtige Kubanerin ein bisschen verbissen sei. Stimmt nicht. Sie arbeitet nur hart. Zuletzt spielte sie als Bond-Girl sehr charmant Daniel Craig in »No Time to Die« an die Wand. Ihre nächste Rolle? Marilyn Monroe.
Text Rüdiger Sturm
Bild Trunk Archive / Thomas Whiteside

Ana de Armas’ Geschichte ist das, was man märchenhaft nennt. Sie beginnt damit, dass sie in ärmlichen Verhältnissen in Kuba aufwächst, schon als Teenager vor der Kamera steht und mit 300 Euro in der Tasche nach Spanien geht. Da ist sie 19. Und als sie nach Hollywood zieht, spricht sie so wenig Englisch, dass sie die Texte für ihren ersten Film phonetisch lernen muss. Es folgen Hauptrollen in »Blade Runner: 2049« und dem Überraschungshit »Knives Out«. In der Komödie spielen Daniel Craig, Chris Evans und Jamie Lee Curtis mit. Nach dem Dreh schreibt Jamie Lee Curtis an den Regisseur Steven Spielberg eine Mail. Sie sei so begeistert von Ana de Armas, er solle mal auf sie achten. Er bedankt sich höflich und schreibt zurück, er wisse schon Bescheid. Wahrscheinlich hatte er sie bereits getroffen und war bezaubert. Wie jeder, der mit Ana de Armas spricht. Weil man sich dieser Mischung zwischen beruflichem Ehrgeiz, schauspielerischem Können und kubanischer Freundlichkeit nur schwer entziehen kann.

Frau de Armas, Sie sind in Havanna geboren, zogen erst nach Spanien und dann nach Los Angeles. Brauchen Sie einen aufwendigen Lebensstil zum Glücklichsein?
Im Gegenteil! Dass ich auf Kuba groß geworden bin, sagt schon alles. Ich will jetzt gar nicht unbedingt als Erstes über mich sprechen, sondern Menschen zitieren, die mir von ihren Kuba-Reisen erzählt haben. Jeder von ihnen sagte, dass die Menschen dort nichts besitzen und alles teilen, dass sie unglaublich nett sind, den Fremdenführer spielen und ständig tanzen. Das ist für Fremde eine Offenbarung.

Aber um doch noch auf Sie zu kommen: Wie hat Sie das Leben dort geprägt?
Wenn man in einem Land wie Kuba aufwächst, wird man viel schneller erwachsen und lernt, was wirklich wichtig im Leben ist. Es gibt heute viele Leute, die sich über Dinge beschweren, die für mich absolut belanglos sind, weil ich weiß, worüber ich mir wirklich Sorgen machen sollte und was ich einfach sein lassen kann. Aus dem Grund weiß ich auch sehr zu schätzen, was ich habe.

»Wenn man in einem Land wie Kuba aufwächst, wird man viel schneller erwachsen und lernt, was wirklich wichtig im Leben ist. Aus dem Grund weiß ich auch sehr zu schätzen, was ich habe.«

Ana de Armas

Ihre Eltern besaßen keinen Fernseher. Welche Beziehung haben Sie heute zu moderner Technologie?
Es dauerte lange, bis ich mich an so etwas wie E-Mails gewöhnt habe. Man schickte mir Drehbücher digital und ich ließ sie mir ausdrucken, weil ich sie sonst nicht hätte lesen können – außerdem will ich mir immer darauf Notizen machen. Ein Smartphone brauche ich aber schon, erstens als GPS-Gerät, damit ich mich nicht verlaufe, und zweitens zum Übersetzen. Und wenn ich auf Kuba bin, mache ich damit Fotos. Auch für Musik ist es gut. Das sind aber die einzig wirklich nützlichen Funktionen für mich.

Auf Kuba verlaufen Sie sich vermutlich nicht.
Wo denken Sie hin? Das ist meine Heimat. Dort sind meine Eltern und viele meiner besten Freunde. Ich kenne meine Straßen und Lieblingsplätze, und wenn ich jemand sehen will, schaue ich einfach vorbei. Da musst du niemanden anrufen und dich anmelden. Das Leben hat einen viel besseren Flow.

»Ich kenne meine Straßen und Lieblingsplätze, und wenn ich jemand sehen will, schaue ich einfach vorbei. Da musst du niemanden anrufen und dich anmelden. Das Leben hat einen viel besseren Flow.«

Ana de Armas

Welche Erinnerungen an Kuba haben sich am stärksten eingeprägt?
Meine ganze Kindheit war einfach ein Traum. Ich wuchs in einem kleinen Küstenort in der Nähe von Havanna auf, es gab einen Strand mit lauter verrückten Felsformationen, über die ich barfuß gelaufen bin. Meine Mutter war ganz baff und fragte sich, wie ich das geschafft habe. Ich habe auch wunderbare Erinnerungen an meine Großmutter, die starb, als ich sehr jung war. Doch ich weiß noch ganz genau, wie sie gekocht hat. Bei ihr gab es nicht dieses klassische Essen nach dem Motto »Das ist das Protein, das sind Reis und Bohnen und das der Tomatensalat.« Stattdessen tischte sie immer riesig auf. Da gab es drei Salate und Croquetas und Tamales, fast zu viel für drei Leute.

Inzwischen wohnen Sie in Los Angeles. Was von der kubanischen Lebensart ist geblieben?
Ich bin ein Mensch, der gerne teilt, das hat sich nicht geändert. Ich veranstalte große Essen für meine Freunde. Ganz wichtig ist für mich auch, dass es in meinem Haus einen ordentlichen Luftzug gibt. Ich will den spüren. Deshalb lasse ich meine Tür ständig offen und musste auch schon ein Gitter kaufen, damit mein Hund nicht wegläuft. Aber das mit dem Zug ist eben eine kubanische Vorliebe. Manche Dinge kannst du nicht ändern, weil sie in deinem System verankert sind. Und ich brauche eben kleine Dinge, um glücklich zu sein – zum Beispiel, dass meine Tür offen steht.

»Manche Dinge kannst du nicht ändern, weil sie in deinem System verankert sind. Und ich brauche eben kleine Dinge, um glücklich zu sein – zum Beispiel, dass meine Tür offen steht.«

Ana de Armas

War es eigentlich schwierig, sich an Los Angeles zu gewöhnen, wo der Lebensstil ganz anders und die Lust am Einfachen nicht so ausgeprägt ist?
Am Anfang war es für mich ziemlich kompliziert, denn diese Stadt ist so riesig und voller Hektik. Alle rasen ständig von einem Ort zum anderen. Viele Leute geben sich für jemand anders aus, die Unterhaltungen sind meistens ziemlich oberflächlich, woran ich mich auch erst gewöhnen musste. Es ist schon komisch – wenn dich dort jemand fragt »Wie geht’s?«, erwartet man als Antwort »Gut, und wie geht’s Dir?«. Antwortet man aber mal ehrlich und sagt »Eigentlich läuft es bei mir ziemlich mies«, suchen gleich alle das Weite.

Sie hätten sich einen anderen Wohnort aussuchen können.
Das ging wegen meiner Karriere nicht. Lange Jahre kannte mich niemand, ich musste Vorsprechtermine absolvieren, mich den Leuten vorstellen und sagen, was ich will. Dazu musste ich körperlich anwesend sein. Das war entscheidend. Meine Stärken kann ich nur in der direkten Begegnung richtig vermitteln.

Sie haben auch viele Foto­shootings absolviert, wie haben Sie die empfunden?
Ich nehme solche Shootings nicht zu ernst, sondern will da einfach nur meinen Spaß haben. Ich verkleide mich mit schicken Klamotten – wenn ich Glück habe, kann ich vorher mitentscheiden, was ich anziehe. Im Idealfall kann ich zu dem Fotografen einen guten Draht aufbauen und wir liegen auf einer Wellenlänge. Vielleicht kommt dann ein Porträt heraus, das ich mir mein Lebtag lang aufheben kann. Aber wie gesagt, man sollte es nicht überbewerten.

Und wie kamen Sie letztlich mit der Stadt klar?
Indem ich mir einfach die richtigen Leute für mein persönliches Umfeld gesucht habe. Ich habe gute Freunde gefunden, musste hineinwachsen, das dauerte so seine Zeit, aber irgendwann fing ich an, mich in der Stadt wohlzufühlen. Wobei es durchaus sein kann, dass ich eines Tages wieder wegziehe. Vielleicht ist Los Angeles nur ein vorübergehender Wohnsitz.

»Los Angeles ist schon komisch– wenn dich jemand fragt ›Wie geht’s?‹, erwarten die Leute als Antwort ›Gut, und Dir?‹. Antwortet man aber ehrlich und sagt ›Eigentlich läuft es bei mir ziemlich mies‹, suchen gleich alle das Weite.«

Ana de Armas

Ihre Karriere hat sich dort auf jeden Fall rapide weiterentwickelt, Rollen im James Bond-Film »No Time to Die« inklusive. Wie sind Sie mit Daniel Craig zurechtgekommen?
Auf den ersten Blick wirkt er spröde. Ich hielt ihn sogar für etwas verklemmt, erlebte dann aber eine echte Überraschung: Er hat einen staubtrockenen Humor und arbeitet sehr hart. Craig ist jemand, der vielleicht müde ist, sich vielleicht auch vorher alle möglichen Knochen gebrochen hat, aber trotzdem volle Leistung bringt.

Mit dem Bond-Girl ist das Image des oberflächlichen Sexsymbols ver­bunden. Hatten Sie keine Bedenken, eine Klischee-Rolle zu übernehmen?
In diesem Fall traf das ja nicht zu. Ich durfte eine richtige, reale Frau spielen. Da zählten zwei Dinge: Intelligenz und Schönheit. Klar, es ist ein James Bond-Film, der hat bestimmte Gesetze, aber trotzdem ändern sich die Zeiten. Früher gab’s diese Bond-Girls, von denen man von vornherein wusste, dass sie an einem bestimmten Punkt der Handlung draufgehen. Aber das ist nicht mehr der Fall. Die Frauen in unserem Film sind Bond ebenbürtig, das sind nicht irgendwelche Ladies, die auf ihren Retter warten. Das finde ich persönlich auch viel interessanter.

Steckt in Ihnen noch dieses Mädchen, das tollkühn über die scharfen Felsen gesprungen ist?
(…)

→ Das gesamte Interview mit Ana de Armas lesen Sie exklusiv in der rampstyle #25!


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