Text: Matthias Mederer
Bild: Matthias Mederer
3 min

Gebaut für den Fahrspaß: der Aston Martin V12 Vantage S

Stell dir vor, ein Aston Martin Vantage V12 S, Handschalter, steht in der Tiefgarage. Du hältst den Schlüssel in der Hand, aber du zögerst. Wie lange hältst du es aus? Kommt auf's Auto an? In Wait A Second machen wir den Test.

ASTON MARTIN V12 VANTAGE S

Motor: Zwölfzylinder Hubraum: 5.935 ccm Leistung: 573 PS Max. Drehmoment: 620 Nm Beschleunigung 0-100 km/h: 3.9 s Vmax: 330 km/h

Wait A Second

  1. ASTON MARTIN V12 VANTAGE S Manual 1:23,77 MINUTEN

Das Dümmste, das man im Falle des Aston Martin V12 Vantage S in so einer Situation tun kann, ist sich die Fahrzeugdaten anzuschauen: V12, sechs Liter Hubraum, 573 PS, 620 Newtonmeter Drehmoment und ein manuelles 7-Ganggetriebe mit einem konventionellen Kupplungspedal. Zudem wird die Kraft direkt und ausschließlich über die Hinterachse freigegeben.

Dieses Auto wurde gebaut, einzig um dem Fahrspaß zu huldigen und vielleicht noch, um als Superagentenspezialvehikel bei der Rettung der Welt zu helfen. Aber dieses Auto wurde ganz sicher nicht dafür gebaut, um sich mit dem Schlüssel daneben zu stellen und abzuwarten, wie lange man es denn aushält!

Inspirationsquelle Aston Martin

Das Beste, das man im Falle des Aston Martin V12 Vantage S in so einer Situation tun kann, ist sich die Designlinie bewusst vor Augen zu führen. Denn das geht nun mal vom Fahrersitz aus nur sehr schwer, was in diesem speziellen Fall so schade ist, dass man sich streng genommen zwei identische Fahrzeuge kaufen und einen Freund bitten will, vor, neben oder ab und an auch mal hinter einem her zu fahren, um ja keinen Moment der Schönheit dieses Autos zu verpassen.

Dass sich solcherlei Gedanken beim Anblick eines Aston Martin aufdrängen, verwundert wenig, denn diese Art Autos üben eine sehr spezielle Form der Inspiration aus. Als in der Nachbarschaft mal ein silberfarbener DBS parkte, habe ich spontan bei meiner Krankenkasse angerufen und mich erkundigt, ob diese die Leasingraten für einen Aston Martin übernehmen, da dieser aufgrund seiner Fahrwerksabstimmung ideales Feedback gibt und sich dadurch Verspannungen im Nacken lösen.

Täglich 150 Kilometer über Landstraßen und Autobahn, so meine fachkundige Diagnose, und ich wäre geheilt. Die freundliche Frau am anderen Ende reagierte etwas überrascht, wollte dann aber von einer möglichen Heilung erst gar nicht sprechen. Es ginge in meinem Fall wohl eher darum, den Schaden möglichst gering zu halten. Mir war das gleich. Einen Aston Martin habe ich trotzdem nicht bekommen.

Ein Punk auf Rädern

Die Faszination, also das, was es so schwer macht, mit dem Schlüssel in der Hand einfach neben dem Auto zu stehen, geht bei diesem Aston Martin Vantage S vor allem von seiner Reduktion auf die grundlegenden Kernwerte des Fahrspaßes aus. Ein freisaugendes Zwölfzylinder-Kunstwerk als Antriebsquelle ist in Zeiten von Hybrid-Konstruktionen und Downsizing so exklusiv wie ein mechanisches Uhrwerk. Ein manueller Handschalter zur Fahrstufenregelung ist da nur konsequent und logisch. Motor vorne und Antrieb hinten sind zwei zusätzliche Wesensmerkmale, die den analogen Punk auf Rädern nur umso glaubwürdiger erscheinen lassen. Und dass sich mit diesem aufgrund der menschlichen Unzulänglichkeit beim Schalten nicht der technisch maximal schnellstmögliche Sprint auf Tempo 100 schaffen lässt? Geschenkt! Die Ausreizung der Maschine geht nicht zwangsläufig einher mit der Ausreizung des zu erlebenden Spaßes. Wer quer um die Ecke kommt, den interessiert die Rundenzeit meist herzlich wenig.Es ist dies wohl der ideale Zeitpunkt, um an meine Gesundheit zu denken und keine weitere Zeit mehr zu verlieren. Denn schon bald wird der Tag kommen, an dem dieser Aston Martin wieder abgeholt wird. Es wird ein trauriger Tag. Nicht nur für mich, sondern für die gesamte analoge Welt.

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