Text: Michael Petersen
Bild: Michael Petersen
3 min

Glemsers Gartenparty auf dem Hockenheimring

Der Gärtner Dieter Glemser erntete in seiner aktiven Zeit mit Vorliebe eines: Lorbeeren auf der Rennstrecke. Heute lädt der 79-Jährige zweimal im Jahr zum Speedday auf den Hockenheimring ein. ramp war dabei.

Wenn ein Gärtner seine Freunde zur Gartenparty lädt, denkt der Gartenfreund an einige beschauliche Sitzgelegenheiten im Schatten wohlgeformter Bäume zwischen einem wohltuend duftenden, bunten Blumenmeer. Hier und da ein Tischchen gefüllt mit ebenso vielfarbig arrangierten Speisen.

Im Falle von Dieter Glemser sieht das ein wenig anders aus. Sein Lieblingsgarten ist asphaltiert und liegt im Schatten wohlgeformter Tribünen. Es duftet wohltuend nach Gummiabrieb, und statt Amsel, Drossel, Fink und Star singen hier V12, V8 oder 6-Zylinder-Boxster ihr Lied. Hier und da blühen ein McLaren oder ein Lamborghini vor sich hin, gefüllt mit sorgfältig arrangierten Pferdestärken und Newtonmetern.

Was das Ganze soll? Es ist „Speedday“. So heißt die Party, die Dieter Glemser zweimal im Jahr – im August und im November – am Hockenheimring ausrichtet. Der gelernte Gärtner ist ein fachkundiger Gastgeber. Zu seiner aktiven Zeit gärtnerte er nicht nur im elterlichen Betrieb, sondern erntete vor allem eines: Lorbeeren auf den Rennstrecken dieser Welt. Glemser war Werksfahrer von Mercedes-Benz, Porsche und Ford. Er siegte auf Rallyepfaden und Rundstrecken, war Tourenwagen-Europameister 1971 auf Ford Capri. Sein Partner damals war ein gewisser Jackie Stewart. In Sachen Rundenzeiten fuhren der außerhalb des Cockpits stets bescheidene Schwabe und der damals amtierende Formel 1-Weltmeister auf demselben Niveau.

Zurück am Hockenheimring. In der Boxengasse tummelt sich ein Rudel McLaren umrahmt von mehreren Dutzend Ferrari, Porsche, Lamborghini. Gefahren wird erst unter Anleitung von Instruktoren wie dem aktuellen Sieger der 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps, Markus Winkelhock, dem zweifachen ADAC-GT Champion Sebastian Asch und dessen Vater Roland Asch, zweifacher Vize-Meister der DTM. Nicht zu vergessen der Chef, Dieter Glemser. Der fährt dem Feld voraus im McLaren 720s. Das sehr flott, auch mit 79.Der zweifache Le-Mans-Sieger Manuel Reuter war als Instruktor am Hockenheimring …… und steuerte den Mercedes SLS, der unter der Flagge der Laureus-Stiftung fuhr.

Wie es zum Speedday kam? »Ich miete die Strecke von Hockenheim an einem Tag im August und einem zweiten im November eines jeden Jahres«, sagt Glemser, »dann lade ich gute Freunde und Bekannte ein, die deren Freunde und Bekannte mitbringen können«. Alle eint eines, sie besitzen PS-starke Sportwagen. Glemser: »Schau, dass du ein gescheites Auto mitbringst, unter 500 PS stehst du bloß im Weg rum.«

An diesem Augustnachmittag haben sich 73 Sportwagen für Glemsers rasanten Nachmittag angemeldet. Fast alle erfüllen die 500-PS-Vorgabe. Die anderen, wie Jan Robert, unterwegs mit einem ansonsten auf Rallyepisten eingesetzten Dreier-BMW, gleichen mit sicht- wie hörbar hohem Kurveneinsatz manches von dem aus, was sie auf den Geraden verlieren. Dafür werden sie in den Boxen mit nach oben gerichteten Daumen empfangen.

Die schnellsten Runden drehen die Profis Sebastian Asch und Manuel Reuter in einer Rennversion des Mercedes SLS. Der Wagen fährt unter der Flagge der Laureus-Stiftung. Gegen eine Spende werden drei Runden auf dem heißen Sitz geboten. »Das Geld geht in die Förderung benachteiligter Kinder«, sagt Paul Schif, Director der Laureus Sport for Good Foundation.

Auch Jan Robert fährt mit. Sein Kommentar: »Brutal, bei so viel Grip würde mein BMW glatt auseinanderfallen.« Auf der längsten Geraden ist der Topspeed-Unterschied zwischen BMW und Mercedes SLS gar nicht so groß, so ungefähr 250 zu 220. »Aber ich wusste gar nicht, dass man so spät bremsen kann – so etwas ist mit nichts zu vergleichen«, hält er fest.

Warum Glemser den Speedday veranstaltet? »Einige Freunde von mir haben mich gebeten, ›Mensch Dieter, du kennst doch alle, kannst du uns nicht eine Gelegenheit schaffen, damit wir unsere Autos mal sportlich bewegen können?‹« Konnte er. Mit einem Slalom hat alles begonnen, dann wurde der Speedday immer beliebter. Warum die Leute kommen? Ein leicht verschwitzter Porsche-Fahrer fasst es kurz und knapp zusammen: »Weil es Spaß macht, halt.«

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