Go for Gold: mit der McLaren Elva in Monaco

Die Olympischen Spiele sind so gut wie vorbei – und damit die Jagd nach den begehrten Goldmedaillen. Nichts mitbekommen? Macht nichts, denn auf der Suche nach Edelmetall kann man auch eine Ausfahrt in den Seealpen rund um Monaco machen. In einer goldenen McLaren Elva und mit dem Spirit von James und Kimi.
Text Marko Knab
Bild Marko Knab · ramp.pictures

»Ich habe mich für Motorsport entschieden, weil ich da nicht so früh aufstehen muss.« Alles klar, Kimi. Ich schnaube schwitzend auf meine Knie abgestützt, der Mann am Check-in blickt mich amüsiert an. Es ist 13 Uhr hier in Frankfurt und ich habe schon mehr als sechs Stunden Reise hinter mir, inklusive Schneechaos mit kapitalem Stau, zwei ausgefallenen ICE und einem Schlusssprint. Keine zehn Minuten mehr, und das Flugzeug wäre ohne mich abgehoben. »Bwoah«, würde Kimi wohl sagen. Sonst aber nicht viel. Räikkönen war mal McLaren-Pilot, ich werde es morgen sein. Aber jetzt erst einmal durchschnaufen, bevor es zum McLaren Elva Media-Drive geht.

Ankunft in Monaco bei fast 20 Grad mitten im Februar. Am Casino. Das Objekt der Begierde ist bereits da. Gold! Große Klasse! Und dabei alles in allem doch elegant. Kurz gesagt: die Elva. Ihre Wurzeln sind dank Bruce McLaren neuseeländisch. Die Heimat? England. Und der Name? Dem Vernehmen nach Französisch. Denn »Elva« stammt vom Ausdruck »elle va« ab. Was so viel bedeutet wie: »Sie geht«. Wie gut sie geht, sollen wir morgen sehen. In den passenden Breiten sind wir ja definitiv unterwegs, gleichermaßen in Sachen Sprache und exklusivem Auftritt. Mein Guide und professioneller Pilot wird morgen Ralf Kelleners sein. Früher GT1-Racer und heute einfach eine coole Socke.

»Elva« stammt vom französischen Ausdruck »elle va« ab. Was so viel bedeutet wie: »Sie geht«. Wie gut sie geht, sollen wir morgen sehen. In den passenden Breiten sind wir ja definitiv unterwegs, gleichermaßen in Sachen Sprache und exklusivem Auftritt.

Am nächsten Morgen erwarten mich: 815 PS und keine Flügel, keine Scheibe, kein doppelter Boden. Ich backe mental lieber mal kleinere Brötchen. Das Hauptziel: Einfach das Auto ganz lassen, aber auch ein bisschen Spaß haben. Ich denke an James Hunt. »Hunt the Shunt«, wie ihn seine britischen Landsleute liebenswürdig-bissig nannten, kam in seiner Karriere nur einmal in Monaco ins Ziel. Den schrottigen Spitznamen? Hatte er aber tatsächlich nicht wegen der bescheidenen Bilanz aus sieben Starts und sechs Ausfällen im Fürstentum – vielmehr das ganze Auftreten und sein oftmals sehr gewagtes Fahren waren der Grund. Und eben die entsprechend teuren Konsequenzen für die Teams. Aber hey, wo gehobelt wird, da fallen eben Späne. Und bei Hunt fand sich irgendwo zwischen den Spänen am Ende auch der ganz große WM-Titel. Ein bisschen so wie bei Kimi, der die Weltmeisterschaft dann nach seiner McLaren-Zeit bei Ferrari holte – und dabei gegen zwei McLaren-Fahrer gewann. Verstanden hätten sich die beiden trotzdem sicher gut. Ihr ganz eigenes Ding haben sie ohnehin stets durchgezogen. Ganz ähnlich wie McLaren auch mit der Elva: Der Speedster ist definitiv nicht jedermanns Sache, so viel ist klar. Manche schimpfen, andere lobpreisen ihn. Und die Leute bei McLaren? Haben es gemacht, weil Sie es einfach können. Richtig so.

7:45 Uhr, wieder strahlende Sonne und wir gleiten auf das angenehm gepolsterte Carbon. Die Hände finden auf die wohlbekannten Positionen von neun und drei Uhr am Steuer. Das Lenkrad? Ist aber eigentlich kein Lenkrad, sondern eher ein Paar Boxhandschuhe. Die Finger krallen sich in die Vertiefungen hinter dem leicht ovalen Kranz – und schon geht es los. Der V8-Biturbo wummert: linker Haken, rechter Haken. Die 815 PS in der Schale aus Kohlefaser hämmern los, die sich um nicht mehr als die Räder und eben den Motor schmiegt. Nein, um den Fahrgastraum tut sie das nicht. Oder sollte man besser sagen: den Ring? Wenn mir jetzt gleich der Wind ins Gesicht schlagen sollte, bin ich eher so eine Art aerodynamischer Sparringspartner. Wir fahren los – und die Elva fängt an zu sprechen.

Selbstbewusst, vorlaut und bei all dem auch noch ziemlich leichtfüßig sind wir unterwegs. Die Drehzahl schnellt hoch, unmittelbar wird klar: Die Damen und Herren aus Woking sind absolut zurecht stolz auf dieses Fahrzeug – die Elva ist nämlich der leichteste McLaren der Neuzeit. Mit 1148 Kilogramm bringt sie weniger auf die Waage als der P1, aber auch weniger als der Senna. Die direkte Lenkung, kombiniert mit den Sportreifen, lässt den Wagen zielgenau um die Serpentinen carven – und dann? Packt der V8 zu. Ein doppelter Nierenhaken! Es rummst in den Rücken und die Elva marschiert noch brutaler los. Schmierender, aber gut kontrollierbarer Wheelspin, ein Power-Oversteer – es kracht aus dem vierfachen Auspuff, der Wind rauscht ungewohnt laut. Links, rechts, links! Alles fühlt sich verdammt intensiv an, so als wäre man selbst das Fahrzeug in den Elementen. Ein Boxkampf zum Fahren. Ein Auto wie Muhammad Ali: Float like a Butterfly, Sting like a bee!

Das Lenkrad? Ist eigentlich kein Lenkrad, sondern eher ein Paar Boxhandschuhe. Die Finger krallen sich angenehm in die Vertiefungen hinter dem leicht ovalen Kranz – und schon geht es los.

Ich halte an und lege die Boxhandschuhe ab, Ralf übernimmt. »Jetzt Du«, grinse ich. Er setzt noch die eigens für die Elva entwickelte Brille mit schusssicherem Glas auf. Was übrigens auch ein Begriff im Motorsport ist, wenn es um Zuverlässigkeit geht, zumindest bei den Briten. »Bulletproof« heißt das dann. Was bei Ralfs Fahrzeugen bei seinen Starts in Le Mans oft leider nicht der Fall war: 1997 muss er aus einem brennenden Porsche 911 GT1 springen, 1998 zerreißt es seinem Teamkollegen knapp eine Stunde vor Schluss das Getriebe des Toyota TS020 GT-One – beides Mal in Führung liegend. Zwei ziemlich gute Schüsse beim berühmtesten Langstreckenrennen der Welt, kein Treffer. Ralf? Lächelt heute trotzdem. Für uns geht es heute auch einfach darum, in Sachen Steinschlag sicher zu sein, schließlich hat die Elva keine Scheibe.

Ralf schaut kurz zu mir, lächelt zurück – und legt los. Und wie! Der V8 schnaubt, faucht los, es zischt zwischen den Felswänden, wir reiten einen wilden Schwarm Bienen. Und ich frage mich – mitten zwischen La Turbie und Monaco, irgendwo zwischen Geschwindigkeit und Rausch – warum mich heute eigentlich noch überhaupt kein Insekt getroffen hat. Bei den Geschwindigkeiten hier wäre wahrscheinlich nicht nur alles von Fliege bis zu Libelle Matsch, sondern ich danach auch einfach ausgeknockt. Dass das nicht passiert, haben wir dem AAMS zu verdanken – dem sogenannten Active Air Management System. Eine virtuelle Windschutzscheibe, produziert von einer Karbonplatte, die ab einer gewissen Geschwindigkeit hochfährt. Das hatte man mir tatsächlich sogar schon angepriesen. Im Eifer des Gefechts habe ich das aber vergessen. Plötzlich reißt es mir den Kopf nach vorne, dann nach links und es drückt mich wieder zurück auf die Kopfstütze. Ralf drückt aus einer Serpentine das Gas durch, der V8 röhrt und fegt die Gedanken aus dem Kopf. Entspannt rollen wir weiter in Richtung Monaco, ein Rennradfahrer hebt keuchend den Daumen und lacht. Wir nicken.

Vor dem Casino kommt die Elva zum Stehen und wir steigen aus. Ich denke still für mich: Dieses Auto würde sicher auch James und Kimi gefallen. Ganz nach dem Credo: »No Bullshit, just driving.« Bedächtig gehe ich die Treppen ins Hotel hinauf, drehe mich noch einmal kurz um und bin einfach nur froh, dass McLaren die Elva gebaut hat. Und dabei einen ganz eigenen Weg gegangen ist. So wie es echte Champions und Legenden eben machen.

Und dann ist da noch die Erkenntnis:
Ein Glück, dass ich im Gegensatz zu Kimi früh aufgestanden bin.


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