Good people drink good beer: Happy International Beer Day!

Vom Trend zur Tradition, von der Tradition zum Trend. Unter Individualisten braut sich etwas zusammen – nämlich individuell verfeinertes Bier. Und zum Tag des Bieres reisen wir von Hopfen-Hipstern bis hin zum traditionellen Brauhaus in Tschechien, genauer gesagt: nach Pilsen.
Text Alexander Morath
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Eines vorneweg: Einfach mal so sein eigenes Bier zu brauen, mag mit Blick auf die Zutatenliste nicht sonderlich schwer erscheinen, doch Obacht: Zum Bierbrauen braucht man neben reichlich Fantasie auch eine gesunde Portion Sorgfalt. Und das macht die Sache zur Kunst. Der Mensch erkannte das schon früh, sehr früh sogar. Mancher glaubt gar, dem Bier sei die Zivilisation zu verdanken, schließlich habe erst der Anbau des frühen Rausch-Getreides den Jäger und Sammler sesshaft werden lassen. Was zumindest jedem einleuchten dürfte, der schon mal mit einem anständigen Kater versucht hat, eine Wanderung zu machen.

Von da an war der Weg bereitet für das Bier, und es zog hinaus in die Welt. Heute bekommt man nahezu überall auf der Welt irgendein Bier. Und genau hier liegt die Krux. Denn irgendein Bier muss nicht unbedingt gut sein. Die Globalisierung brachte auch den Nachteil mit sich, dass das Bier immer mehr verwässerte. Um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, verloren die Biere zunehmend ihren individuellen Charakter. Vor allem in Amerika war dieses Phänomen sehr verbreitet. Kurzerhand begannen dort schon in den 1980er-Jahren Individualisten damit, ihr eigenes Bier zu brauen. Mit viel Liebe und Hingabe.

Credit: Benedikt Sugar, taken from »Barley & Hops«

Das war die Geburtsstunde von Craft-Bier. Mutige Biere von unabhängigen Brauern, die schlicht etwas Unverwechselbares und Schönes herstellen wollen. Und die kommen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, vom bierbegeisterten Käsehändler über den Studenten, vom Künstler bis hin zum Fernsehsprechanlageningenieur. Bekam der Mensch – vor allem in Bayern – auf seinen Wunsch nach einem Bier bisher vor allem ein Helles hingestellt, so bekommt er mittlerweile mehr und mehr die Gegenfrage: »Welches Bier darf’s denn sein?« Mögen ihm dann die Versionen Pilsener, Weizen, Altbier und Kellerbier oder gegebenenfalls sogar ein Kölsch noch geläufig sein, spätestens bei einem India Pale Ale bedarf es Mut zum Unbekannten. Noch individueller wird es dann bei Namen wie: Dubbel, Brown Ale, Märzen, Barley Wine, Porter, Imperial Stout oder Tripel. Da hilft im Grunde nur der Geheimtipp, dass zur Erdbeertorte eben gerade ein Helles besonders gut passt, um sich herauszureden.

BUCHTIPP: Sylvia Kopp: Das Craft-Bier Buch - die neue Braukultur. gestalten.

Die Szene der Hopfen-Hipster ist mittlerweile so weit gereift, dass sie ihre eigenen Stars hervorbringt. Wie Mikkel Borg Bjergsø aus Dänemark, der seine Erzeugnisse bis Tokio und San Francisco vertreibt und mit seinem Geschäft mehrere Millionen im Jahr einnimmt. Und mit ihm schließt sich dann auch wieder der Kreis vom Trend zur Tradition. Denn die Geschichte von ein paar überzeugten Individualisten, die beschließen, fortan ihr eigenes Bier zu brauen, ist zugleich auch die Geschichte einiger der traditionsreichsten Brauereien der Welt – wie der des Pilsener Urquell im tschechischen Pilsen zum Beispiel. Dort reagierten schon Anfang des 19. Jahrhunderts einige brauberechtigte Bürger auf die schlechte Bierqualität, indem sie ihr eigenes Bier brauten. Für die Herstellung nutzten sie den Saazer Hopfen aus den traditionellen Anbaugebieten in Nordböhmen. Der Rest ist Geschichte. Bis heute.

Tipp: Braukunst trifft Baukunst



In der unweit von Prag gelegenen Bierstube von Radegast kommt der Gast in den Genuss von traditionell hergestelltem Bier und einem Ambiente, das moderne Designzüge trägt.
Královická 300/6, 250 01 Brandýs nad Labem-Stará Boleslav, Czech Republic

pivnice-radegast.com


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