Howaito dē: Was wir an Japan lieben

Der 14. März ist der »White Day« (Howaito dē) in Japan, das Äquivalent zum westlichen Valentinstag. Ein guter Grund, dem Land der aufgehenden Sonne selbst eine Liebeserklärung zu widmen. Für sein gutes Design, seine Weisheiten, seine Autos … und überhaupt.
Text Marko Knab
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

War die Sache mit Japan eine Liebe auf den ersten Blick,? Eher nicht. Vielmehr war es »Koi No Yokan«. Das bedeutet zwar fast das Gleiche, ist aber viel schöner formuliert. Ins Deutsche übersetzt, beschreiben diese drei Worte nämlich die »Unumgänglichkeit, sich in jemanden zu verlieben«. Also keine Liebe auf den ersten Blick, aber das Wissen, dass man dem Gegenüber ausgesprochen wohlgesonnen sein wird. So ergeht es auch uns – dem Land selbst gegenüber. Hier unsere ganz persönliche Liebeserklärung anlässlich des »White Day«.

Gutes Design

Dem japanischen Design kommt in der Welt der Gestaltung eine ganz besondere Rolle zu. Zum Glück, muss man sagen: Wie wahrscheinlich niemandem sonst gelingt es den Japanerinnen und Japanern, in Sachen Design ihre eigenen historischen Einflüsse mit westlichen und modernen Strömungen zu kombinieren. Besonders beachtenswert dabei: die Überschneidungen mit dem Bauhausgedanken. Zurückgenommene Schönheit trifft auf Funktion – und Gefühl für das Material. Einfach, gut – und einfach gut. Wie beispielsweise Vitras Butterfly Stool aus der Feder von Sori Yanagi.

Vitra Butterfly Stool von Sori Yanagi. Credit: Vitra.

Gute Küche

Weltberühmt ist auch die japanische Küche, vor allem das »Sushi«, die traditionelle Art, rohen Fisch und andere feine Zutaten geschmackvoll zu verarbeiten. Ein Meister dieser Kunst ist Hiro Sakai – der auch hier in Deutschland, genauer gesagt in Frankfurt, ein Restaurant betreibt. Entstanden ist diese Art der Lebensmittelzubereitung übrigens in Südostasien entlang des Mekong. Dort nutzte man gekochten Reis in Gefäßen, um Fisch einzulegen und zu fermentieren. Über China breitete sich diese Küchenkunst bis nach Japan aus. Wurde der Fisch einst lange eingelegt und der Reis dadurch sauer, so isst man beides heute ohne zu warten und vor allem zusammen. Was Hiro Sakai dabei besonders schätzt? »Dass man im Grunde genommen nur ein gutes Messer und gute Zutaten braucht!«

Gute Automobile

Ein Ferrari-Killer, der von Ayrton Senna eingefahren wurde und die japanische Autowelt nachhaltig veränderte? Die Rede ist vom ikonischen Honda NSX, der Anfang der 1990er-Jahre für großes Aufsehen sorgte. Auch zuvor und danach ließen die japanischen Autohersteller immer wieder mit absoluten Traumwagen aufhorchen. Man denke nur an den Nissan GT-R, den 370 Z oder Toyotas GR Yaris – der jüngsten Spross einer legendären Ahnenreihe, die im Westen dem »Japanes Domestic Market« zugerechnet wird. Oder wie wissende Petrolheads sagen: JDM.

Weisheiten und Worte

Ähnlich wie beim Thema Design ist es auch bei der japanischen Sprache: Hier wird in wenigen Worten oft ein tiefgreifendes Gefühl intelligent und treffend ausgedrückt. So wie zum Beispiel »Wabi Sabi«: Dieser Begriff beschreibt den Gedanken, Schönheit in jedem Aspekt der Unvollkommenheit in der Natur zu finden. Schönheit findet sich dabei in allem – egal wie natürlich oder roh seine Form auch sein mag. Diese Weisheiten, aber auch die anderen Punkte in der Liste, sind Dinge, die man selbst einmal erfahren muss. Und sich daran erfreuen sollte. Wofür es wiederum einen treffenden Begriff gibt: »Ikigai«. Oder auf Deutsch übersetzt: »Das, wofür es sich zu leben lohnt«.


ramp shop


Letzte Beiträge

Alles in Ordnung: der Designer Otl Aicher

Die Olympischen Spiele in München 1972 und deren ganzheitlicher Ansatz in Sachen Design gelten bis heute als Otl Aichers Meisterwerk schlechthin – aber der gebürtig Ulmer war viel mehr – und vor allem von Moral und Ordnung geleitet. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.

Freitag, der 13.: Die Formel zum Glück

Zum ersten Mal dieses Jahr haben wir es mit einem Freitag, dem 13. zu tun. Ein guter Grund, sich am angeblichen Unglückstag die Formel fürs Glück nochmal vor Augen zu führen. Und die ist tatsächlich einfacher als gedacht, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht.

McLaren 765LT Spider: 24 Stunden, zwei Shootings – und ein Kilometerlimit

Wir beklagen uns nicht, in 24 Stunden 600 Kilometer in einem McLaren 765LT Spider fahren zu dürfen. Aber seien Sie versichert: Es gibt tatsächlich auch entspanntere Aktivitäten. Was aber nicht am Auto lag, sondern eher am Zeitplan und der Kilometerbeschränkung. Zum Tag des Odometers: die Kilometer-Chronik einer besonders dynamischen Produktion.

Deus Ex Machina: Café Racer Coolness

Der Glaube brachte schon immer besondere Orte hervor. Seitdem mit Deus Ex Machina der göttliche Funke aus der Maschine geschlüpft ist, klappt das auch mit der Lässigkeit. Weltweit an fünf Orten von Sydney bis L.A.