Hugh Jackman: Absolut echt

Es gibt nur wenige Schauspieler, die eine Ausstrahlung haben wie Hugh Jackman. Ungeachtet des Trubels um ihn herum wirkt der Australier auf erfrischende Weise offen und reflektiert. Und: heute feiert er seinen 54. Geburtstag. Wir gratulieren und erinnern uns an ein ausgesprochen gutes Gespräch mit dem Wolverine-Darsteller.
Text Rüdiger Sturm
Bild Trunk Archive

Was ist eine der ersten wichtigen Erfahrungen, die Ihr Leben geprägt hat?
Als ich jünger war, hatte ich ziemlich viele Ängste und fürchtete mich besonders vor Höhen. Und meine älteren Brüder zogen mich deshalb immer auf. Bei Sydney gab es eine Stelle an der Küste, von der man aus einer Höhe von zwanzig Metern ins Meer springen konnte. Als ich die Stelle zum ersten Mal sah, hatte ich wochenlang Bammel. Aber wenn ich gemeinsam mit meinen Brüdern etwas erleben wollte, musste ich damit klarkommen. Also tastete ich mich heran. Im Freibad unserer Schule gab es ein Einmeter-, ein Dreimeter- und ein Zehnmeter-Brett. Jeden Tag bin ich von einer größeren Höhe gesprungen, bis ich endlich so weit war.

Und danach waren Sie völlig angstfrei?
Oh nein, es gab noch einige andere Ängste. Zum Beispiel Singen – speziell in der Öffentlichkeit. Ich musste mich richtig überwinden, um in Musicals auftreten zu können. Einmal sollte ich bei einem großen Rugby-Pokalfinale die australische Nationalhymne singen, vor 100.000 Zuschauern. Es gab Sänger vor mir, die hatte man von der Bühne gebuht. Aber aus unerfindlichem Grund hatte ich mich dazu bereit erklärt. In der Nacht vor dem Auftritt bekam ich die einzige Panikattacke meines Lebens. Ich fragte mich: Warum mache ich das nur? Aber dann fing ich mich wieder und war um eine Erfahrung reicher.

»Ich musste mich früher richtig überwinden, um in Musicals auftreten zu können. Einmal sollte ich bei einem Rugby-Pokalfinale die Nationalhymne singen. Es gab Sänger vor mir, die hatte man von der Bühne gebuht.«

Hugh Jackman

Ist dieser Umgang mit Ihren Ängsten der Grund, weshalb Sie eine derart positive Ausstrahlung haben?
Täuschen Sie sich nicht. Es gibt vieles, was mich runterziehen kann. Letztlich ist meine gute Laune immer davon abhängig, wie gut es meinen Kindern geht. Aber ich versuche schon auch etwas für mein Glücksgefühl zu tun. Zwei Mal am Tag mache ich Transzendentale Meditation. Ohne die würde ich aus der Spur kommen. Aber mit ihr kann ich mich sozusagen mit meinem seelischen Energiezentrum verbinden. Das hat mein Leben verändert. Abgesehen davon treibe ich jeden Tag Sport, ohne den würde ich mich innerlich leer fühlen. Und ich versuche eben, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Und zwar so richtig. Wenn ich nicht arbeite, dann schalte ich meinen Computer und mein Handy aus und widme mich nur ihnen.

Inwieweit hat Meditation Ihr Leben verändert?
Früher war ich gelegentlich überfordert. Ich habe mir selbst nicht genügend vertraut. Und mit dieser Technik kann ich viel besser mit Menschen und Situationen umgehen. Ich fühle mich den Leuten mehr verbunden. Ich sehe die Welt klarer und ich bin auch viel effizienter. Das heißt, ich bekomme doppelt so viel erledigt wie früher. Gleichzeitig spüre ich nicht mehr diesen Druck »Ich muss, muss, muss«, sondern fühle mehr inneren Frieden. Gerade in der hektischen Welt, in der wir leben, musst du mit dir im Einklang sein und wissen, worauf es wirklich ankommt. Und dank der Meditation kann ich das. Ich  weiß, was echt ist – während es in der Branche,»Mein Vater hat mich zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. Er hat alles für mich geopfert.« in der ich mich bewege, unzählige ­Illusionen gibt.

»Ich versuche, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Und zwar so richtig. Wenn ich nicht arbeite, dann schalte ich meinen Computer und mein Handy aus und widme mich nur ihnen.«

Hugh Jackman

Aber Sie werden doch sicher auch mal wütend?
Klar.

Wie kann man sich das vorstellen?
Ich werde dann besonders ruhig. Meine Kinder haben begriffen, dass ich es dann ernst meine. Seine Stimme zu erheben bringt nicht viel. Ich habe das letztlich von meinem Vater gelernt. Der schrie nie. Aber wenn er von der Arbeit nach Hause kam und ganz still war, machte ich mir richtig Sorgen: Was ist los? Was hat er?





HUGH JACKMAN wurde am 12. Oktober 1968 im australischen Sydney geboren. Nachdem er sich zunächst vor allem als Musicaldarsteller etablierte, startete er 2000 mit »X-Men« seine Hollywoodkarriere. Die Superheldenrolle des Wolverine spielte er zuletzt 2017 in »Logan«. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen außerdem »Prestige – Die Meister der Magie«, »Les Misérables«, der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte, und »Greatest Showman«. Jackman ist auch regelmäßig auf dem Broadway zu sehen. Sein jüngster Film ist »Reminiscence«. Er ist seit 1996 verheiratet und hat zwei Kinder.



Ihre Eltern ließen sich scheiden, als Sie acht waren, und ihre Mutter zog nach England, während Sie bei Ihrem Vater in Australien blieben. Wie hat Sie das beeinträchtigt?
Kein Mensch ist mit seiner Erziehung komplett glücklich. Aber meine Eltern haben mich geliebt und ich sie. Kein Mensch ist perfekt, jeder hat seine Probleme. Als Kind musst du nur wissen, dass du für deine Eltern die oberste Priorität hast, selbst wenn die Ehe scheitert. Dann kommst du mit der Situation klar. Und wenn du dann erwachsen wirst und deine ersten Beziehungen den Bach hinuntergehen, begreifst du endgültig, dass deine Eltern keine Superhelden sind. Wie gesagt, Hauptsache, du wirst geliebt. Ein Freund von mir ist ein bekannter englischer Kinderpsychologe, und ich habe ihn gefragt: »Machen wir in der Erziehung unserer Kinder etwas falsch?« Und er meinte nur: »Ihr verkompliziert das viel zu sehr. Liebt eure Kinder und gebt ihnen genügend zu essen, das reicht.«

Sie nannten Ihren Vater immer wieder ihren »Helden«. Was genau verbinden Sie mit dieser Bezeichnung?
Mein Vater hat mich zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. Er opferte alles für mich und vermittelte mir (…)

→ Lesen Sie das gesamte Interview mit Hugh Jackman in der rampstyle #23.


ramp shop


Letzte Beiträge

What’s popping, Stuttgart: ramp zu Gast bei STARTCOLLECTIONS

Am Samstag, den 3. Dezember 2022 öffnet im Dorotheenquartier für einen Tag die Pop-Up-Galerie von STARTCOLLECTIONS – ramp ist zu Gast und stellt mehrere Bilder zur Verfügung. Alle Infos rund um das Event? Lesen Sie hier.

Future in Motion

Eine Fotografin. Ein Designer. Ein Auto, das die Zukunft mit der Vergangenheit verbindet. Klingt wie Science Fiction, ist es aber nicht. Ein Gespräch mit der Star-Modefotografin Esther Haase und Eduardo Ramírez, Head of Exterior Design im Hyundai Design Center Europe, über Nachhaltigkeit, das Gefühl, zu Hause zu sein und wirklich fortschrittliche Technologie.

Lamborghini Huracán Sterrato: der Rock-Star auf der Art Basel Miami

Im Rahmen der renommierten Kunst- & Designmesse »Art Basel« in Miami hat Lamborghini den Offroad-Supersportler »Huracán Sterrato« vorgestellt. Mit bewährtem V10-Motor und bekanntem Allradantrieb, aber vor allem mehr Bodenfreiheit – und ja, auch einer Dachreling. Wir schauen uns die wichtigsten Features an.

Car Wash: Audi-Chefdesigner Marc Lichte im Gespräch mit Michael Köckritz

Als Marc Lichte im Teenager-Alter den legendären Audi Sport quattro sah, war es um ihn geschehen. Gewaschen wird heute aber der von ihm entworfene Audi e-tron GT, währenddessen es im Gespräch unter anderem um den Audi der Zukunft geht. Und um die Schwierigkeit, Autoscheiben richtig sauber zu bekommen.