Jo Stenuit: »Alles ist miteinander verbunden!«

Warum lässt sich die Mentalität der Belgier so wunderbar mit der in Japan in Einklang bringen? Und was hat das mit laut und leise zu tun? Sagen wir so viel: Es geht um das Kleine, das Große – und ums Design. Zu Besuch bei Jo Stenuit, Design Director bei Mazda Europe.
Text Alfred Rzyski
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

»Ich habe im Leben schon viele Sachen gemacht, ohne zu viel nachzudenken«, sagt Jo Stenuit. Zum Glück – sagen wir. Denn sonst wäre das Gespräch während des Besuchs beim Design Director Mazda Europe für ramp #55 nicht halb so interessant gewesen, wie es jetzt ist. Wie wir das meinen? Stenuit ist seit gut 25 Jahren als Designer in der Automobilbranche tätig, davon alleine 23 Jahre bei Mazda. Er ist zum japanischen Hersteller gewechselt, als das viele als Risiko sahen. Er nicht. Es hat sich ausgezahlt. Als Designer feierte Stenuit bei Mazda große Erfolge. Und menschlich passt es für ihn in Japan sowieso.

Wie sich das auswirkt, erklärt er an einem Beispiel: Um in Deutschland richtig anzukommen, brauchte der Belgier laut eigener Aussage drei Jahre. In Japan waren das nur drei Monate. »Einfach weil die Leute dort offen sind«, erklärt er. Um es zu präzisieren: In Europa stehe der Einzelne im Fokus, in Japan das Team. Was ihm selbst entgegen komme – weil er wie die Japaner eher leiser sei: »Wir Belgier sind die hart arbeitenden Jungs im Hintergrund.«

Und dann ist da noch eine Erkenntnis: »Design ist sehr stark von der Kultur und Geschichte eines Landes abhängig.«

Dass Lernbereitschaft bei diesem Spagat zwischen den Kulturen hilfreich ist, erkannte Stenuit schnell. Zum Beispiel, als er mit Experten aus dem Marketing die Visual Identity festlegen sollte. Alles fing an mit der Schrift, nicht dem großen Ganzen, wie er das bevorzugt hätte. »Ich fand das ein bisschen merkwürdig, warum sollen wir nicht erst über das Große reden und dann über die kleinen Sachen? Aber das funktionierte sehr gut«, gesteht er ein. Denn: »Durch diese Gespräche kam man auf die großen Themen.« Genau die gehören nämlich auch zu seiner Arbeit: Stenuit ist inzwischen auch bei Fotoshootings und der Gestaltung von Showrooms eingebunden. Was dann auch wieder mit dem eigenen Anspruch zusammenhängt, als Marke »anders« zu sein.

Wie Mazda das erreicht, verrät er im Interview mit Chefredakteur Michael Köckritz – aber auch, warum das japanische Design von Mazda sowohl in Europa und den USA ankommt. Und seinen Koch, Hiro Sakai, lernen wir ebenfalls kennen.


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