Posthumer Weltmeister: eine Verneigung vor Jochen Rindt

Jochen Rindt starb am 5. September 1970 in Monza, kurz vor halb vier. Sein einziger Konkurrent um den Titel, Jacky Ickx, schaffte es in den letzten drei Rennen der Saison nicht mehr, den Punkterückstand auf den Toten aufzuholen. Jochen Rindt bleibt bis heute einziger posthumer Weltmeister in der Formel-1-Geschichte.
Text Kurt Molzer
Bild Motorsport Images

Zentralfriedhof, Graz. Schräg gegenüber des k. u. k.-Oberst Fritz Balling, Besitzer des Eisernen Kreuzes II. Klasse (gefallen im Ersten Weltkrieg in Galizien), ruht ein Rennfahrer, der nie erfahren durfte, dass sein größter Lebenstraum in Erfüllung gegangen war: Formel-1-Weltmeister zu werden. Jochen Rindt starb am 5. September 1970 in Monza, kurz vor halb vier. Sein einziger Konkurrent um den Titel, Jacky Ickx, schaffte es in den letzten drei Rennen der Saison nicht mehr, den Punkterückstand auf den Toten aufzuholen. Jochen Rindt bleibt bis heute einziger posthumer Weltmeister in der Formel-1-Geschichte. Sein Grab sieht aus wie der Hinkelstein von Obelix. Darauf steht in Großbuchstaben geschrieben: JOCHEN RINDT GEB. 1942 GEST. 1970, GRAND PRIX WELTMEISTER 1970. Hinter dem Grab befindet sich die Friedhofsgärtnerei. Rechts von Rindt liegt der Volksschauspieler Rudolf Carl (1899–1987) begraben, der an der Seite von Hans Moser in vielen kleineren Rollen zu sehen war. Mehr als 30 000 Menschen gaben Jochen Rindt, dem Mann mit der Boxernase, der einen deutschen Pass besaß und mit österreichischer Lizenz fuhr, die letzte Ehre. Niemals zuvor – und auch nie danach – waren bei der Beerdigung eines Rennfahrers so viele Kollegen anwesend, die wenig später selbst ihre Sterbesakramente empfingen: Pedro Rodriguez, Francois Cevert, Jo Siffert, Joakim Bonnier usw. Jochen Rindt raste mit düsteren Vorahnungen ins Grab. Über sein Auto, den Lotus 72, sagte er: »Entweder ich sterbe in diesem Auto, oder ich werde damit Weltmeister.« Beides trat ein, im selben Jahr – darauf wäre der beste Drehbuchautor nicht gekommen. Es geschah im Abschlusstraining: Beim Anbremsen auf die Parabolica brach eine Bremswelle. Jochen Rindt hatte sich bei seinem Teamchef Colin Chapman immer darüber beschwert, dass die Bremswellen zu dünn seien. Nach dem Einschlag in die Leitplanken und mehreren Pirouetten kam der Lotus neben der Strecke zum Stillstand. Rindts Beine ragten da bereits leblos aus dem Wrack. Ein gewisser Bernie Ecclestone, damals Manager von Jochen Rindt, brachte den blutverschmierten Helm zurück an die Boxen. Nina, Jochens Frau, stand dort in Tränen aufgelöst. Als sie den blutigen Helm sah, fing sie an zu schreien: »Ihr seid geisteskrank, ihr seid doch alle geisteskrank!«


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