Just Us Two: Chris Colls & Alexandra Agoston

Ein ehemaliges Atelier im New Yorker Stadtteil SoHo. Gut zwei Jahre ist es her, dass Fotograf Chris Colls und seine Freundin, das Model Alexandra Agoston, dieses Loft fanden. Wer sich hier umsieht und mit dem derzeit angesagtesten Kreativ-Paar spricht, spürt sofort, welche Bedeutung Stil, Ästhetik und Design für die beiden haben. Prima.
Text Michael Köckritz
Bild Chris Colls

Man könnte schon sagen, dass Chris Colls und Alexandra Agoston einen weiten Weg zurückgelegt haben. Was schlicht und ergreifend daran liegt, dass der Fotograf und das Topmodel beide aus Australien stammen. Colls nahm das erste Mal eine Kamera zur Hand, als er 16 war, heute fotografiert er für große Kunden wie Moncler, zuletzt deren Winter-Kampagne, und die Anzahl der Cover, die er für die »Vogue« fotografierte, zählen wir jetzt nicht nach, es waren einfach sehr viele. Alexandra Agoston wiederum stammt aus Sydney und machte mit ihren Eltern Urlaub in Paris, wo sie von einem Modelscout entdeckt wurde. Es folgte eine beeindruckende Karriere als Model, außerdem galt die 34-Jährige als Muse von Jean Paul Gaultier. Gemeinsam haben wir die beiden dann nicht in ihrem sensationellen Loft in New York erwischt, sondern in Paris – aber lesen Sie selbst.

Mister Colls, Miss Agoston, wo erwischen wir Sie gerade?
Chris Colls: Paris! Wir haben hier ein Shooting für Saint Laurent.
Alexandra Agoston: Außerdem sind wir dabei, unser Buch fertigzustellen, für das wir zusammen fotografiert haben.

Können Sie einen Satz zu Ihrer Person sagen, Mister Colls?
Colls: Ich wurde auf einer Farm in Australien geboren und habe mich schon sehr früh für Fotografie interessiert. Ich konnte wirklich an nichts anderes denken, und das hat sich bis heute kaum geändert.

Hatten Sie auch Vorbilder?
Colls: Wie gesagt war ich noch sehr jung, als ich meine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte, ein Teenager. Ich habe dann Arbeiten von Richard Avedon, Edward Weston oder Helmut Newton entdeckt und war von diesen großen Talenten schwer beeindruckt.

Na ja, es gibt Menschen, die schon kritisieren, dass durch die Verbreitung der Sozialen Medien inzwischen jeder ein Fotograf oder eine Fotografin ist. Empfinden Sie das nicht als Fluch?
Colls: Nein, das würde ich so nicht sagen, zumal es auf der anderen Seite vielen talentierten Künstlern die Möglichkeit gab, überhaupt wahrgenommen zu werden. Insofern halte ich es für eine positive Entwicklung.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Colls: Vielleicht als intim und minimalistisch.

Möchten Sie mit Ihren Arbeiten dem Betrachter etwas vermitteln oder liegt die Kunst im Auge des Betrachters?
Colls: Ich würde die Frage mal so beantworten, indem ich nur sage, was mir sehr wichtig ist und was man vielleicht auf meinen Fotos sehen kann: Ich liebe echte Intimität und Stärke.

»Wir lassen uns von den Ansichten und der Arbeit des anderen inspirieren, und unser Privatleben fühlt sich wie eine intimere Erweiterung dieser Welt an.«



Alexandra Agoston

Was treibt Sie an?
Colls: Kreativität! Ich bin wirklich besessen davon, es gibt mir einfach den größten Kick.
Agoston: Ich bin sehr von der Natur und der menschlichen Form inspiriert und arbeite derzeit an einer Reihe von abstrakten Gemälden und Zeichnungen. Mich kreativ auszudrücken, das ist etwas, was mein Leben mit Sinn erfüllt. Und diese Verbindung zwischen Kreativität und Sinn, die möchte ich mit den Menschen, die ich liebe, teilen.

Nun wird Kreativität auch monetarisiert, das heißt, es geht oft ums Geschäft, ist sehr rational. Wie gehen Sie damit um?
Colls: Ach, da bin ich eigentlich ganz entspannt und sehe es als Herausforderung. Im Übrigen soll man nicht glauben, dass diese Rationalität nur für die Werbefotografie gilt, das ist genauso bei Geschichten, die man für Magazine fotografiert. Aber wie gesagt, ich habe damit keine Probleme, im Gegenteil.

Was ist für Sie bei Ihrer Arbeit wichtig?
Colls: Ich denke, das Wichtigste ist, es nicht als Job zu sehen, sondern eher als Privileg, frei arbeiten zu können und kreativ zu sein. Zum Arbeiten gehört auch eine gewisse Leichtigkeit, allerdings würde ich auch immer betonen, dass aus schwierigen Situationen etwas Großartiges entstehen kann. Das ist ja nicht nur bei der Arbeit so, das lässt sich auch auf das Private übertragen.

Wie prägt Ihr beruflicher Blick als Fotograf bzw. als Model Ihre ästhetische Wahrnehmung?
Agoston: Die Arbeit als Fotomodell sorgt dafür, dass man sich zwei Dinge sehr bewusst macht: zum einen ist es die eigene Körperlichkeit vor der Kamera, zum anderen die Energie des Raums, in dem man sich aufhält. Man muss instinktiv arbeiten, sich ständig an seine Umgebung anpassen, das Konzept des Shootings und die Stimmung des Teams, mit dem man arbeitet, interpretieren. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mit so vielen unglaublichen Künstlern zusammenarbeiten kann. Und natürlich ist meine persönliche Ästhetik sehr stark von meiner Karriere in der Modebranche inspiriert. Ich habe gleich zu Beginn mit der Designerin Rei Kawakubo von Comme des Garçon gearbeitet, mit John Galliano, das war damals bei Dior, und mit Jean Paul Gaultier. Das ist natürlich ein wahnsinnig großes Privileg, mit solchen Menschen arbeiten zu dürfen und diese Talente während des Designprozesses zu erleben. Es war dann auch deren unbeirrte Hingabe an ihre Vision, die mein Verständnis von Kreativität geprägt hat.
Colls: Ich bin jemand, der ständig auf der Suche nach etwas Unbekanntem ist und sich wirklich alles ansieht. Ich bin der Ansicht, dass sich meine ästhetische Wahrnehmung, wenn man das so nennen will, ständig weiterentwickelt.

Wie spiegelt sich diese Auffassung von Ästhetik, oder diese Wahrnehmung, im Privatleben von Ihnen beiden wider?
Agoston: Ich glaube, wir beide haben ein starkes Gespür für das, was wir kreativ sehen. Wir lassen uns von den Ansichten und der Arbeit des anderen inspirieren, und unser Privatleben fühlt sich wie eine intimere Erweiterung dieser Welt an.

Wie würden Sie Stil und Klasse beschreiben?
Agoston: Stil und Klasse haben in erster Linie etwas mit einem starken Selbstbewusstsein zu tun, damit, dass man ein unabhängiger Geist ist. Modisch würde ich die Frage so beantworten, dass man eine kleine Kollektion perfekter Essentials im Schrank hängen hat, die man immer wieder trägt.

… und Ihren persönlichen Stil?
Colls: Ich würde die Schlagworte Einfachheit und Understatement benutzen.
Agoston: Nun, es ist eine Mischung aus Orten, an denen ich gelebt habe: Es sind die Straßen von New York, es ist eine klassische französische Leichtigkeit, und dazu kommt ein entspannter australischer Stil. Ich liebe es außerdem, Männersachen zu tragen. Und wenn ich einmal etwas gefunden habe, das sich richtig anfühlt und wirklich gut passt, behalte ich es für immer.

(…)

→ Das gesamte Interview mit Chris Colls & Alexandra Agoston lesen Sie exklusiv in der rampstyle #26!

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