Kawasaki Z H2 und Corvette C7 ZR1: Warum wir den Kompressor lieben

Vergessen wir mal kurz den ganzen Hype um alternative Antriebe und erinnern uns an eine inzwischen fast hundert Jahre alte Technologie, die einst Zuverlässigkeit, Freiheit und Männlichkeit verkörperte: den Kompressor. Schön anschaulich am Beispiel einer Kawasaki Z H2 und einer Corvette C7 ZR1.
Text Natalie Diedrichs
Bild Maximilián Balázs · ramp.pictures

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ACHTUNG: Der folgende Artikel ist nicht für Personen geeignet, die PS-starke zwei- und vierrädrige Kraftfahrzeuge ohne Hybrid-, Mildhybrid-, Plugin-Hybrid-, Elektro-, oder Wasserstoffsystem kategorisch ablehnen oder verunglimpfen. Die hier dargestellten Inhalte befassen sich mit den Themengebieten Verbrennungsmotor, V8-Sound, Reifenqualm und Leistungssteigerung durch Aufladung. Ihr Konsum erfolgt auf eigene Gefahr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Viele Automobil- und Motorradenthusiasten würden auf die Frage »Was ist besser als viel Leistung?« spontan die Antwort »Noch mehr Leistung« erwidern. Natürlich nur flüsternd und mit vorgehaltener Hand, weil man so etwas heutzutage ja heute gar nicht mehr offen zugeben darf. Jedenfalls dachten sich das wohl auch die Ingenieure bei Chevrolet und Kawasaki, als sie damals die Lastenhefte für die Modelle C7 ZR1 und Z H2 geschrieben haben. Denn abgesehen von den recht ähnlich klingenden Namen haben der Sportwagen und das Naked Bike eine weitere bedeutende Gemeinsamkeit: Sie beide sind supercharged, sprich, ihre Motoren profitieren von einer Leistungssteigerung durch Kompressor-Aufladung. Eine Technologie, die so wunderbar wie ineffizient ist und daher heutzutage nur noch selten verbaut wird – im Gegensatz zum massentauglichen Turbolader. Schade eigentlich.

Abgesehen von den recht ähnlich klingenden Namen haben der Sportwagen und das Naked Bike eine weitere bedeutende Gemeinsamkeit: Sie beide sind supercharged, sprich, ihre Motoren profitieren von einer Leistungssteigerung durch Kompressor-Aufladung.

Umso erfreulicher, dass manche Hersteller trotzdem an diesem Konzept festhalten, wie eben Chevrolet und Kawasaki. Für uns Grund genug, um nochmal kurz die technischen und emotionalen Vorzüge eines Kompressors zusammenzufassen:

1. Er powert sofort.
Kurzer Technik-Exkurs: Das Grundprinzip der Motorenaufladung basiert auf der Leistungssteigerung von Verbrennungsmotoren durch erhöhte Luftzufuhr. Im Gegensatz zum Abgasturbolader funktioniert der Kompressor mechanisch: Eine Kurbelwelle treibt seine synchronisierten Rotoren an. Faktoren wie Druck und Abgastemperatur spielen für ihn also keine Rolle – statt Turbo-Loch feiert er also schon bei niedrigen Drehzahlen eine PS-Party.

2. Er hat eine lange Tradition.
Länger als so mancher denken mag. Bereits im Jahr 1921 stellte Mercedes mit den Modellen 6/25/40 hp und 10/40/65 die ersten Serienfahrzeuge mit Kompressor-Aufladung vor. Die darin verbaute Technik basierte auf dem Prinzip, das sich der Amerikaner Francis Marion Roots sogar schon 1860 hat patentieren ließen – damals allerdings für die Effizienzsteigerung von Hochöfen.

3. Er klingt…
Aufregend. Anregend. Sinnlich. Reizvoll. Attraktiv. Antörnend. Erotisch. Sexy. Es gibt unendlich viele Adjektive, mit denen sich das Zischen, das Heulen, das Zwitschern eines Kompressor-Motors beschreiben lässt. Vermutlich wird ihm aber keines so ganz gerecht, vor allem nicht, wenn es sich im Falle der Corvette um einen 6,2 Liter V8-Motor beziehungsweise im Falle der Kawasaki um einen 1,0 Liter Vierzylinder handelt. Wie auch immer man die Geräuschkulisse umschreiben mag – wohlige Schauer und Gänsehaut beim Gasgeben sind inklusive. Tipp: Wer im echten Leben noch nie in den Genuss kam, einen Kompressor zu hören, dem empfehlen wir die »BEST SUPERCHARGER Whine Compilation« auf YouTube.

Aufregend. Anregend. Sinnlich. Reizvoll. Attraktiv. Antörnend. Erotisch. Sexy. Es gibt unendlich viele Adjektive, mit denen sich das Zischen, das Heulen, das Zwitschern eines Kompressor-Motors beschreiben lässt.

4. Er macht männlich.
Um es mit den Worten des amerikanischen Autojournalisten David Freiburger (»Roadkill«) zu sagen: »Egal, wie dünn deine Ärmchen sind, egal, wie unbeliebt du in der Schule und bei den Frauen warst – hast du einen Kompressor, bist du einfach cool.« Diese Angaben sind natürlich ohne Gewähr und hängen vom Einzelfall ab.

5. Er vermittelt Freiheit.
Kompressoren und Kompressor-Nachrüstungen erfreuen sich vor allem im amerikanischen Raum an großer Beliebtheit, gerne in Verbindung mit klassisch-traditionellen Musclecars. Sie gelten als Sinnbild für das »gute, alte« Amerika, ein Land mit unbegrenzten Möglichkeiten und noch unbegrenzteren Highways, die schnurgerade Richtung Horizont verlaufen. Der Kompressor – nicht nur ein fahrendes Kraftpaket mit serienmäßigem Testosteron-Overboost, sondern auch ein Freiheitsbringer und Kopffreimacher, der den ganzen Stress drum herum einfach übertönt.

Technische Daten

Kawasaki Z H2

Motor: Vierzylinder-Kompressor
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW)
Drehmoment: 137 Nm bei 8.500 U/min
0 – 100 km/h: 2.9 s
Vmax: 272 km/h

Chevrolet Corvette C7 ZR1 (via Geigercars)

Motor: V8-Kompressor
Hubraum: 6.162 ccm
Leistung: 766 PS (563 kW)
Drehmoment: 969 Nm bei 6.300 U/min
0 – 100 km/h: 3.0 s
Vmax: 342 km/h


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