Keine halben Sachen: Ken Duken

Ken Duken hat in über neunzig Filmen mitgespielt, arbeitet als Regisseur 
und freier Produzent, läuft Marathon, brennt für Brazilian Jiu Jitsu, ist Markenbotschafter – und er ist jemand, der im Gespräch schnell bei den ganz großen Themen ist. Nach seinem Kleidungsstil haben wir den 42-Jährigen trotzdem gefragt.
Text Wiebke Brauer
Bild David Breun

Herr Duken, was macht einen guten Mann aus Ihrer Sicht aus?
Ken Duken: Das hört sich abgedroschen an, aber: er selber sein. Grundsätzlich muss man sich auch fragen, ob spezielle Eigenschaften oder Verhaltensweisen wirklich einen Mann ausmachen – oder nicht eher einen Menschen. Für mich stellt sich die Frage, ob es so etwas wie ein Männer- oder Frauenbild wirklich gibt. Sind wir nicht ein bisschen weiter, können wir nicht einfach jemanden in seiner Individualität betrachten? Natürlich ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau, aber ich habe nie das Gefühl gehabt, dass Gleichberechtigung das Ziel hat, Menschen gleichzuschalten. Sondern vielmehr, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, egal in welcher Konstellation. Ich glaube, mit dieser Einstellung kommt man ganz gut in der Welt zurecht.

Sie haben sehr klare Ansichten. Wie unangepasst darf man sein?
Ich befürworte den Ansatz, gegen das Bestehende vorzugehen und zu versuchen, eine Veränderung herzuleiten. Was man ja auch an den vielen Demonstrationen hierzulande sieht – die mal mehr, mal weniger sinnvoll sind. Aber in jedem Fall ist die Freiheit, auf die Straße zu gehen und zu sagen, was man denkt, ein wertvolles Gut. Es ist eine Freiheit, die nicht in jedem Land gegeben ist. Ich glaube auch, dass man sich mit der Verhältnismäßigkeit in der Welt auseinandersetzen und sagen muss, dass jeder auf seine Weise rebelliert. Weil Rebellion auch viel mit Prägung und Erziehung zu tun hat. Unsere Gesellschaft zum Beispiel definiert sich mehrheitlich durch Individualisierung und durch den Konsum. Der schreibt uns beispielsweise vor, dass wir cool sind, wenn wir ein bestimmtes Produkt besitzen. Als Folge kauft man sündhaft teure Sachen, um irgendwelche Leute zu beeindrucken, die man sowieso nicht mag.

»Je eher ich mir erlaube, Fehler zu machen, und je mehr ich damit klarkomme, nicht das erreicht zu haben, was ich erreichen wollte, desto freier fühle ich mich.«

Ken Duken

Man erlebt Sie als eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit. Wer ist Ken Duken?
Selbstbewusstsein verbindet sich bei mir wahrscheinlich mit Nachdenklichkeit und Reflexion. Ich stelle schon viel infrage, immer wieder. Und ich bin nicht in dem Sinne selbstbewusst, dass ich auftrete und sage: »Ich bin, ich kann, ich will!« Sicherlich macht das auch einen Teil von mir aus, wichtiger ist aber, dass ich aus einer Generation oder Gedankenwelt komme, die erlaubt zu sagen: »Wer A sagt, muss nicht B sagen – ich kann auch einsehen, dass B falsch ist.« Je eher ich mir erlaube, Fehler zu machen, und je mehr ich damit klarkomme, nicht das erreicht zu haben, was ich erreichen wollte, desto freier fühle ich mich. Wenn man Leute beeindrucken oder etwas erreichen will, gerät man schnell unter Druck, funktionieren zu müssen – und kann eigentlich nur scheitern. Heute ist es bei mir so, dass ich etwas noch mal mache, wenn es nicht geklappt hat. Das ist etwas, was mehr Ruhe in mein Leben brachte – vielleicht wird auch mein Auftreten dadurch beeinflusst.

Sie haben vorhin Mode und Konsum erwähnt. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ich bin kein Mensch, der durch Mode auffallen will. Ich hole mir Teile, die zeitlos sind und in denen ich mich wohlfühle. Es muss gemütlich sein und mir das Gefühl vermitteln, dass ich mich flexibel bewegen kann. So gesehen kleide ich mich wahnsinnig gerne so, dass ich abends zu einem feinen Essen, aber auch auf ein Hip-Hop-Konzert gehen kann.

Wie wichtig ist Qualität?
Mein Kleiderschrank ist nicht sonderlich üppig gefüllt, darin sind eher wenige, qualitativ hochwertige Sachen. Haltbarkeit ist für mich nicht nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig, ich habe einfach auch viele Lieblingsteile, die lange bei mir bleiben sollen.

»Ich bin kein Mensch, der durch Mode auffallen will. Ich hole mir Teile, die zeitlos sind und in denen ich mich wohlfühle. Es muss gemütlich sein und mir das Gefühl vermitteln, dass ich mich flexibel bewegen kann.« – Ken Duken

Ist Innenarchitektur für Sie ein Thema?
Ja, Interieur ist ein großes Faible von mir und meiner Frau. Ich brauche keine Villa und keinen Palast – was ich brauche, ist meine Höhle. In dem Sinne, dass ich mich in unserer Wohnung oder im Haus wohlfühlen will und inspiriert werden möchte. Mich sollen Farben und Designs, die ich mag, anlachen. Aber ganz wichtig: Wie auch in der Mode geht es nicht um das Beeindrucken von Freunden oder Gästen. Die Sachen, die man trägt und mit denen man sich umgibt, sind Teil des Charakters und der Persönlichkeit. Ich finde es aber auch spannend, sich mit dem Thema Preis-Leistung auseinanderzusetzen. Etwas zu kaufen, weil es teuer ist, macht für mich keinen Sinn, wenn ich es in der gleichen Qualität viel günstiger bekomme.

»Ich brauche keine Villa und keinen Palast – was ich brauche, ist meine Höhle. In dem Sinne, dass ich mich in unserer Wohnung oder im Haus wohlfühlen will und inspiriert werden möchte.«

Ken Duken

Wann haben Sie so richtig Freude im Leben?
Beim Sport, wobei ich den nie alleine betreibe, sondern oft mit Freunden und Bekannten – ob das nun Laufen, Yoga, Stretching, Krafttraining oder Jiu Jitsu ist. Das Training mit anderen bedeutet mir sehr viel.

Wie oft trainieren Sie in der Woche?
Das kann fünf- bis sechsmal in der Woche sein und eineinhalb bis drei Stunden am Tag dauern. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich nicht wohlfühle, mache ich regeneratives Training, Stretching oder Yoga. Will ich Stress abbauen, mache ich intensives, kampfsportorientiertes Zirkel- oder Krafttraining. In diesem Jahr ist es schwierig, aber normalerweise suche ich mir an meinen Drehorten eine Jiu Jitsu-Schule und habe sofort eine neue Familie. Egal, wo ich bin: Man kann immer eine Schule finden, da trainieren und dazulernen.

Wie wichtig ist es für Sie, beweglich in der Welt zu sein?
Wir sind in diesem Jahr ins Auto gestiegen und bis nach Südfrankreich gefahren, um wenigstens ein bisschen Sommerurlaub zu haben. Dort konnten wir uns in dem Hotelkomplex frei bewegen und an den Strand fahren. Freiheit, Beweglichkeit und Mobilität hat mir immer viel gegeben.

Sie sind Markenbotschafter für CUPRA.
Ja, mir gefällt die Vision der Marke sehr gut – und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

»Normalerweise suche ich mir an Drehorten eine Jiu Jitsu-Schule und habe sofort eine neue Familie, kann dort trainieren und dazulernen.« – Ken Duken

CUPRA hat das Leitthema »Create the Path«. Ist dieser Gedanke besonders passend für Sie?
Ja, ich kann mich mit der Marke wirklich identifizieren – wobei es auch hier um einen bewussten Umgang geht. Würde ich in ein Auto einsteigen und um die Ecke zum Einkaufen fahren? Nein, ich laufe lieber und schleppe die Taschen, solange ich es kann. Kurze Strecken gehe ich einfach wahnsinnig gerne zu Fuß. Aber diese Freiheiten, mich dahin zu bewegen, wohin ich will, sind für mich im Auto immer noch gegeben.

Haben Sie eigentlich auch Laster oder Schwächen?
Ich bin jemand, der wahnsinnig gerne genießt. Wirklich gutes Essen, Trinken, das ist schon meine Achillesferse. Ich würde auch lieber sündhaft viel Geld für Essen ausgeben als für Luxusgüter.

→ Lesen Sie das Interview mit Ken Duken auch in der rampstyle #21


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