Kurt im Gurt: Oh Shit!

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Anruf. Sie können bei den Challenge & GTDays auf dem Red Bull Ring je zehn Runden mit den folgenden vier Rennwagen fahren: Ferrari 458 Italia GT2, Porsche 991 RSR, Porsche 996 RSR, Ferrari 333 SP. Ach ja, die Aufgabe lautet, mal zu beweisen, was Sie so draufhaben.
Text Kurt Molzer
Bild Matthias Mederer & Marko Knab · ramp.pictures

Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass du meinst zu träumen. Das hier ist so eine Geschichte. Sie beginnt vor drei Monaten im Ristorante Pfauen, Reutlingen bei Stuttgart, Kanzleistraße 52, apulische Küche. Unser Chefredakteur lud die Redaktion und ein paar Freunde zum Abendessen ein. Große Runde also. An unserem Tisch saß auch ein drahtiger und überaus sympathischer Endvierziger. Ich merkte, dass er genau zuhörte, wenn ich etwas sagte. Meist lächelte er dabei verschmitzt. Am nächsten Morgen klingelte mein Handy. Der Chefredakteur war dran: »Ich hab Dir vor einer Minute eine E-Mail geschickt, sieh sie Dir an, mehr sag ich nicht.« Was ich zu lesen bekam, konnte unmöglich wahr sein: »Du fährst am 8. Juni im Rahmen der Challenge & GT Days auf dem Red Bull Ring je zehn Runden mit den folgenden vier Rennwagen: Ferrari 458 Italia GT2, Porsche 991 RSR, Porsche 996 RSR, Ferrari 333 SP. Und schöne Grüße von P. soll ich Dir ausrichten.« Im Anhang war jedes Auto auf einem Foto abgebildet (bei den Porsches handelt es sich freilich um 911er-Modelle – 991 und 996 lauten die internen Typenbezeichnungen).

Ich rief sofort zurück: »Ein verspäteter Aprilscherz?«

Mitnichten sei das ein Scherz, antwortete der Chefredakteur, P. sei früher Rennen gefahren, und zwar verdammt schnell und nicht in irgendeiner Micky-Maus-Serie, sondern in der Langstrecken-WM. P. habe gestern den Eindruck gehabt, dass ich den Mund ziemlich voll genommen hätte, aber nicht etwa mit den Spaghetti Carbonara, sondern mit meinen angeblichen Autofahrkünsten und diversen Erlebnissen in Rennwagen. Und weil P. einer sei, der Nägel mit Köpfen mache und dem was an einer guten Story liege, habe er noch vor dem Schlafengehen beschlossen, dem Österreicher sein ausgemachtes Maulheldentum abzugewöhnen. Solle der doch in einem reinrassigen Rennauto zeigen, was er wirklich draufhabe – aber was heißt in EINEM, in VIER gleich! P. gehöre der Porsche 991 RSR und der Ferrari 333 SP.

Ein englischer Ex-Rennfahrerkollege von ihm sei der Besitzer des 996 RSR und des 458er Italia GT2. Der Engländer werde, wie auch P., zu den GT Days anreisen, um nach längerer Zeit wieder mal ein paar Runden zu drehen. Er habe P. noch um Mitternacht in einem Telefonat zugesichert, seine zwei Autos ebenfalls zur Verfügung zu stellen, und gemeint, endlich werde ihnen mal einer zeigen, wo der Hammer wirklich hänge. Heute am frühen Morgen schon habe P. dann ihn, den Chefredakteur, aus dem Bett geklingelt, um sein Vorhaben mitzuteilen. (Wir werden P. übrigens, da er äußerst medienscheu ist, bis ans Ende dieser Geschichte immer nur P. nennen)

Und dann war’s auf einmal 8. Juni. Ich erwachte vor Sonnenaufgang und hörte Stimmen – zwei, um genau zu sein. Die eine mehr ein Stimmchen, leise, gebrechlich, unsicher: »Es wird Dein Tag, glaub nur fest dran … Hm, oder auch nicht, mir doch egal.« Die andere donnernd, unheilvoll, unmissverständlich: »Es wird Dein Armageddon!«

In der Nacht hinderten mich quälende Selbstzweifel lange am Einschlafen. Immer wieder die gleichen Fragen: »Bin ich dieser Aufgabe gewachsen? Und gab es je eine bessere Gelegenheit für eine grandiose Blamage und einen schlimmen Abflug?«

Das Aufstehen fiel mir schwer, ich fühlte mich nicht gerade ausgeruht. Um zehn Uhr war ich am Ring. Weiße Wolken zogen über die in die steirische Berglandschaft eingebettete Rennstrecke wie eine Schafherde.

→ Ob und wie Kurt seinen Tag der Tage übersteht und wie das Urteil des medienscheuen P. lautet? Lesen Sie alles in der ramp #58.


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