Lenny Kravitz: Just a music guy

Eine abgelegene Straße, ein Stadthaus im 16. Arrondissement in Paris.14 Jahre ist es her, dass Lenny Kravitz diese Villa fand, und wer sich dort umsieht, spürt nicht nur sofort, welche Bedeutung Stil, Ästhetik und Design für ihn haben. Hier begegnet man dem Menschen Lenny Kravitz jenseits der gelernten Kunst- figur so hautnah und offen wie selten. Und genau das war ja auch unsere Absicht.
Text Rüdiger Sturm
Bild Francois Halard

Mister Kravitz, was empfinden Sie als guten Stil?
Es kommt darauf an, dass man sich ehrlich und authentisch präsentiert. Wenn eine Person versucht, sich als jemand anderes auszugeben, wird das schnell peinlich.

Woher kommt Ihr Gefühl für Ästhetik?
Das hatte ich schon als Kind. Ich überlegte mir ständig, wie ich mein Zimmer am besten einrichten könnte. Vielleicht liegt das daran, dass ich viel Zeit mit fantasiebegabten Menschen verbrachte. Meine Mutter war Theaterschauspielerin. Durch sie lernte ich viele Schauspieler kennen. Mein Vater wiederum war Jazz-Promoter, sodass ich Größen wie Miles Davis traf.

Haben Sie durch Ihr Stilbewusstsein mehr Erfolg bei Frauen?
In diesen Kategorien habe ich nie gedacht. Design ist ein großer Teil meines Lebens. Es macht mir Spaß. Ich besitze meine eigene Designfirma, mit der ich unter anderem auch Gebäude gestalte. Eigentlich ist mein Stilbewusstsein für Frauen eher störend. Denn wenn eine davon in mein Leben tritt, ist alles fix und fertig. Viele Männer brauchen eine Frau, die für sie die Einrichtung gestaltet. Und bei mir gibt’s nichts mehr zu tun. Sie werfen einen kritischen Blick auf meine Möbel, und ich sage: »Du wirst das doch nicht etwa verschieben wollen? Das steht alles am richtigen Fleck!«

»Viele Männer brauchen eine Frau, die für sie die Einrichtung gestaltet. Und bei mir gibt’s nichts mehr zu tun.«

Sie sind als großer Frauenschwarm von Hollywood bekannt…
Nicht nur in Hollywood. Damit wir das ein für allemal klarstellen (lacht).

Die »New York Times« bezeichnete Sie mal als »internationalen Gott der Liebe« …
Den Artikel kenne ich gar nicht. Aber ich kann nur sagen: Ich hätte nichts dagegen, wieder eine Familie zu haben. Ein paar Kinder wären auch nicht schlecht.

Und wie werden Sie das anstellen?
Da kann ich keine großen Pläne machen. Jeder einzelne Tag ist eine Reise. Ich versuche, ihn bewusst wahrzunehmen, konzentriere mich auf den einzelnen Moment, bin dankbar und strecke meine Fühler nach Gott aus.

Sind Sie ein religiöser Mensch?
Religion spielt für mich eine wichtige Rolle. Aber ich verstehe darunter nicht Religion im strengen Sinne. Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat und habe deshalb ein enges Verhältnis zu ihm, das ich jeden Tag spüre. Die ganze Zeit über. Letztlich nimmt man mit ihm Kontakt auf, wenn man sich selbst verwirklicht. Das ist meine Religion.

Sie sind bekannt dafür, sich gelegentlich komplett zurückzuziehen. Brauchen Sie diese Isolation von anderen Menschen, um diese Verbindung zu spüren?
Ich genieße es, mit Menschen zusammen zu sein. Vor allem, wenn ich diese Menschen liebe. Wenn ich arbeite, bin ich von einem Team aus hundert Mitarbeitern umgeben und verausgabe mich bei dieser Zusammenarbeit komplett. Nach so einem Tag merke ich, wie dringend ich Zeit und Raum für mich selbst brauche. Darum ziehe ich mich in die Natur auf den Bahamas zurück. Da habe ich schon mal zwei Jahre lang in einem Wohnwagen in einem winzigen Dorf verbracht. In dieser Stille kann ich in mich hineinhorchen und dabei Dinge entdecken, die mich in meiner Entwicklung stören. Ich kann mir selbst für bestimmte Sachen vergeben. Ich wurde auf diese Weise auch mit dem Tod meiner Mutter und meines Vaters fertig, was ich vorher nicht geschafft hatte.

»Ich kann nur sagen: Ich hätte nichts dagegen, wieder eine Familie zu haben. Ein paar Kinder wären auch nicht schlecht.«

Sollte jeder diese Erfahrung machen?
Das hängt von der jeweiligen Person ab. Mich haben auch mal Freunde auf den Bahamas besucht, die mit der Stille nicht zurechtkamen. Dort gibt es eben kein Internet und kein Fernsehen. Wenn man die erste Woche in so einer Atmosphäre verbringt, hört man eine Art Summton. Aber der kommt aus deinem Inneren, das muss man erst begreifen. Ich persönlich finde es extrem wichtig, sich so eine Auszeit zu nehmen. Und dafür muss man auch nicht auf die Bahamas, man kann das auch in unserer Zivilisation erleben. Mich macht es extrem glücklich. Ich wache morgens auf und sage mir: »Ja, ich bin allein, aber nicht einsam.«

Das gesamte Interview mit Lenny Kravitz und zahlreiche weitere Geschichten finden sie in der aktuellen rampstyle #20.


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