LeRoy Grannis: Surfin' USA

Der perfekte Tag? Sah dann so aus: Du hast dir das Surfboard geschnappt, das Auto gestartet und bist von Strand zu Strand gefahren. Immer dem Ruf von Sommer, Sonne, Wind und Wellen hinterher. Immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Eine Hommage an Surf-Fotograf LeRoy Grannis.
Text Michael Köckritz
Bild LeRoy Grannis

Die Revolution fand an einem Sonntag statt. Es war der 2. Oktober 1966, als sich ein 18-jähriger Australier beim wilden Ritt übers Wasser mit seinem kurzen Board von der Schwerkraft löste und bei der Weltmeisterschaft im Wellenreiten am Strand von San Diego sensationell über das rollende Meer sprang. Noch nie hatte man so harte Manöver gesehen. Nat Young wurde vor vierzigtausend jubelnden Fans Weltmeister – und die Surfwelt stand Kopf. Von da an war kein Halten mehr: Alle wollten die neuen Shortboards und damit so unfassbar cool springen wie er. Eine ganze Generation wurde zu Surffreaks. Aus dem Kult wurde endgültig (Sub-)Kultur.

In den Jahren zuvor war das Wellenreiten in Kalifornien zu einer Massenbewegung geworden. 340000 US-Soldaten kämpften in Vietnam, aber in Kalifornien trugen die Jungs am Strand ihre eigene Mode und glitten mit ihren 3,5 Meter langen und 15 Kilo schweren Longboards lässig mit den Wellen. Man hörte »Surfin’ U.S.A.« von den Beach Boys rauf und runter, im Sommer war Bruce Browns Surffilm »Endless Summer« in die Kinos gekommen, Brian Wilson stand kurz vor der Veröffentlichung seines Meisterwerks »Good Vibrations« und LSD sollte noch drei Monate legal bleiben. Surfsport wurde zum symbolhaften, wunderbar schwerelosen Lebensstil.

»Ich war Wellenreiter und fotografierte das, was ich mir gerne ansah.« – LeRoy Grannis

Eine Schlüsselfigur der damaligen Szene war der Fotograf LeRoy Grannis, selbst ein begeisterter Surfer. Seine Aufnahmen fangen das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein, zeigen das Glück auf den Gesichtern derer, die die perfekte Welle erwischten, und dramatische Kämpfe mit Wasserbergen, aber auch das Drumherum: die Atmosphäre am Strand, die Horden von Fans bei Wettkämpfen, die mit Surfbrettern beladenen Automodelle entlang des Pacific Coast Highways. »Ich war Wellenreiter und fotografierte das, was ich mir gerne ansah«, sagt Grannis. So einfach war das für ihn.

Der Bildband »LeRoy Grannis – Surf Photography of the 1960s and 1970s« (Taschen Verlag, Köln) zeigt die spektakulärsten Aufnahmen aus seinem Privatarchiv, das rund 30 000 Fotos umfasst. Die Erstauflage des Buches – eine limitierte Version – war dann auch in Rekordzeit vergriffen. Die Bücher wurden im Internet für mehr als 1000 Euro gehandelt.Für uns einer der besten Bildbände der letzten Jahre. Jahre später versuchte Nat Young übrigens eine zweite Revolution: er beantragte, das Wellenreiten offiziell als Religion registrieren zu lassen. Aber dieser Ritt gelang Young dann nicht. Schade eigentlich.

LeRoy fängt das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein, zeigt das Glück auf den Gesichtern derer, die die perfekte Welle erwischten.


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