Text: Alexander Morath
Bild: Anders Overgaard
6 min

Mann unter Feuer: das Burning Man Festival

Wenn so ein postapokalyptischer Hauch von Mad-Max-Wahnsinn über die Wüste Nevadas bläst und nach sechs Tagen der lustvoll-ausgedehnten Feierei und Selbstinszenierung ein Holz-Gigant in züngelnden Flammen zu Schall und Rauch verpufft, dann hat das Burning Man Festival seinen vorzeitigen Höhepunkt erreicht.

Das Burning Man Festival also. Larry Harvey gilt als Initiator des Events, das sich mittlerweile als eine Art Kunst-Happening mit hippiesken Ausformungen geriert und zumal für Anhänger der Steampunk-Bewegung eine vertraute Bühne bietet, um ihre pseudofuturistischen Kostüme zum Besten zu geben. Art Cars und frisierte Fahrräder inklusive.Dabei – so will es die Legende – liegt der Ursprung des Burning Man nicht in der Kunst, nicht im Customizing und schon gar nicht im Cosplay. Sondern in der Liebe. Der unerwiderten Liebe, um genau zu sein. 1986 trommelte Larry Harvey am Baker Beach in San Francisco zwanzig Freunde zusammen, um nach einer gescheiterten Beziehung mal so richtig auf den Putz zu hauen. Als Akt der seelischen Reinigung oder einfach nur, weil an diesem Abend etwas zu viel Alkohol geflossen ist, hielt es Harvey zu später Stunde jedenfalls für eine ziemlich lustige Idee, eine Holzfigur in Brand zu setzen. Das kam an. Und sprach sich schnell herum. 1990 zählte das Burning Man bereits 500 Teilnehmer, wobei mit der Zeit nicht nur die Popularität des Events, sondern auch die Höhe der zu verbrennenden Symbolfigur anstieg.

Ein Party-Segen für die Veranstalter. Zugleich aber auch ein Dorn im Auge der amerikanischen Behörden, die das Treiben am Baker Beach mit Skepsis beobachteten und schließlich ein Verbot aussprachen. Die Folge: Harvey und das Burning Man zog es dorthin, wo sich für gewöhnlich niemand um Verbote schert, nämlich in die nordwestliche Wüste Nevadas, präziser: in die Black Rock Desert. Der Rest? Ist Geschichte.Mit jährlich rund 70.000 Teilnehmern ist das Burning Man, das vom 28. August bis zum 5. September stattfindet, längst so etwas wie eine Party-Institution. Da schauen dann auch gerne mal Marc Zuckerberg, Katy Perry oder Elon Musk vorbei. Ob sie auch dieses Jahr auf dem Festivalgelände anzutreffen sind? Abwarten. Die Tickets für das Burning Man sind nämlich: streng limitiert. Und nicht selten binnen einer halben Stunde komplett vergriffen.

Heißt also, wer bis jetzt noch keiner Karte habhaft wurde, kann sich den Versuch sparen. Und die Wartezeit schon jetzt einmal nutzen, um für das nächste Jahr die zehn Prinzipien des Burning Man zu verinnerlichen.

Zur ästhetischen Einstimmung hätten wir da auch noch was: den Bildband »Nothing Left Behind« von Anders Overgaard. Authentisch und mit einem feinen Gespür für die Leichtigkeit des Seins widmet sich der dänische Starfotograf, der bereits für die rampstyle fotografierte, den besonderen Burning-Man-Momenten. Es sind jene Momente, die sich irgendwo zwischen Euphorie und Ekstase bewegen und nur schwer in Worte zu fassen sind. Wohl aber in Bilder.

»Nothing Left Behind« by Anders Overgaard

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