Text: Matthias Mederer
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Mark Webber: "Ich mag es, mich immer weiter zu pushen."

Mark Webber trat von 2014 bis 2016 für Porsche in der Langstreckenweltmeisterschaft an und holte 2015 den Fahrertitel. Heute ist er Markenbotschafter für Porsche. Im Interview spricht er über Zeit, Uhren und warum ein 24-Stunden-Rennen auch mal zu kurz sein kann.

Mark, was bedeutet Ausdauer für Sie?

Ich liebe dieses Wort. Ich mache ja nebenbei noch Mountainbike-Rennen. Ich mag es, mich immer weiter zu pushen. Menschen, die sich immer weiter entwickeln, immer weiter gehen, faszinieren mich. Das beschreibt meine Mentalität. Der Ausdauergedanke ist für mich einfach allgegenwärtig.

Wie gehen Sie dabei mit Ups and Downs um?

Je mehr Erfahrung man sammelt, umso mehr sammelt man Erlebnisse, sowohl in der einen, als auch in der anderen Richtung. Man lernt dann, dass man sich nach tollen Erfolgen nicht ausruhen darf, man muss den Fokus aufrecht halten und sich weiter verbessern. Hingegen, wenn man etwas ins Hintertreffen gerät, dann muss man schauen, wie man wieder zurückkommen kann. Man muss sich aber schon dazu zwingen, wieder zurückzukommen. Das ist das Wichtigste.

2014 waren Sie einer der Ersten, die sich nach dem Ausfall bei den 24 Stunden von Le Mans wieder aufgerichtet und nach vorne geschaut haben. 2015 dann der Triumph für das Team. Wie gerne hätten Sie da selbst im Siegerauto gesessen?

Natürlich sehr gerne. Wenn man die Chance hat, Le Mans zu gewinnen, dann möchte man das auch unbedingt. Aber zunächst mal zählt der Erfolg für die Mannschaft. Wer weiß, wie das Rennen nach drei oder vier Stunden ausgesehen hätte. Es ist immer die Frage: nehme ich den Spatz in der Hand oder strebe ich nach der Taube auf dem Dach.

So gesehen war aus Ihrer Sicht ein 24 Stunden dauerndes Rennen nicht lang genug?

Klingt komisch, ich weiß. Ich denke auch, ich würde das Ergebnis vermutlich so belassen, wie es ist, denn in drei oder vier Stunden kann sehr vieles passieren, auch in die ungünstige Richtung.

Wie denken Sie als Rennfahrer und Mensch grundsätzlich über Zeit?

Ich denke, sie vergeht ein bisschen zu schnell und sie bestimmt unseren Alltag. Letztlich sind wir ja erst dann im Urlaub, wenn es uns egal ist, welcher Tag oder welche Uhrzeit gerade ist. Ich hoffe auch, eines Tages in der Zukunft weniger zeitorientiert denken und leben zu können.

Die Zeit spielt für Sie also sowohl in der realen als auch in der hypothetischen Welt eine enorme Rolle.

Sicher. Ich trage jeden Tag eine Uhr. Und ich habe auch schon immer eine Uhr gebraucht. Sie muss funktionell und verlässlich sein. Sie sollte auch ein gewisses Gewicht haben.

Sind Sie an der Technik eines Uhrenwerks interessiert?

Nicht so sehr wie an der Technik eines Rennwagens, aber sicherlich ein Stück weit von grundsätzlicher Natur her. Es gibt ja durchaus Parallelen: Präzision, Timing etc. Ich durfte mir bei Chopard mal anschauen, wie die Profis diese kleinen Zahnräder und Schrauben zusammen bauen. Ich durfte es dann sogar selbst probieren und bin rasch zum Schluss gekommen: Ich überlasse das den Profis.

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