McLaren 765LT Spider: 24 Stunden, zwei Shootings – und ein Kilometerlimit

Wir beklagen uns nicht, in 24 Stunden 600 Kilometer in einem McLaren 765LT Spider fahren zu dürfen. Aber seien Sie versichert: Es gibt tatsächlich auch entspanntere Aktivitäten. Was aber nicht am Auto lag, sondern eher am Zeitplan und der Kilometerbeschränkung. Zum Tag des Odometers: die Kilometer-Chronik einer besonders dynamischen Produktion.
Text Alfred Rzyski
Bild Matthias Mederer & Marko Knab · ramp.pictures

Böblingen, 19. April, 12:00 Uhr, 0 Kilometer:
Showdown! Pünktlich zum High Noon bekommen wir vom McLaren-Kollegen den Schlüssel für einen McLaren 765LT Spider überreicht. Der freundliche Dörr-Mitarbeiter hebt noch warnend den Finger: »Pass auf die neuen Semislicks auf!« »Ah, eine Harzschicht auf den Reifen?« »Genau. Wenn Du es darauf anlegst, kann die nächste Ampel auch schon Deine sein«, sagt er. Und nein, damit sind nicht die theoretisch möglichen 2,8 Sekunden von null auf hundert gemeint – sondern das, was man Kaltverformung nennt. Der nächste Dämpfer folgt aber umgehend: »600 Kilometer maximal. Bis München, wo ihr den Wagen morgen wieder abgeben müsst.« Na prima.

Autobahnauffahrt A81 Richtung Stuttgart, 19. April, 12:05 Uhr, 1 Kilometer:
Okay, das wird spannend. Einmal wegen der 24 Stunden und den 600 Kilometern als Limit, aber auch, weil die Semislicks tatsächlich und wirklich komplett neu sind. Hat man dann bei den 65 Kilometern pro Stunde in der Autobahnauffahrt gemerkt. Oder um etwas genauer zu sagen: als beim Lenken kurz das Heck wegging. Zehn Jahre Arbeit in Vollzeit ziehen kurz vorbei – ohne Essen und Miete natürlich. Man könnte auch sagen: 369.000 Euro Grundpreis. Jetzt aber auf nach Reutlingen in die Redaktion und zuerst an das Alltagsgeschäft. Was muss, das muss.

»600 Kilometer maximal. Bis München, wo ihr den Wagen morgen wieder abgeben müsst.« Na prima.

Flughafen Stuttgart, 19. April, 21 Uhr, 77 Kilometer:
Bad Boys, Bad Boys … die Sonne ist untergegangen und es liegt diese Stimmung des Actionfilm-Klassikers mit Will Smith und Martin Lawrence in der Luft. Der Chef möchte eine Produktion in der Dämmerung, und die soll er bekommen. Schrödingers McLaren ist natürlich auch mit von der Partie – und wird so wenig fahrend wie möglich, so dynamisch wie nötig fotografiert. Der Fotografenkollege Mederer fährt sich durch die Haare und prustet durch. Ja, Matthias, so geht’s mir auch. Um halb elf ist Schluss und wir fahren auf direktem Weg nach Hause. Aber man muss es einfach mal so sagen: der Wagen ist geil. Einfach geil.

Flughafen Stuttgart, 20. April, 6 Uhr, 139 Kilometer:
Wieder wir, wieder der Flughafen – und offensichtlich auch eine Menge Zwielicht in der Dämmerung. Zumindest für die fahle Gestalt, die irgendwo hier am Flughafen arbeitet. Eigentlich atmen der V8 Biturbo und die beiden müden Fotografen nur durch (auch beim Gedanken an den Kilometerstand) – aber der belegte, abgelegene Taxistand ist dann doch zu viel für den zäh schleichenden, weiblichen Poltergeist: »Das werde ich melden«, hören wir. Gut, mach das. Wir schalten auf den lautesten Sportmodus und rollen weg. Die verbliebenen Bilder, die wir gestern nicht mehr geschafft haben? Sind jetzt sowieso im Kasten.

Abflug Richtung München, aber mit Umweg über die Schwäbische Alb – die A8 bei Merklingen ist nämlich wegen eines Felssturzes gesperrt. Nichts geht mehr. Um zwölf müssen wir da sein

Bad Urach, 20.April, 8 Uhr, 190 Kilometer:
Zugegeben, wir haben noch für ein kleines Frühstück gehalten – und den Heckflügel des 765LT am Straßenrand als Kaffeetheke missbraucht. Oder alles richtig gemacht, wer weiß das schon nach so einer kurzen Nacht. Hoch die Steige, aber hinter einem LKW. Na super. Und vor München wartet dann auch noch der Berufsverkehr. Am Horizont türmen sich auch noch Regenwolken. Die Semislicks lachen – wir nicht.

München, 20.April, 11:45 Uhr, 420 Kilometer:
Geschafft. Matthias und ich stellen den McLaren beim Händler in München ab. Aber erst nach Sturzfluten, einer Powerboat-Einlage und noch einer Umleitung. Aber hey, wir sind pünktlich, das Auto ganz und die Kilometer bei Weitem nicht ausgeschöpft. Stolz drücken wir dem McLaren-Mitarbeiter den Schlüssel in die Hand. Er meint nur: »Echte Punktlandung, Jungs!« »Wie bitte?« »Ja, 590 Kilometer, viel mehr hätte es nicht sein dürfen«, lacht er.

Das Handy vibriert, eine Nachricht vom Chef: »Hat alles geklappt? Übrigens, ich bin mit dem McLaren gestern Nachmittag eine kleine Runde gefahren. Tolles Auto!« Ich zeige die Nachricht Matthias, wir blicken uns still an. Kleine Runde, alles klar.

→ Wer das Auto in der Zwischenzeit sonst noch gefahren ist, was Stöckelschuhe und der Mount Everest damit zu tun haben … und überhaupt: Das lesen sie alles in den kommenden Ausgaben von ramp & rampstyle.


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