Mehr ist mehr: Mletzko Marrakesch

Der Stoff, aus dem Dirk Lührmanns Porsche-Träume geprägt sind, kommt im Fall des »Marrakesch« in orientalischer Üppigkeit daher. Aber auch sonst sind die puristisch angelegten, von »Mletzko« in Osnabrück gefertigten Elfer-Umbauten alles andere als alltäglich. Und das nicht nur optisch.
Text Marko Knab
Bild Maximilián Balázs · ramp.pictures

Dieter Rams hat uns gelehrt: Weniger ist mehr. Dirk Lührmann wiederum findet: Mehr kann auch mehr sein. Zum Beispiel wenn sich neben gutem Design auch weitere positive Eigenschaften wie konsequenter Leichtbau und mutiger Stil treffen. In seinem »Mletzko Marrakesch« zum Beispiel, der die Ästhetik des Ur-Elfers mithilfe moderner Technik und geschickter Reduktion aufs Wesentliche in die Gegenwart holt. Dieses Fahrzeug ist weit mehr als nur ein weiteres Backdate im Porsche Kosmos. Denn hinter dem weißen Elfer mit der orientalischen Note und dem leistungsfähigen Innenleben steckt neben der Faszination für vergangene Zeiten sehr viel Herzblut im Schnittbereich von Porsche und Design-Affinität.

Lührmanns Begeisterung für Porsche wird in den 1970ern entfacht. Auf dem Schulweg sieht er vor einer Apotheke einen weißen Porsche 911 2.7 RS stehen. Der kleine Dirk weiß sofort: So einen will später selbst fahren. Knapp 40 Jahre später lernt der ehemalige Immobilienspezialist bei einem Kurzurlaub in Kalifornien auch die Umbauten der kalifornischen Edelschmiede Singer kennen und schätzen. Davon inspiriert gründet er 2016 seine eigene Firma. Klassische Sportwagen mit Straßenzulassung will er bauen. In vollendeter Form und mit modernster Technik ausgestattet. Die Firma benennt er nach dem Apotheker, vor dessen Laden der 2.7 RS stand: Mletzko.

Auf Basis eines 911 der Generation 964 wird seine Vision zunächst mit dem roten »Heartbeat« Realität. Mit Carbon-Karosserieteilen, Vier-Liter-Motor und komplett überarbeiteter Elektronik wird der verschärfte Elfer im F-Modell-Look augenzwinkernd »Heartbeat« getauft – Lührmann plagen während des Umbaus Herz-Rhythmus-Störungen. Ein Pulsdiagramm findet sich auf dem Tankdeckel wieder, der stellvertretend für die umgerechnet 552 Millionen Herzschläge während der Entwicklung steht.

»Ich wollte hier zeigen, was in Sachen Individualisierung möglich ist!«

Nach dem gleichen Rezept, aber zum Glück ohne gesundheitliche Auswirkungen, folgt kurze Zeit später der »Marrakesch«. Gegenüber dem etwas dezenteren »Heartbeat« ist die zweite Mletzko-Dosis ziemlich extrovertiert und – zumindest im Inneren – von orientalischer Üppigkeit geprägt. Den kreativen Anstoß gab ein Stoffmuster. »Das habe ich irgendwann mal entdeckt und war sofort begeistert«, klärt Lührmann auf. Es erinnerte ihn an einen Besuch von Marrakesch. Die marokkanische Stadt wurde nicht nur zum Namensgeber des Fahrzeugs, sondern auch zur zweiten Inspirationsquelle.

Das Design des Wagens entwarf er rund um das textile Thema: purpurne Felgen, lebhaft-gemusterter Porsche-Schriftzug am Heck und eine Innenausstattung, die direkt aus den Teppichknüpfereien Marrakeschs zu stammen scheint. »Ich wollte hier zeigen, was in Sachen Individualisierung möglich ist«, erklärt der Osnabrücker. Besonders spannend ist dabei der Kontrast zwischen dem eher reduzierten, weiß lackierten Exterieur und dem ausgefallenen Innenraum. »Es ist das gleiche Auto, aber es sind zwei verschiedene Welten«, vergleicht der Porsche Enthusiast den »Marrakesch« mit dem »Heartbeat«. Zumindest in gestalterischer Hinsicht.

Beim Technikkonzept ist er sich dagegen treu geblieben: Neue Elektronik, der Wegfall der Sicherungsbox und gut 700 neu entwickelte Teile, davon viele Karosserieteile aus Carbon, drücken das Gewicht um 200 Kilogramm auf 1.145 Kilo. Und eine Aufarbeitung des originalen Vier-Liter-Sechszylinder-Boxers steigert die Leistung wie beim »Heartbeat« auf 369 PS.

Feine Sache, das. Der einzige Haken daran: Gute acht Monate muss ein Kunde auf seinen persönlichen Mletzko warten. Dafür bekommt er aber ein einzigartiges Fahrzeug – und länger Zeit, sich in Vorfreude zu üben.

Ja, Dirk Lührmann hat recht: manchmal ist mehr auch mehr.

Mehr Informationen:

mletzko.com


ramp shop


Letzte Beiträge

Hot? Art-Spots! Diese Museen sollten Sie unbedingt besucht haben!

36 Grad und es wird noch heißer? Na Prima. Dann kühlen wir uns besser ab. Mit cooler Kunst in klimatisierten Räumen. Von Autos über Fashion und Interior-Design bis hin zu zeitgenössischen Exponaten. Fünf Kunst-Hotspots zum Internationalen Museumstag.

Wer kann, der Cannes: Unser Côte-d’Azur-Roadtrip im Bentley

Heute starten die bekannten Filmfestspiele im südfranzösischen Cannes – mit Weltpremieren und einem echten Staraufgebot. Wir feiern zum Auftakt mit und munter unser eigenes Roadmovie zwischen Saint Tropez und Cannes. In der Hauptrolle: Das »Savoir Vivre« und ein Bentley Continental GT Speed Cabrio.

Udo Lindenberg: »Ich hab 'ne Kondition wie ein Automatikgetriebe«

Falls Sie es noch nicht wussten: Udo Lindenberg ist sportlich. Und das am liebsten im Porsche Turbo, wie er uns im ramp Interview verrät. Und wir? Wir verraten euch zu seinem 76. Geburtstag einmal fünf mehr oder weniger bekannte Fakten über den Turbo-Rocker.

Legendär – und lesenswert: fünf Biografien

Stars und Legenden mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen? Zum Glück boomt das Genre der Biographie. Wer etwas auf sich hält, veröffentlicht eine. Manchmal um jeden Preis. Für ungetrübten Lektüregenuss haben wir zum Tag der Biografen fünf Vorschläge: Die sind cool, rockig, aber auch schnell und doppelt gut – immer aber lesenswert.