Michael Fassbender: Road to Le Mans

Mit einem Team von Porsche Motorsport arbeitet Hollywood-Star Michael Fassbender daran, fit für Le Mans zu werden – und sich als Amateurfahrer in ultimativen Rennsportevents zu messen. Jetzt ist es soweit: Fassbender geht in Le Mans an den Start. Seinen Weg dorthin zeigt Porsche in einer Serie auf YouTube. Großes Kino.
Text Patricia Jell
Bild Tom Ziora

Der Moment kommt im letzten Rennen der Saison. Im Autódromo Internacional do Algarve in Portimão fährt der Porsche 911 RSR mit der Startnummer 93 auf den zweiten Platz. Für das Team ist es die erste Podiumsplatzierung in der European Le Mans Series (ELMS) – und noch viel mehr als das: Es ist der Moment, in dem aus einem Traum eine echte Möglichkeit wird.

Denn am Anfang war es genau das: ein Traum – als autobegeisterter Amateurfahrer in kürzester Zeit fit zu werden für das Rennen der Rennen, für Le Mans. Den Fahrer kennen wohl die meisten, nur eben nicht aus einem Cockpit: Es ist Michael Fassbender, Hollywood-Star und wahrscheinlich einer der besten Schauspieler seiner Generation – und dazu auto- und rennsportbegeistert. An seiner Seite: ein Team von Fahrern, Ingenieuren, Mechanikern und Rennsportprofis. Gemeinsam mit Porsche arbeitet Fassbender daran, nun zu einem Rennfahrer zu werden, der auch in Le Mans bestehen kann. »Mir fällt keine andere Sportart ein, bei der ich als Amateur unter Top-Profis mitfahren kann. Das ist, als ob man in Wimbledon teilnehmen würde. Oder zusammen mit Usain Bolt bei der WM sprintet«, sagt Fassbender. Doch der Weg dorthin ist steinig. Den Moment in Portugal haben sich der 44-Jährige und die Mannschaft von Porsche hart erarbeitet – mit Hingabe, Disziplin und der Fähigkeit, sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen.

Dieser Moment, in dem aus einem Traum eine Möglichkeit wird.

Porsche begleitet diesen Weg mit der Kamera, daraus ist die Serie »Road to Le Mans« entstanden, zu sehen auf YouTube. Und ehrlich: »Road to Le Mans« ist eine kleine Sensation, und das nicht nur in der Szene der Rennsportfans. Wer verstehen will, wie Teamgeist entsteht, warum Motorsport so faszinierend ist und was Menschen mit ihrem Willen erreichen können, der kann all das in den Episoden auf YouTube verfolgen. Denn »Road to Le Mans« erzählt weniger die Geschichte eines Hollywoodstars, der Rennen fahren will, als die eines Teams von Enthusiasten, das gemeinsam wächst und seinem Ziel dabei immer näherkommt. Fassbender und seine Fahrerkollegen, Porsche Werksfahrer Richard Lietz und Felipe Fernandez Laser, Instruktor bei Porsche, sie alle arbeiten sich zusammen Kilometer für Kilometer, Training für Training, Rennen für Rennen, vorbei an Unfällen, Niederlagen und Momenten der Verzweiflung an einen Traum heran, der längst ein gemeinsamer ist.

In Belgien ist das Podium dagegen endlich zum Greifen nah, geht aber doch noch verloren – in der letzten Runde, wegen eines defekten Funkgeräts.

Wo die Geschichte dieses Traums beginnt? Schwer zu sagen. Vielleicht schon vor Jahrzehnten in Heidelberg, als der damals dreijährige Michael Fassbender mit seiner Familie Deutschland Richtung Irland verlässt – mit einem großen, grünen Lastwagen, der ihn fasziniert. »Ich wollte im Auto immer auf dem Schoß meines Vaters sitzen und lenken«, erinnert er sich. Vielleicht beginnt sie auch, als Fassbender, dann schon längst berühmt, seinen Schauspielkollegen Patrick Dempsey trifft, der mit Porsche Rennen fährt, und so der Kontakt zu dem Sportwagenhersteller entsteht. Spätestens aber, als Porsche Fassbender im Sommer 2018 einlädt, im Motorland Aragón den Rekordwagen 919 Hybrid Evo zu fahren. Danach absolviert er ein Training der Porsche Track Experience, das Einsteigerprogramm für Motorsportbegeisterte, bei dem im 911 GT3 Cup trainiert wird. Dann steigt er in die Porsche Racing Experience auf, durchläuft betreut von Porsche drei aufeinander aufbauende Levels und geht im Porsche Sports Cup Deutschland an den Start.

Hier sieht man nicht einem Hollywoodhelden beim Coolsein zu, sondern einen Mann, der hart an seinem Traum arbeitet.

In der Saison 2020 dann der große Schritt in die European Le Mans Series. Sechs Rennen à vier Stunden absolviert das Team in dieser ersten gemeinsamen Saison in der ELMS – und sie bringt direkt einen Schock. Fassbender muss mit seinem über 500 PS starken Porsche 911 RSR am Ende der Start-Ziel-Geraden auf der Formel 1-Strecke in Le Castellet einem LMP3-Prototypen ausweichen und schlägt in die Reifenstapel ein. Von seinem Traum bringt ihn das nicht ab. Bei späteren Rennen wird er unverschuldet in einen weiteren Unfall verwickelt, verliert im Qualifying die Kontrolle, dreht sich, schlägt ungebremst in die Streckenbegrenzung ein, muss abbrechen – und tut doch immer wieder eins: weitermachen, weiter trainieren, weiter üben, üben, üben.

Mit einem Arbeitsethos, das ihn wohl auch als Schauspieler auszeichnet: »Ich hasse es, wenn bei der Arbeit etwas schiefgeht, weil ich schlecht vorbereitet bin.« Also macht er weiter, immer weiter. Bis zum Erfolg. All das, die Kämpfe, die Niederlagen, die verdienten Erfolge, zeigt »Road to Le Mans«, und vielleicht ist die Serie auch deswegen so packend – hier sieht man nicht einem weichgezeichneten Hollywoodhelden beim Coolsein zu, sondern einem echten Menschen, der hart an sich und für etwas arbeitet, das ihm viel bedeutet.

Arbeitsethos:

weitermachen,
weiter trainieren,
niemals aufgeben.

Und so geht Fassbender auch in der Saison 2021 in der ELMS an den Start. Er fährt einen Porsche 911 RSR für das Kundenteam Proton Competition in der Klasse LM GTE – der GT-Kategorie der Langstreckenserie. Absolviert Vier-Stunden-Rennen in Barcelona, Spielberg, Monza, Spa-Francorchamps und eben Portimão – und durchlebt dabei wieder Höhen und Tiefen: Der Saisonstart in Spanien ist überschattet von Anfangsschwierigkeiten, in Österreich kämpft das Team mit Wetterkapriolen, das Rennen in Italien verläuft komplett enttäuschend. In Belgien ist das Podium dagegen endlich zum Greifen nah, geht aber doch noch verloren – in der letzten Runde, wegen eines defekten Funkgeräts. Es braucht viel, um in solchen Momenten nicht zu zweifeln. Doch dann die Erlösung – in Portimão, Portugal.

Dort nun also das Podest. Die Arbeit hat sich gelohnt. Über all diese Monate und Rennen hat nicht nur Fassbender Fortschritte gemacht. »Wir alle sind als Team extrem gewachsen«, sagt Sebastian Borowski, der das Projekt vonseiten ­Porsches aus betreut. Und wie macht man das als Team, jemanden zu einem Rennfahrer auf Le Mans-Niveau zu entwickeln? Das Wichtigste sei Vertrauen ineinander. »Und Porsche hat extrem viel Erfahrung in Langstreckenrennen, daher wissen wir: In einem Rennen wie Le Mans wird man immer mit Situationen konfrontiert, die man nicht vorhersehen kann. Also ist es wichtig, den Fahrer Schritt für Schritt zu entwickeln, damit er so viele Erfahrungen wie möglich sammeln kann.« Für den Fahrer heißt das: »Sei geduldig. Eines Tages bist Du so weit.«

Dieser Tag wird wohl in der Saison 2022 kommen, man hat nun Le Mans im Visier. Dann soll der Traum von einer Möglichkeit endlich zur Realität werden. Eines ist schon mal sicher: Wir sehen zu.

Die ersten drei Staffeln der YouTube-Serie »Road to Le Mans« zeigen die gesamte Geschichte vom ersten Porsche Sport Cup-Rennen am Hockenheimring bis zum Rennen der European Le Mans Series auf dem Autódromo Internacional do Algarve. Die aktuelle Staffel finden Sie hier.

→ Zahlreiche weitere Aufnahmen sehen in der ramp #56.


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