Text: Tom M. Muir
Bild: Götz Göppert
3 min

Mit dem Volvo V90 Cross Country quer und auch feldein

Schweden. Das ist naturverbundene Bescheidenheit, ein Werteverständnis bedacht auf Sicherheit, auf stilvollen Genuss und ehrliches Handwerk. Mensch und Natur leben im Einklang. Doch dann ist da dieser zugefrorene See und der Volvo V90 Cross Country.

Zlatan Ibrahimovic ist öfter da. Er habe hier ein Haus, heißt es. Wo genau? Irgendwo unten im Dorf. Die Aufregung darüber hält sich in Grenzen. Ehrlich gesagt: Es interessiert keinen müden Elch.

An einem See nahe Åre Björnen, einem der beliebtesten und größten Skigebiete Schwedens, spiegelt sich Thors Hammer in einem Wasserfilm auf dem Eis. Präzise gesagt ist es die neue Signature-Line im Scheinwerfer eines Volvo V90 Cross Country, der am Seeufer steht. Die Natur schläft, lediglich ein kurzer Windstoß sorgt spontan für etwas Betriebsamkeit unter den dünnsten Ästchen.Einen Augenblick später ist der spiegelglatte Wasserfilm zerstört, das Scharren von vier spikegezahnten Rädern auf blankem Eis mischt sich mit einem konstanten am Drehzahlbe­gren­zer dröhnenden Ächzen eines Vier­zylinder-Twin-Turbodiesels mit 480 Newtonmetern und 235 PS. Alle vier Räder kratzen nach Haftung, ziehen den Volvo aber sauber mit weit ausbrechendem Heck über das Eis. Es spritzt ganz herrliche Fontänen, mit denen sich der Garten eines kleinen Landhauses wässern ließe. Gegenlenken. Unbedingt am Gas bleiben. Das Heck schwingt rum. Einlenken. Ein heftiges Reißen von der linken Schulter über den Brustkorb presst den Fahrer in den Sitz. Die Elektronik erkennt Gefahr, reagiert sofort, der Gurtstraffer erinnert den Fahrer physisch an die Vision 2020. Jenes Versprechen, das die Sicherheitsfeatures eines Volvo in spätestens drei Jahren auf ein Level bringen soll, das tödliche Unfälle komplett verhindert. Auf einem einsamen Eissee allerdings ist weit und breit keine Gefahr in Sicht. Die Sensoren haben sich getäuscht. Es sei denn, es wird noch etwas wärmer … Und es wird noch etwas wärmer. Das Sicherheitsfeature hierfür heißt Thermometer. Und es zeigt mittlerweile 7 Grad über Null an. Also runter vom Eis. Denn Schwimmen gehört nicht zu den Vorkehrungen, die Volvo für seine Autos als notwendig erachtet. Noch nicht.

Gegenlenken. Unbedingt am Gas bleiben. Das Heck schwingt rum. Einlenken. Ein heftiges Reißen von der linken Schulter über den Brustkorb presst den Fahren in den Sitz.

Dafür aber Offroad-Fahren auf befestigtem Boden. Damit lassen sich plötzlich Landschaftsteile entdecken, die bisher abseits befestigter Straßen verborgen blieben. Gerade in Schweden öffnet das ganz neue Perspektiven. Genau wie das teil­autonome Fahren, die technikgewordene Mutation des Tempomaten der 1980er-Jahre, wenn man so will. Selbst auf den teilweise von Schnee, Streugut und Eis bedeckten und von Spikereifen übel verprügelten Landstraßen mitten in Schweden nutzt der Spurhalteassistent selbst die schwächste Fahr­bahnmarkierung zur Orientierung. Der Ab­stand zum Vordermann wird sowieso eingehalten. Statt sich aber seiner eigenen Leistung stolz zu rühmen, nörgelt der Assistent herum: Ob der faule Fahrer nicht vielleicht mal eine Pause machen wolle, wenn er das Auto offensichtlich nicht mehr selbst steuern wolle. Alles ganz höflich natürlich und im Sinne von Politik und gesetzlichen Vorgaben, versteht sich. Es wird Zeit, dass sich da bald etwas ändert; die schwedische Land­schaft bietet einfach so viel mehr, als dass ein Fahrer sich auf das monotone Steuern seines Fahrzeugs konzentrieren sollte.

Abends dann, die Sonne ist lange untergegangen, rollt der Volvo langsam einen abgelegenen, zugeschneiten Weg entlang – für einen verwöhnten Städter am Steuer darf das als cross country durchgehen. Am Ende dieses Weges steht ein Haus. Es ist das Hotelrestaurant Fäviken Magasinet. Urige Räume, kleine, gemütliche Zimmer, Gemeinschaftstoiletten und -duschen. Alles sehr hochwertig. Die dicken Deckenbalken hängen tief und schwer über den Köpfen, die Holzwände zieren alte Werkzeuge, Zweige, ein Fellmantel; ein Feuer brennt im Kamin. Eine Stimmung wie in Quentin Tarantinos »The Hateful Eight«, nur dass es statt des ganzen Gemetzels ein schwedisches Dinnererlebnis über vier Stunden gibt. Eines, für das Gäste aus New York und der ganzen Welt extra hierhin einfliegen. Zu jedem Gang wird das passende Getränk serviert. Fahren kann man danach allerdings nicht mehr, auch nicht autonom.Leinsamenchips mit Muscheldip, Forellenrogen in (warmer) Schweineblutkruste, geräucherte Wildgans, Jakobsmuschel, Kaisergranat, Kabeljau, um nur einen kleinen, unvollständigen Auszug aus dem Menü des Fäviken Magasinet zu nennen.

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