Mit McLaren fing es an

Zehn Jahre Dörr Group. Mit einem McLaren-orangenen 12C Coupé mit Union Jack auf der Seite fing es an. Bis heute hat die Dörr Group mehr als 1.200 McLaren verkauft und mittlerweile acht weitere Marken im Portfolio.
Text Matthias Mederer
Bild Dörr Group

Die Chancen sehen. Nicht das Risiko. So ticken Rennfahrer. Dort, wo sich eine Lücke auftut, hinein stechen und den Gegner überholen. Ohne zögern, mit Mut und der Leidenschaft für den Sieg.

Die Chancen sehen. Nicht das Risiko. So ticken Unternehmer. Dort, wo sich eine Möglichkeit bietet, zuschlagen. Mit Mut und Leidenschaft für die Sache brennen.

Rainer Dörr kennt Beides. Und er hat beides erfolgreich bestritten. Dass ihm seine Erfahrung als erfolgreicher Motocross- und Rennfahrer (u.a. Deutscher Juniorenmeister in der 80ccm-Klasse 1986) hier geholfen hat, die Dörr Group in den vergangenen zehn Jahren zum vielfältigsten Supersportwagenhändler Deutschlands aufzubauen, daran lässt er keinen Zweifel.

Im Jahr 2011 wollte McLaren von der Rennstrecke auf die Straße und baute sich ein weltweites Händlernetzwerk auf. Diese Chance hat Rainer Dörr ergriffen. Der Unternehmer aus Butzbach und seine Frau packte seine zehnjährige Motorportkarriere in den Koffer und überzeugte die Briten, ihm McLaren in Frankfurt anzuvertrauen. Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Aus einer Marke wurden acht, aus einem Standort fünf und aus drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern knapp 100. 2021 feiert die Dörr Group mit Hauptsitz in Frankfurt ihr 10-jähriges Jubiläum. „Ich bin angetreten, um ausschließlich das zu tun, was ich wirklich mag: nämlich nah am Kunden sein und für ihn in Ruhe das richtige Auto finden und mit einem kleinen Team die Faszination Motorsport auf die Straße bringen“, erzählt Rainer Dörr. „Dass McLaren – also ein Formel-1-Team – genau zu der Zeit sich in Richtung Straßenfahrzeuge orientierte und ein weltweites Händlernetzwerk aufsetzen wollte, hat einfach perfekt zu unserer Motorsport-Erfahrung gepasst. Das war eine einmalige Chance.“

Einzig beim Thema Umgang mit Premium- und Luxuskunden sei man seitens McLaren lange und immer wieder skeptisch gewesen. »Und ehrlich gesagt, so genau wussten auch wir nicht, was, beziehungsweise, wer da auf uns zukommt«, erzählt Evelyn Dörr heute. Doch es stellte sich sehr rasch heraus, Premium-Kunden schätzen die gleiche Dinge wie Kunden von Volumen-Herstellern wie BMW, Audi oder Mercedes. »Es sind Menschen und sie wollen als solche wahrgenommen und Wert geschätzt werden. Das schaffst du nicht, indem du ihnen einfach den teuersten Champagner servierst. Da kommt es auf andere Dinge an.« Zum Beispiel auf glaubwürdige Kompetenz. »Gerade bei McLaren, einer Marke, die sich über ihre technische und Ingeniöse Leistungsfähigkeit definiert, war es wichtig, den Kunden das auch erklären zu können. Im Grunde sind diese Fahrzeuge 200 Kilo leichter als die Konkurrenz und technisch vom Rennsport abgeleitet.« Was da dahinter steckt, kann ein Händler, der auch Rennfahrer ist, natürlich weit anschaulicher erklären.

»McLaren-Kunden sind beispielweise unglaublich rennstreckenaffin.«

Rainer Dörr

Dieses intuitive Verständnis aus dem Produkt heraus helfe ihm auch bei Problemen mit einem Auto. Luxus-Kunden sind sehr verwöhnt, doch auch Luxus-Produkte, vor allem im Highperformance-Bereich können eben auch hier und da mal Probleme machen. »In den meisten Fällen findet sich aber eine Lösung im einvernehmlichen Austausch.« Und wenn nicht? »Hmm…«, Dörr überlegt kurz. Dann schmunzelt er. »Neulich hatte ich einen Kunden da, der hatte angemerkt, dass die Bremsen an seinem McLaren nur einen Tag auf der Rennstrecke mitmachen, während die Bremsanlage an seinem anderem Rennstrecken-Tool, dessen Marke ich hier nicht nennen möchte, locker eineinhalb Tage hielten. Ich habe ihn dann gefragt, wie viel schneller er denn pro Runde mit dem McLaren sei. Da hat er kurz gestutzt … Naja, meinte er dann, so sieben Sekunden pro Runde. Ich hab ihm dann im Scherz nahe gelegt, mit seinem McLaren einfach sieben Sekunden langsamer pro Runde zu fahren und dann mal den Bremsverschleiß zu beobachten. Da hat er gelacht.«

Das größte Kompliment, das er bekommen habe? »Unsere Kunden sind allesamt sehr wohlhabend. Diese Kunden bekommen andauernd etwas angeboten, jeder will ihnen etwas verkaufen«, sagt Dörr »Sie sind das gewohnt, doch im Grunde nervt es sie auch. Neulich hatte ich einen Kunden da und wir haben uns sehr lange unterhalten über dieses Auto, über jenes Auto. Am Ende hat er sich dann für ein Auto entschieden und gekauft mit den Worten: ’Weißt du, seit langem hatte ich mal wieder das Gefühl, dass mich jemand ausschließlich beraten und mir nichts verkaufen will. Das ist doch sehr angenehm. Und das war ein klasse Kompliment, weil es genau den Kern dessen beschreibt, wofür wir stehen wollen.«

Das Ehepaar Rainer & Evelyn Dörr. Credit: Dörr Group

Der Grundstein der heutigen Dörr Group war die Eröffnung von McLaren Frankfurt. Schon bei der Eröffnung verkauften sie zwölf McLaren. In diesem Jahr darf das Unternehmen den 1200ten verbuchen, gezählt auf alle drei McLaren Standorte der Dörr Group - Frankfurt, Stuttgart und München. Fast jedes Jahr klopften weitere Hersteller an die Tür, kamen neue Marken hinzu. Lamborghini, Lotus und mit Bugatti dann der Ritterschlag aus Frankreich. Desweiteren sorgt die Dörr Group mit Pagani, Pininfarina, Dallara, Aston Martin und - als jüngstes Mitglied im Team Dörr – Singer bei Autoenthusiasten für angenehmes Herzrasen. Damit zählt das fast 100-köpfige Team um Rainer Dörr zu den vielfältigsten Supersportwagenhändlern Deutschlands. Seit ihrer Gründung 2011 in Frankfurt am Main expandierte die Dörr Group nach Stuttgart, München, Berlin und Hockenheim und hat mit dem Home of Speed by Dörr Group am Hockenheimring einen Startplatz für eingefahrene Supersportwagen geschaffen.

Das führt direkt zum Stichwort Urlaub. »Gute Frage!« lacht Ehefrau Evelyn. Tatsächlich schafft es das Ehepaar Dörr in den letzten Jahren zumindest über die Weihnachtstage das Geschäft zu zusperren. »Und vor Corona sind wir dann auch mal in die Sonne geflogen.« Davor? Rund 150.000 Kilometer spult Dörr pro Jahr auf den Straßen in und um Deutschland ab. Immer unterwegs. Wenn dann mal etwas Freizeit am Wochenende ist, dann geht es an die Rennstrecke. »Mit den Söhnen. Der Lärm der Motoren, die Anspannung an der Strecke, das ganze Ambiente, für mich ist das Erholung«, sagt Dörr.

Credit: Dörr Group.

Reine Freizeit aber ist auch das nicht. Denn Motorsport ist die DNA der Dörr Group. Mit der Dörr Driving School ermöglicht das Team den Einstieg vom Kart in den GT-Sport und Rennfeeling im eigenen Supersportwagen für Amateure. So ist die Dörr Group der einzige Vertriebspartner von McLaren Customer Racing in Deutschland und Kart Republic in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den Beneluxländern. Dörr Motorsport geht in der ADAC GT4 Germany auf einem McLaren 570S GT4 an den Start und mit dieser Saison auch zum ersten Mal mit einem Aston Martin Vantage GT4. Zudem greift ein Kunde der Dörr Group beim einzigen McLaren 720S GT3 Deutschlands beim ADAC Racing Weekend ins Steuer, ein weiterer mit einem Lamborghini Huracán Super Trofeo Evo.

Das Unternehmen ruht nie. Und das liegt nicht nur an rund 60 Events, die das Team Dörr gemeinsam mit Interessierten, Kundinnen und Kunden erlebt. Vor einigen Wochen erfuhr München eine extreme Standortaufwertung. Der Umzug in das neue Vorzeigeobjekt der Stadt, die Motorworld, ist erfolgreich abgeschlossen. Damit reihen sich McLaren München und die weltweit einzige Bugatti Boutique & Showroom in Showrooms nach den neuesten Designvorgaben der Hersteller. Auch das Home of Speed am Hockenheimring wird sich verändern. So kommen zum bereits bestehenden Gebrauchtwagenzentrum für Supersportwagen noch die weltweit erste P Zero World Lounge von Pirelli, eine Werkstatt im Infield und eine einzigartige Gesprächsreihe. Hier treffen Kunden auf Persönlichkeiten aus der Welt der Supersportwagen und können sich über Entwicklungen, Trends und Anekdoten austauschen.

Mehr Informationen:

doerrgroup.com


ramp shop


Letzte Beiträge

ramp #55 - Watt? Nun.

Moin! Wir haben Freude. An den Norddeutschen. Die gelten gemeinhin als kühl und unnahbar. Überschwang ein Fremdwort. Zur Verfestigung des ersten Eindrucks trägt das Grußverhalten bei, den Norddeutschen genügt ein angedeutetes Nicken. Besonders gut gelaunte Exemplare lassen sich zu einem »Moin« hinreißen.

Express Yourself: Grason Ratowsky

Grason Ratowsky war Creative Director in Agenturen in New York und arbeitete lange als Produkt-Designer. Heute lebt der 36-Jährige die meiste Zeit auf Mallorca. Und malt. Wir wollten wissen, welche Rolle das Unterbewusstsein bei seiner Arbeit spielt und ob ein Künstler unglücklich sein muss. Wobei Ratowsky einen sehr zufriedenen Eindruck macht.

Zeit für Luxus: Bulgari eröffnet die Autostyle Live-Workshops

Nach dem Auftakt vergangene Woche steht jetzt der erste Workshop im Rahmen der Autostyle 2021 an: Fabrizio Buonamassa führt für Bulgari durch die Entwicklung der hauseigenen Luxusuhren und die Verbindung der italienischen Designkultur mit dem schweizerischen Uhrmacherhandwerk

Really Fast

Dies ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, die damit beginnt, dass unser Autor fast nicht nach Italien gelassen wurde, um den Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano zu fahren. Was für viel Frust und sicher viel Lärm am heutigen, internationalen Tag der Frustrationsschreie gesorgt hätte. Es ging natürlich alles gut.